Soennecken „im Jahr der Umsetzungen“
Handel | Bei der Overather Händlerkooperation steht 2008 die Umsetzung entscheidender Weichenstellungen oben auf der Agenda. Wir sprachen mit Vorstandschef Dr. Benedikt Erdmann über die Kernthemen wie das neue Logistikkonzept.
Benedikt Erdmann: „Unsere Ziele und Projekte sind ambitioniert, aber realistisch. Allerdings können wir uns keine Ausreißer leisten.“Herr Dr. Erdmann, Soennecken hat sich für 2008 ehrgeizige Projekte auf die Fahnen geschrieben. Wie weit sind Sie beim Thema Lagerneubau?
Wir sind im Plan. Der Bauantrag ist genehmigt, die Detailplanung ist abgeschlossen, die Baugewerke sind beauftragt und die Beauftragung der technischen Gewerke steht kurz bevor. Das Budget ist im Plan. Es zeigt sich aber auch, dass wir sehr ehrgeizig geplant haben. Um Zeitplan und Budget einzuhalten, können wir uns keine Ausreißer leisten.
Der Zeitplan für die Umsetzung ist ambitioniert. Ist er realistisch?
Die vertragliche Konstellation in Langgöns und die Umsatzzyklen unserer Branche erlauben eine Inbetriebnahme des Lagers nur in dem Zeitfenster von März bis September 2009. Und das werden wir auch schaffen.
Welche Intention steht dahinter, das komplexe Thema Logistik/Lager in Eigenregie betreiben zu wollen?
Logistik ist ein strategischer Erfolgsfaktor. Marktleistung und Ergebnis hängen stark von der Leistungsfähigkeit, der Flexibilität und den Kosten der Logistik ab. Das können wir doch nicht aus der Hand geben, nur weil es komplex ist. Outsourcing ist zunächst einfacher; aber eben nur zunächst. LogServe hat die kritische Größe für eine eigene und professionelle Logistik. Kleinere Unternehmen müssen in der Regel anders entscheiden.
Was stimmt Sie so optimistisch, dass im Großhandelsgeschäft noch deutliche Zuwächse realisiert werden können?
Zahlen schlagen Argumente. Das PBS-Geschäft im Lager wächst seit Jahren um jährlich rund zehn Prozent. Mittelfristig ist eine Verdoppelung des PBS-Umsatzes realistisch. Streckenhändler mit einem Außenumsatz von weniger als 5 Millionen Euro werden mittelfristig auf Dienstleister wie LogServe zurückgreifen müssen, wenn sie Marktchancen und Potenziale zur Kostensenkung nutzen wollen. Da liegt die Zukunft für viele Händler und damit auch für uns. Auf diese Zukunft bereiten wir uns für unsere Mitglieder vor.
Im wichtigen Bereich HP-Supplies wurde mit der Kooperation mit Tech Data eine Baustelle geschlossen. Bekommen Ihre Mitglieder in diesem hartumkämpften Segment mit Einbeziehung eines Distributors wirklich die Preise, die sie am Markt benötigen?
Preislich sind wir wettbewerbsfähig. Aufgrund der geschlossenen Vereinbarung können wir wie ein Premium-Distributor agieren. Das Problem liegt an anderer Stelle: Die Marge des Geschäftes lässt weder unseren Mitgliedern noch LogServe genug Luft zum Atmen. Die Herausforderung ist damit eher strategischer als operativer Natur. Lösungen sind nicht einfach, und mögliche Handlungsszenarien diskutieren wir zur Zeit mit unseren Mitgliedern.
Ehrgeiziges Projekt Lagerneubau: Mit dem neuen Soennecken-Logistikzentrum, das im Frühjahr 2009 an den Start gehen soll, soll der Dienstleistungsgrad für die Mitglieder deutlich erhöht werden.Mit der neuen Geschäftsfeldorganisation gehen Sie deutlich zielgerichteter auf die Heterogenität der Mitglieder ein. Wie weit sind Sie bei der Umsetzung und was sind konkrete Verbesserungen, von denen die Mitglieder bereits kurzfristig profitieren?
Die im Einzelhandel erarbeiteten Konzepte werden umgesetzt. Sie sind sehr erfolgreich. Die Paperworld hat gezeigt, dass wir mehr interessierte Mitglieder haben, als wir heute in der gebotenen Qualität in das Konzept einbinden können. Die Reaktion der Mitglieder ist überwältigend und zeigt, dass der Kurs stimmt. Auch unser Key-Account für große Streckenhändler und Mitgliedergruppen greift. Wir überarbeiten Konditionensysteme, initiieren und organisie- ren gemeinsame Projekte aus den Be- reichen Beschaffung und IT. Die Arbeit im Systemgeschäft wird dominiert durch den Lagerneubau. Hier ist viel konzeptionelle Arbeit zu leisten. Das trifft auch auf die Sparte Drucken und Kopieren zu. Hier dürfen Sie auf unsere Aktivitäten im Jahre 2008 gespannt sein.
Mit welchen Erwartungen sehen Sie dem Jahre 2008 entgegen?
Es ist das Jahr der Umsetzung. Im vergangenen Jahr haben wir strategische Entscheidungen getroffen, aus denen nun Arbeit geworden ist. Lagerneubau, vorherige IT-Umstellung, Leistungsoffensive in den Geschäftsfeldern und vieles mehr stehen an. Für die Zukunft braucht der Fachhandel eine handlungsfähige Organisation, deren Angebot über die Vermittlung der Leistung anderer hinaus geht. Und das ist die Soennecken.
(15.02.08)
