Private Nachfrage noch stabil

Top-Thema | Wann und mit welcher Intensität macht sich die Wirtschaftskrise in der PBS-Branche bemerkbar? Nach den bereits spürbaren Reaktionen im Streckengeschäft sind die Auswirkungen bei den privaten Endkunden noch verhalten.

Volle Einkaufsstraßen: Bislang ist der private Konsum und damit die Nachfrage in PBS-Ladengeschäften noch stabil.Volle Einkaufsstraßen: Bislang ist der private Konsum und damit die Nachfrage in PBS-Ladengeschäften noch stabil.

Wie lange noch? – ist die spannende Frage. Trotz täglich neuer Meldungen über Kurzarbeit, Insolvenzen und drohende Entlassungen bleibt die Kauflaune der Deutschen bislang erstaunlich stabil. Laut aktueller GfK-Studie sitzt das Geld im Moment noch locker. Noch. Denn die Frage ist nicht, ob die Krise bei den Verbrauchern ankommt, sondern wann und mit welcher Intensität, die in den einzelnen Branchen unterschiedlich ausfallen wird. Noch stimmen die Rahmenbedingungen für den privaten Verbrauch mit dem entscheidenden Parameter Arbeitslosenzahl im Hintergrund. Die Bundesagentur für Arbeit registrierte im Februar 63 000 Jobsuchende mehr als im Januar – das waren aber immer noch 66 000 weniger als vor einem Jahr.

Das Jahr 2008 ist mit einem Plus von zwei Prozent gut gelaufen bei den PBS-Ladengeschäften, vermeldete Thomas Grothkopp, Geschäftsführer beim Bundesverband Bürowirtschaft (BBW), Anfang Februar. „Für den erfolgreichen Betrieb auch kleinerer Ladengeschäfte wird die professionelle Überprüfung des täglichen Geschäfts weiterhin an Bedeutung zunehmen. Dort sind Kompetenz und Qualifikation bei allen Beschäftigten im Laden gefragt, eine Herausforderung, die gerade kleinere Händler nicht immer beherzigen“, so Grothkopp auf der Presseveranstaltung des Verbandes. Der Fachhandel sieht sein Potenzial vielfach im Kunden, der preis- und qualitätsbewusst dennoch nicht mit dem letzten Cent rechnen muss oder will. Und es gibt im PBS-Bereich einige Sortimente, die zum täglichen Bedarf gehören und entsprechend wenig konjunktursensibel sind – oder die beispielsweise mit den Kids eine besondere Zielgruppe ansprechen.

Bislang ist der private Konsum stabil, registriert auch der BBW. „Der PBS-Fachhandel sollte seine nächsten Aktionen mit noch größerer Vehemenz angehen, denn seiner Klientel wird es bis zum Sommer weniger an Geld mangeln, eher an Kaufwillen“, so die Einschätzung von Thomas Grothkopp. „Eine möglicherweise folgende Kaufzurückhaltung oder eine echte Verringerung der Zielgruppengröße durch steigende Arbeitslosigkeit würde erfahrungsgemäß den Discountern in die Hände spielen.“

Zum Thema lesen Sie die nachfolgenden Statements aus dem Großhandel, der bekanntlich frühzeitig und übergreifend die Reaktionen aus dem Einzelhandel messen kann.

Die Fragen:

1. Die Konjunkturkrise ist zu einem alles beherrschenden Thema geworden. Spüren Sie die Auswirkungen im Orderverhalten Ihrer Handelskunden?

2. Welche Sortimentsbereiche sind betroffen (oder werden Ihrer Meinung nach betroffen sein)?

3. Erwarten Sie eine verstärkte Preissensibilisierung und einen Trend zu No-Name-Produkten?


Jörn Lambertz, Geschäftsführer PBS Deutschland in Unterhaching:

1. Ja, wir spüren eine Veränderung im Verhalten unserer Fachhandelskunden. Dies betrifft nicht nur die Zurückhaltung im Einkauf unserer Ware, sondern drückt sich auch durch eine deutlich erhöhte Retourenquote unserer Kunden an unser Haus aus. Wir hatten uns deutliche Umsatzsteigerungen für 2009 vorgenommen und hierzu viele Akquisemaßnahmen eingeleitet, so unter anderem die engere Zusammenarbeit mit Soennecken, eine personelle Verstärkung unserer Vertriebsmannschaft sowie Leistungsbausteine im Marketing für unsere Kunden. Nach allem, was so um uns herum geschieht, sind wir froh, unsere Umsätze im Januar auf Vorjahresniveau halten zu können. Sicherlich haben wir als Systemgroßhändler im Wettbewerb in der augenblicklichen Situation den Vorteil, dass der Fachhändler uns nun noch intensiver als sein verlängertes Lager in Anspruch nehmen kann, um die eigene Kapitalbindung unter Kontrolle zu halten, darüber freuen wir uns.
2. Die Einkaufszurückhaltung zieht sich durch alle Warengruppen, insbesondere aber betrifft es sicherlich den zu Anfang des Jahres besonders nachgefragten Bereich des Sortimentes aus dem Bürobedarf. Das Standardsortiment findet den besten Absatz in diesen Zeiten.
3. Wir hoffen darauf, dass die Lieferanten auf das defensive Einkaufsverhalten unserer Kunden reagieren. Dies betrifft nicht nur die Preispolitik der Ware, sondern auch die Unterstützung des Fachhändlers durch gezielte Warenaktionen am POS, zum Beispiel zur Förderung von Impulskäufen, die wir bei der Platzierung und Beratung aktiv unterstützen. Einen Trend zu No-Name-Artikeln können wir nicht erkennen, unterstützen diesen auch nicht. Die Erfahrungen mit diesem Sortiment haben doch gezeigt, dass es zur Abrundung eines Vollsortiments, wie wir es unseren Kunden anbieten, vielleicht interessant sein kann, aber zuletzt doch die Marke im Vordergrund steht und hier auch das Geld verdient wird.

www.pbsdeutschland.de


Dieter Kaas, Geschäftsführer InterES in Nürnberg:

1. Aufgrund eines guten Weihnachtsgeschäftes, aber auch zum Teil wegen der massiven Preiserhöhungen der Industrie zum Jahresende 2008, haben unsere Mitglieder ihre Läger im Dezember noch einmal vorsorglich zu alten Konditionen aufgefüllt. Dies hat uns sogar noch einen unerwarteten Umsatzzuwachs zum Jahreswechsel beschert. Natürlich ist deshalb im Januar 2009 eine leichte Zurückhaltung im Orderverhalten unserer Mitglieder zu erkennen. Allerdings hören wir von unseren Streckenhändlern auch immer öfter, dass sich bei ihnen deutlichere Umsatzrückgänge bei Ausschreibungen und auch bei ihren gewerblichen Großkunden ankündigen. Die Budgets der Firmenkunden sind für dieses Jahr stark zurückgefahren worden. Hier steht uns sicher noch ein sehr schweres Jahr mit harten Preiskämpfen und wohl auch größeren Umsatzverlusten bevor. Unsere Kunden im Einzelhandel ordern dagegen weiterhin sehr vorsichtig, aber fast auf Vorjahresniveau, und disponieren lieber kurzfristig beim Großhandel nach. Man scheut bewusst das Warenrisiko, versucht zusätzlich seine Liquidität zu schonen und möchte sich oftmals auf Kosten seines Vorlieferanten günstig bevorraten. Einfach auf den Punkt gebracht: Bei leichten Umsatzschwankungen der ganz normale Handelsalltag.
2. Wie gesagt, wir stellen fest, dass bei den Nachordern unsere gewerblich orientierten Streckengroßhändler zuerst und am deutlichsten von einer spürbaren Kaufzurückhaltung betroffen sein könnten, das heißt, es trifft dann in erster Linie den klassischen Bürobedarf. Unsere privat ausgerichteten Sortimentsgruppen, wo wir generell nur eine leichte Abschwächung erwarten, könnten sich aber zu einer Stütze des PBS-Geschäftes in diesem Jahr entwickeln. Hier befürchten wir auf Sicht keinen nennenswerten Absturz der Umsätze. Allerdings gewinnen unserer Überzeugung nach die konsequente und aktive Vermarktung der Saisonthemen wie zum Beispiel Schulanfang und diverse Jahresanlässe, zusammen mit der Herausstellung von aktuellen Themenwelten wie „Ed Hardy“ und „Wickie“ im Herbst dieses Jahres, immer mehr an Bedeutung für eine erfolgreiche Firmenkonjunktur und eine kompetente Wahrnehmung beim Kunden.
3. Wenn man die Großflächen und die Discounter in diesem Jahr zu den Gewinnern der Wirtschaftskrise rechnet, könnte man tatsächlich zu einem solchen Rückschluss kommen. Der Preis stand aber immer schon bei einem großen Teil der deutschen Verbraucher sehr im Vordergrund. Dieses Konsumverhalten wird sich, auf Kosten der Marken, sicher nicht dauerhaft verändern. Die InterES wird beim Kunden und in ihren Werbemitteln deutlich machen, dass sich Qualität und günstiger Preis nicht gegenseitig ausschließen und dass Innovationen für neue, interessante Produkte aus der Marke heraus in den Markt kommen. Einen Trend weg von der Marke können wir deshalb nicht erkennen, zumal die Sortimente der Markenartikler durch No-Name-Produkte nicht umfänglich ersetzt werden können.

www.inter-es.de


Hans Jörg Iden, Geschäftsführer Iden Unternehmensgruppe in Berlin:

1. Beim PBS-Sortiment handelt es sich vorwiegend um klassische Verbrauchsprodukte, die weniger konjunkturabhängig sind. Insofern sind wir nicht spürbar von der allgemeinen Konjunkturkrise betroffen. Das am Jahresanfang wiederkehrende behäbigere Orderverhalten hängt mit der Jahreszeit, nicht aber mit der Konjunktur zusammen.
2. Was unser Sortiment angeht, so könnten von einer Kaufzurückhaltung eher Aktionsartikel oder Saisonartikel betroffen sein, da diese nicht zwangsweise zum klassischen Sortiment gehören.
3. Handel und Verbraucher sind seit Jahren sensibilisiert. Die Preisspirale lässt sich nicht unendlich nach unten drehen. Bevor die Preise kollabieren, wendet sich der Verbraucher dem vernunftbezogenen Preis-/Leistungs-Verhältnis zu. Insofern sehen wir keinen Trend zu No-Name oder reiner Preisorientierung. Eine Preissensibilisierung geht unseres Erachtens mit einer Qualitätssensibilisierung einher. Die Auswahl wird gezielter, die Klasse siegt letztendlich über die Masse.

www.idena.de

(18.03.09)

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