Von Gewinnern und Synergien

Editorial |

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hinterlassen Spuren in der Bürowirtschaft: Während sich die Nachfrage der privaten Endkunden in Deutschland bislang als erstaunlich konjunkturresistent erwiesen hat, haben die auf gewerbliche Endkunden fokussierten Händler den Rückgang zu spüren bekommen. Vor allem die schwerpunktmäßig auf Großkunden ausgerichteten Global Player merken die Zurückhaltung massiv, der mittelständische Fachhandel hat sich bislang weitgehend behaupten können. Wer aktuell am meisten zu leiden hat, das sind die Lieferanten.

Wie der PBS Industrieverband nach seiner Herbstversammlung Anfang November mitteilte, verbuchten die 30 mittelständischen Herstellerfirmen in den ersten drei Quartalen 2009 in Deutschland einen Rückgang ihrer Umsätze von rund neun Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Deutlich stärker, nämlich um im Schnitt 20 Prozent, sind die Exporte eingebrochen. Unter diesen Vorzeichen ist es nicht verwunderlich, dass sich viele Hersteller mit Themen wie Neuausrichtung, Kostenreduzierung, Sortimentsbereinigung und möglichen Kooperationen ernsthaft beschäftigen (müssen); auf der anderen Seite, falls der finanzielle Spielraum vorhanden, stehen genauso Produktentwicklung, Programmerweiterungen und Akquisitionen auf der Agenda. „Schlechte Zeiten sind gute Zeiten für Akquisitionen“, ist keine so neue Erkenntnis, wenn es darum geht, Wachstum durch „günstige Einkäufe“ realisieren zu können.

Vor diesem Hintergrund sind auch die beiden Meldungen vom 6. November zu sehen: Pelikan kündigte die angestrebte Übernahme von Herlitz und Esselte die Akquisition des Wettbewerbers Isaberg Rapid an. Branchenkenner erwarten, dass dies erst der Anfang einer Konsolidierungswelle auf der Lieferantenseite sei. Hinter den beiden Big Deals stehen trotz der unterschiedlichen Ausgangspositionen identische Erwartungen: Pelikan und Esselte wollen neue Märkte und Kundenzielgruppen erschließen und zudem die Position gegenüber den immer dominanteren Handelsplayern verbessern. Bleibt zu hoffen, dass bei den bevorstehenden umfassenden Integrationsaufgaben und dem Streben, mögliche oder vermeintliche Synergien zu heben, eines nicht vernachlässigt wird – nämlich die Entwicklung neuer Produkte, die nachhaltige Nachfrage beim Endkunden generieren. Darauf wartet der Handel, und davon profitieren die Hersteller und Lieferanten am meisten.

Um neue Produkte und neue Sortimente geht es unter anderem in der hier vorliegenden Ausgabe von BusinessPartner PBS.

Viele Anregungen wünscht Ihnen Ihr

Werner Stark

werner.stark@pbs-business.de

(11.12.09)

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