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„Wir spielen offensiv auf Angriff”

Er sieht seine Rolle als Trainer, der sein Team mit neuer Taktik auf Erfolgskurs trimmt. Wir sprachen mit Herma-Geschäftsführer Sven Schneller über den Verdrängungswettbewerb, den Online-Handel und die Paperworld 2009.

Herr Schneller, bei Herma hat sich in den vergangenen Monaten einiges verändert. Wie weit sind Sie bei Ihrem Vorhaben, das Unternehmen als wendiges Schnellboot zu positionieren?

Wir werden täglich etwas besser. Der Kurs stimmt, nur die Beschleunigung müssen wir noch optimieren. Mit Herma Movables und der neuen Version des Etiketten Assistent Online (EAO) haben wir zwei echte Innovationen eingeführt, die uns weiter nach vorne bringen werden. So stell ich mir das auch in Zukunft vor.

Im Kernbereich Etiketten geht grundlegendes Wachstum nur über Marktanteilsgewinne und damit Verdrängung. Wie wollen Sie dies erreichen?

Zwei echte Innovationen eingeführt: die Herma Movables und die neue Version des Etiketten Assistent Online
Zwei echte Innovationen eingeführt: die Herma Movables und die neue Version des Etiketten Assistent Online

Zwei echte Innovationen eingeführt: die Herma Movables und die neue Version des Etiketten Assistent OnlineSie haben grundsätzlich recht, solange wir vor allem Office-Produkte betrachten. Was wir in diesem Bereich dazugewinnen wollen, werden andere verlieren. Wir werden dabei das Fairplay nicht verletzen, aber um jeden Kunden kämpfen. Aber lassen Sie uns mal über die reinen Office-Produkte hinaus schauen. Der Markt für Haftmaterial, also für den Stoff, aus dem Etiketten gemacht werden, wächst, weil auch der Bedarf an Etiketten vor allem für gewerbliche Anwendungen außerhalb des klassischen Büros wächst, zum Beispiel für Logistik und Kennzeichnung. Dieser Markt ist hart umkämpft, aber interessant – auch für unsere Handelspartner. Was wir dabei einbringen, ist die vermutlich größte Etikettenkompetenz von Etiketten auf der Rolle bis hin zum Spezialverbund. Mit unserer neuen Beschichtungsanlage werden wir diese Kompetenz noch weiter ausbauen. Aber wir werden auch das Sortiment für Office-Produkte erweitern und unseren Handelspartnern weiterhin neue Chancen für margenstarken Umsatz in diesem Segment eröffnen.

Zuletzt haben Sie im Marketing grundlegende organisatorische und strategische Veränderungen vorgenommen. Steht das Zusammenspiel von Vertrieb und Produktmanagement schon so, wie Sie sich das vorstellen?

Wir haben den Trainer, einige Spieler und die Taktik geändert. Die neue Mannschaft spielt sich im Moment ein. Sie wird zum Start der EM topfit sein und offensiv auf Angriff spielen. Ganz im Ernst: Die enge Verzahnung von Produktentwicklung und Vermarktung einerseits und die Ausrichtung der Marketingaktivitäten auf den Vertrieb andererseits verkürzt die Wege und erhöht die Effektivität. Das spüren wir schon nach kurzer Zeit. Zudem möchte ich unsere Handelspartner früher als bisher in unsere Ideen für neue Produkte und Vermarktungsaktionen einbinden. Dazu werden die Produktmanager aktiver am Markt präsent sein.

Gradmesser für die von Ihnen angesprochene Marktnähe und Geschwindigkeit sind natürlich neue, erfolgversprechende Produkte und die dazugehörende Abverkaufsunterstützung der Handelspartner. Was ist von Herma in diesen Punkten in den kommenden Monaten zu erwarten?

Wir haben bereits die Weichen für das Jahr 2009 gestellt. Bei den Schulartikeln werden wir die erfolgreichen Motivserien weiterentwickeln. Zusätzlich werden gezielte Aktivitäten am POS und bei Multiplikatoren wie zum Beispiel Lehrern das Drehmoment bei unseren Buchschonern weiter erhöhen. Im Bereich Schmücken werden wir durch eine Vielzahl neuer Motive überzeugen, und in unserem Kernsegment Etiketten werden wir unsere Lösungskompetenz noch einmal erweitern und auch Nischen besetzen. Ungebremst gehen die Entwicklungen im Bereich E-Business weiter. Der Etikettenscout und der EAO sind tolle Produkte – und unsere Handelspartner werden von den bereits gestarteten Weiterentwicklungen noch direkter profitieren.

Der Online-Handel gewinnt immer mehr an Bedeutung. Wie ist die Herma-Strategie?

Eine Marke sollte dort vertreten sein, wo der Anwender sie sucht und erwartet, etwa im Ladengeschäft, im Katalog oder im Web. Herma unterstützt wie vermutlich kein anderes Unternehmen unserer Branche die Online-Aktivitäten des Handels. Wir sehen dort ein weiter wachsendes Potenzial. Gemeinsam mit Weitclick haben wir deshalb zum Beispiel den Commerce Connector entwickelt und damit einen Branchenstandard geschaffen. Wir werden jedoch nicht auf jeden Online-Zug springen. Für uns ist es wichtig, dass wir in einem klaren Markenumfeld präsentiert werden und es sich um eine Win-win-Partnerschaft handelt. Aber das gilt grundsätzlich für Vertriebskanäle.

Herma setzt bewusst auf den Standort Deutschland. Ist dies mehr als nur ein Lippenbekenntnis?

Es ist deutlich mehr. Es ist Teil unseres Selbstverständnisses und zu 100 Prozent nachprüfbar. Wir haben in den letzten fünf Jahren fast 70 Millionen Euro in unsere deutschen Standorte investiert. Und es geht weiter. Vermutlich schon 2009 werden wir die zweite Ausbaustufe des Beschichtungswerks in Angriff nehmen – Investitionsvolumen noch einmal zehn Millionen Euro. Wir schaffen bei planmäßiger Auslastung 60 neue Arbeitsplätze – fast alles Industriearbeitsplätze, wohlgemerkt. Natürlich muss sich jede Investition rechnen. Aber für unsere Eigentümer und für mich persönlich ist es auch wichtig, dort zu investieren, wo unsere Mitarbeiter und ihre Familien leben.

In den letzten fünf Jahren fast 70 Millionen Euro in die deutschen Standorte investiert: das neue Herma-Beschichtungswerk für Haftmaterial in Filderstadt
In den letzten fünf Jahren fast 70 Millionen Euro in die deutschen Standorte investiert: das neue Herma-Beschichtungswerk für Haftmaterial in Filderstadt

In den letzten fünf Jahren fast 70 Millionen Euro in die deutschen Standorte investiert: das neue Herma-Beschichtungswerk für Haftmaterial in FilderstadtDas Thema Umwelt wird langfristig gesehen generell zu einem zentralen Wettbewerbsfaktor. Wie ist Herma darauf eingestellt?

Die jetzt erfolgte PEFC-Zertifizierung: nachhaltiges Wirtschaften als wichtiges Verkaufsargument für die Handelspartner
Die jetzt erfolgte PEFC-Zertifizierung: nachhaltiges Wirtschaften als wichtiges Verkaufsargument für die Handelspartner

Die jetzt erfolgte PEFC-Zertifizierung: nachhaltiges Wirtschaften als wichtiges Verkaufsargument für die HandelspartnerHier haben wir unser Licht vermutlich etwas zu sehr unter den Scheffel gestellt. Lösemittelfreie Klebstoffe, chlorfrei gebleichter Zellstoff, die Zertifizierung nach DIN ISO 14001, Wärmerückgewinnung in der Produktion und vieles andere mehr haben wir eher selbstverständlich gemacht, häufig auch als Pionier in unserer Branche, ohne darum einen großen Wirbel zu veranstalten. Aber wir haben verstanden: Für unsere Handelspartner gewinnt nachhaltiges Wirtschaften als Verkaufsargument – völlig zurecht – an Bedeutung. Mit der jetzt erfolgten PEFC-Zertifizierung gehen wir deshalb offensiver um und haben dem Handel kurzfristig entsprechendes POS-Material zur Verfügung gestellt.

Letzte Frage: Ist Herma auf der Paperworld wieder mit dabei?

2009 nehmen wir an der Paperworld teil – und ich freue mich bereits darauf. Das Jahr der Auszeit hat uns gut getan, weil wir dadurch wertvolle Zeit gewonnen haben, um intern einige notwendige Veränderungen anzustoßen. Es war nie unsere Absicht, die Messe generell in Frage zu stellen. Aber nach der Erfahrung von 2008 bin ich noch mehr der Ansicht, dass ein zweijähriger Messe-Rhythmus ideal wäre.

www.herma.de

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