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Stand der Vorbereitungen auf die DSGVO im August 2017 (c) IDC
Stand der Vorbereitungen auf die DSGVO im August 2017 (c) IDC

IDC-Studie: Unternehmen sind nicht ausreichend auf EU-Datenschutz-Grundverordnung vorbereitet

Trotz der Brisanz, die die EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) mit sich bringt, sind Unternehmen in Deutschland auf den Stichtag im Mai 2018 noch nicht ausreichend vorbereitet, so die Ergebnisse einer neuen IDC Studie.

Organisationen, die bis dahin nicht compliant sind, müssen mit hohen Bußgeldern rechnen. Um Einblicke in die aktuelle Situation sowie die zu erwartenden Aktivitäten zur Anpassung an die neuen gesetzlichen Anforderungen zu erhalten, hat IDC im August 251 Unternehmen und Organisationen in Deutschland mit mehr als 20 Mitarbeitern befragt.

44 Prozent der Unternehmen gaben dabei an, dass sie noch keine konkreten technologischen oder organisatorischen Maßnahmen zur Vorbereitung auf die DSGVO getroffen haben. „Dieses Ergebnis ist alarmierend“, sagt Laura Hopp, Consultant bei IDC. „Wir gehen davon aus, dass Unternehmen, die erst jetzt beginnen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, mindestens neun Monate in Verzug sind“.

Vor allem mittelständische Unternehmen tun sich schwer. Hier gaben 40 Prozent der Befragten zu Protokoll, dass sie skeptisch sind, alle relevanten Maßnahmen fristgerecht umsetzen zu können. An den Ergebnissen der Studie lässt sich laut IDC ablesen, dass die Vorbereitungen auf die DSGVO offenbar nicht mit der erforderlichen Ernsthaftigkeit angegangen werden. Viele Entscheider sind sich der Tragweite eines Verstoßes demnach offensichtlich nicht bewusst.

Laura Hopp, Consultant bei IDC
Laura Hopp, Consultant bei IDC
Der ganzheitliche Überblick fehlt

Basis für eine sichere Verarbeitung und die Einhaltung der Compliance ist Datentransparenz. Umso erschreckender, dass 23 Prozent der Befragten nicht wissen, wo ihre Daten gespeichert werden. 27 Prozent können nicht genau sagen, wer Zugriff auf personenbezogene Daten hat und 34 Prozent sind die Löschfristen nicht bekannt. Darüber hinaus geben 37 Prozent der Befragten an, dass Dokumente unkontrolliert auf den Fileservern unter der Obhut der Mitarbeiter liegen. „Hier muss deutlich nachgebessert werden“, betont Hopp. „Neben der Pflichterfüllung im Hinblick auf die DSGVO vereinfachen gut aufbereitete Daten die Digitalisierung aller Geschäftsprozesse und sorgen für eine bessere Verknüpfung von Prozessketten.“

Obwohl dem Datenschutzbeauftragten bei der Überwachung der Einhaltung der DSGVO eine Schlüsselrolle zukommt, ist diese Position erst bei 17 Prozent der befragten Unternehmen besetzt. Dieses Ergebnis ist mehr als überraschend, da der Großteil der Unternehmen nach dem aktuell gültigen Bundesdatenschutzgesetz bereits einen Datenschutzbeauftragten beschäftigen müsste. Immerhin planen 50 Prozent der befragten Unternehmen in den nächsten Monaten die Bestellung.

Neben Organisationsstrukturen müssen auch DSGVO-relevante Prozesse eingeführt oder angepasst werden. Prozesse, die beispielsweise für die Einhaltung des Datenschutzgrundsatzes der Datenminimierung notwendig sind, sind in den meisten Organisationen bereits vorhanden. So sind Firmen bei der Löschung der Daten nach Ablauf der Speicherfrist (67 Prozent), der Lokalisierung, Identifizierung und Verwaltung der Daten (66 Prozent) sowie der Löschung der Daten nach Widerruf der Einwilligung (65 Prozent) bereits gut aufgestellt. Dennoch gibt es unter den Befragten immer noch Unternehmen, die nicht die Einführung aller relevanten Prozesse planen. Dies gilt insbesondere für extern ausgerichtete Prozesse, wie beispielweise die Benachrichtigung der betroffenen Person (53 Prozent) und der Aufsichtsbehörden (47 Prozent).

Matthias Zacher, Manager Research & Consulting bei IDC
Matthias Zacher, Manager Research & Consulting bei IDC
DSGVO treibt Investitionen in Technologie

„Die DSGVO fordert den Einsatz von State-of-the-Art-Technologie. Next-Gen-Security-Lösungen wie Breach und Leakage Detection, Intrusion Detection und Threat Intelligence sind wertvolle Tools, um Datenlecks möglichst schnell aufzudecken. Diese sind jedoch in der Fläche noch nicht umfassend im Einsatz. Hier sehen wir dringenden Handlungsbedarf“, sagt Matthias Zacher, Manager Research & Consulting bei IDC.

Der Anpassung der IT-Systeme kommt somit eine zentrale Rolle zu, gleichzeitig wird sie von jedem Fünften als größte Herausforderung empfunden. Besonderen Handlungsbedarf sehen die Marktforscher dabei vor allem im Hinblick auf IT-Security. Grundlegende Anforderungen sind hierbei der sichere Betrieb der IT, ihre permanente Überwachung in Echtzeit und Maßnahmen als Reaktion auf Auffälligkeiten im System. Fast die Hälfte der befragten Unternehmen plant in den kommenden Monaten verstärkt in IT-Security zu investieren.

Die Gewährleistung der DSGVO-Compliance sollte dabei mehr sein, als nur lästige Pflicht mit Blick auf den Datenschutz, resümiert IDC. Transparente personenbezogene Daten erleichtern und fördern die Automatisierung vieler Geschäftsprozesse und treiben damit die Digitalisierung voran – ein echter Mehrwert für die Stärkung der Firmen im Wettbewerb.

Kontakt: www.idc.de 

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