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Soennecken-Vorstandssprecher Dr. Benedikt Erdmann zum Kaut-Bullinger-Ausstieg: „Da ansonsten das Geschäft sehr gut läuft, gehen wir davon aus, dass sich die Umsatzeffekte in der Summe in sehr engen Grenzen halten.“
Soennecken-Vorstandssprecher Dr. Benedikt Erdmann zum Kaut-Bullinger-Ausstieg: „Da ansonsten das Geschäft sehr gut läuft, gehen wir davon aus, dass sich die Umsatzeffekte in der Summe in sehr engen Grenzen halten.“

Soennecken: Kaut-Bullinger-Ausstieg und die Folgen

Der Ausschluss des Mitglieds Kaut-Bullinger war eines der zentralen Themen auf der Soennecken-Generalversammlung Mitte Juni in Leipzig. Wir fragten nach bei Soennecken-Vorstandssprecher Dr. Benedikt Erdmann.

Herr Dr. Erdmann, auf den beiden Tagen rund um die Soennecken-Generalversammlung in Leipzig stand das Thema Delkredere-Sperre und Ausschluss von Kaut-Bullinger im Blickpunkt. Wie kam es zu dieser dramatischen Entwicklung? Hat Soennecken wirklich alles getan, um diese Extremsituation für alle Beteiligten zu verhindern?

Dr. Erdmann: Sie werden verstehen, dass ich zu einzelnen Mitgliedsfirmen nichts sagen kann. Das haben wir stets so gehalten – und bleiben dabei, auch wenn das öffentliche Interesse nun wegen der Bedeutung von Kaut-Bullinger besonders groß ist. Die Soennecken eG hat grundsätzlich alle Forderungsrisiken über Sicherheiten abgesichert und ist außerdem bei einer Warenkreditversicherung versichert. Ferner beobachten wir bei Mitgliedern ab einer bestimmten Ratingstufe die Liquiditätssituation sehr genau. Das ist vollkommen üblich, so vorgesehen und entspricht kaufmännischer Sorgfalt.

Wenn sich die Liquiditätssituation verschlechtert oder unklar ist oder wenn dieser Versicherungsschutz wegfällt, erhöht sich das Risiko der Soennecken eG ganz erheblich. Die Akteure treffen dabei ihre Entscheidungen autonom und informieren sich gegenseitig auch nicht über die Hintergründe ihrer Entscheidungen. Wir haben aber mit den Folgen der Entscheidungen anderer Akteure umzugehen – und in aller Regel ist das dann eine Delkredere-Sperre oder sind das dann andere risikobegrenzende Maßnahmen. Normalerweise gelingt es uns, diesen drastischen Schritt einer Delkredere-Sperre zu vermeiden; leider geht das nicht immer.

Ihre Frage, ob wir auch wirklich alles getan haben, um diese Situation zu verhindern, haben wir uns selbst oft gestellt. Ehrlich gesagt wissen wir nicht, was wir sonst noch hätten tun können. Seit Jahren bieten wir operative Unterstützung an. Wir haben dem Mitglied bis vor einigen Tagen zur Seite gestanden. Wir haben sogar zugestimmt, dass Kaut-Bullinger selbst nach dem Ausscheiden bestimmte Dienstleistungen der Soennecken eG im Bereich der IT weiter nutzen darf. Und schließlich haben wir – wie schon Kaut-Bullinger öffentlich bestätigt hat – sogar angeboten, das operative Geschäft zu großzügigen Bedingungen zu übernehmen. Das hätte den Gesellschaftern und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine gute Perspektive geboten. Ich verstehe bis heute nicht, warum dieses Angebot ausgeschlagen wurde.

Welche konkreten Auswirkungen bei Soennecken hat der Ausstieg des immerhin zweitgrößten Mitglieds kurz- und mittelfristig? Und wie wollen Sie den Umsatzausfall kompensieren?

Dr. Erdmann: Die unmittelbaren Auswirkungen sind – für die Öffentlichkeit wahrscheinlich überraschend – relativ gering. Das liegt daran, dass wir im Delkrederegeschäft relativ geringe Deckungsbeiträge haben. Rund 90 Prozent der von der Industrie vereinnahmten Boni leiten wir über die Ausschüttung nämlich an die Mitglieder weiter. Folglich fehlt uns bei Soennecken nur ein Deckungsbeitrag von rund 600.000 Euro; angesichts eines Gesamtertrages von rund 13 Millionen Euro, den wir jährlich ausschütten bzw. thesaurieren, ist das sicher zu kompensieren, ohne in die Leistungen der Soennecken eingreifen zu müssen.

Auf die Ausschüttung wird das Ausscheiden von Kaut-Bullinger nach unseren derzeitigen Erkenntnissen gar keine Auswirkung haben. Und da ansonsten das Geschäft sehr gut läuft, gehen wir davon aus, dass sich die Umsatzeffekte in der Summe in sehr engen Grenzen halten. Soennecken wird dieses Jahr, in dem Kaut-Bullinger noch bis Juni seine Einkaufsumsätze über uns abgewickelt hat, um rund 1,5 Prozent wachsen; 2017 werden wir aufgrund guter Umsätze in anderen Bereichen dann „nur“ca. 1,5 Prozent weniger Umsatz haben als 2016. Trotzdem ist natürlich der Wegfall der Umsätze von Kaut-Bullinger für die Soennecken eG mehr als bedauerlich.

Mehr über das Thema erfahren Sie in der kommenden Ausgabe Juli/August von BusinessPartner PBS.

Kontakt: www.soennecken.de www.kaut-bullinger.de 

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