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Dauerhaft Geschichte geschrieben

Was Tempo für Taschentücher oder Maggi für Suppengewürz bedeuten, ist Edding für Marker – und das seit genau 50 Jahren. Der Spezialist für Marker und visuelle Kommunikation feiert das besondere Jubiläum.

Erfolgsgeschichte mit klarer Orientierung: Edding-Firmensitz in Ahrensburg bei Hamburg
Erfolgsgeschichte mit klarer Orientierung: Edding-Firmensitz in Ahrensburg bei Hamburg

Sind es zu Beginn vor allem Lageristen und Spediteure, die ihre Säcke und Kisten mit Edding-Markern beschriften, zählt das börsennotierte Unternehmen heute Millionen Anwender mit unterschiedlichsten Anforderungen und Erwartungen im Bereich Schreiben und Markieren zu seinen Kunden. Und das weltweit, schließlich hat das Unternehmen inzwischen auf der ganzen Welt Niederlassungen und Vertriebspartner, verkauft seine Produkte in über hundert Ländern der Erde und ist zu einer generischen Marke geworden.

In einem Souterrain-Büro in Barmbek starten die Herren Edding und Ledermann ihren Filzschreiber-Import aus Japan. Ihr Startkapital: 5000 Mark und eine einfache Schreibmaschine. Einen Kunstnamen als Firma anzumelden hätte Geld gekostet, das die beiden Gründer nicht hatten. Darum entscheiden sie sich für einen Familiennamen. „Wir fanden beide Edding kürzer, prägnanter und internationaler als Ledermann“, sagt Volker Ledermann im Rückblick. Der „edding No. 1“ wird ein sensationeller Erfolg. Im Laufe der Jahre verfeinern die Gründer ihr Produkt-Portfolio, und Edding entwickelt sich zum Synonym für permanentes Markieren. Gut 200 Spezialisten umfasst das heutige Sortiment.

Neben Büros, Werkstätten und Ateliers erobern die Marker auch die industrielle Produktion. Überall, wo es beispielsweise keimfrei, heiß, fettig oder feucht ist und handschriftliche Markierungen dennoch halten müssen, kommen die Produkte zum Einsatz. Und im privaten Umfeld schätzen nicht nur Bastler, Heimwerker oder Schüler die vielfältige Palette an farbenfrohen Stiften und Markern für jeden Zweck.

Key-Produkt: der „edding No. 1” in der Entwicklung seit der Firmengründung
Key-Produkt: der „edding No. 1” in der Entwicklung seit der Firmengründung

Mit Legamaster (vormals planMaster) erweitert das Unternehmen 1965 sein Produktangebot um den Bereich visuelle Kommunikation. Präsentationstafeln, auf denen mit abwischbaren Markern geschrieben wird, verschaffen bei Gruppenarbeit und Präsentationen den notwendigen Überblick. Auch hier macht die Digitalisierung nicht halt und läutet „das Ende der Kreidezeit“ ein: Das größte Umsatzwachstum erzielen mittlerweile so genannte E-Boards, interaktive Tafeln, auf denen das Geschriebene für den Computer digitalisiert wird. Die E-Boards ersetzen vor allem in Schulen und Bildungseinrichtungen die alten grünen Kreidetafeln.

Im Februar 2010 hat Edding den Geschäftsbereich für visuelle Kommunikation Legamaster wieder in eine GmbH ausgegliedert. Mit der Trennung erhofft sich das Unternehmen, dass jeder Geschäftsbereich für sich adäquate Wachstumsvoraussetzungen erhält und sich individuell optimal entwickeln kann.

Die weltweit knapp 600 Mitarbeiter erwirtschafteten 2008 einen Umsatz von rund 114 Millionen Euro. Produziert wird neben dem deutschen Standort in Bautzen noch in drei weiteren Ländern. Hauptsitz der Verwaltung und das Zentrallager stehen heute in Ahrensburg, nördlich von Hamburg.

Für das Jubiläumsjahr hat Edding etliche Neuheiten im Programm, schließlich will das Unternehmen auch morgen noch immer und überall Geschichte schreiben. Die beiden Gründer haben sich bereits aus dem aktiven Geschäft zurückgezogen. Per Ledermann, Sohn von Volker Ledermann, leitet den Vorstand. „Einst bin ich als kleiner Butscher durch die Flure gelaufen, inzwischen bin ich in die großen Fußstapfen meines Vaters getreten. Für mich ein echter Traumjob“, sagt Per Ledermann.

Blick zurück: ein Edding-Werbemotiv aus den 60er Jahren und der Legamaster-Katalog von 1983
Blick zurück: ein Edding-Werbemotiv aus den 60er Jahren und der Legamaster-Katalog von 1983

Neben der Weiterentwicklung der Produkte liegt Ledermann traditionell vor allem nachhaltiges Wirtschaften am Herzen. Das Umweltmanagement der Edding AG wurde 2008 nach DIN ISO 14001 zertifiziert. Die neue Generation der Spritzgussmaschinen für die Markerhüllen benötigt 40 Prozent weniger Energie als ihre Vorgänger. Mittlerweile bestehen die Kunststoffanteile in einem Marker zu 80 Prozent aus wiederverwendetem Material. Fotovoltaik-Anlagen auf den Dächern der Zentrale und der Produktion in Bautzen liefern Strom aus Sonnenlicht. „Wir leben das auch im Kleinen“, betont Per Ledermann. Dokumente werden beidseitig ausgedruckt, Arbeitsgruppen teilen sich einen Drucker. Videokonferenz-Systeme unter Kollegen ersetzen, wo es möglich ist, Geschäftsreisen. Die Kaffeemaschinen in den Büroküchen schalten sich automatisch ab. Den gelebten Gedanken der Nachhaltigkeit kann man auch auf dem Rasen des Firmengeländes in Ahrensburg beobachten. Eine Schafherde kümmert sich um den Schnitt der Grünflächen – die Tiere arbeiten weitestgehend geräuschlos, und das sogar am Sonntagmorgen.

Nachgefragt ...

... bei Volker D. und Per Ledermann:

Stichwort Familie. Bei vielen Familienunternehmen bereitet der Generationswechsel Probleme. Wie haben Sie es gelöst?

Per Ledermann: Ich hab mich damit intensiv beschäftigt, mit der rechtlichen, aber auch der familiären Seite. Wenn etwas schief läuft, dann strahlt das auch auf die andere Seite ab. Bei uns regelt eine Charta das Rechtliche. Eins der Dinge, die ich meinem Vater hoch anrechne, ist, dass er sich mit meinem Eintritt komplett zurückgezogen hat.

Volker Ledermann: Ich möchte nicht als Vater meinen Sohn kontrollieren. Ich habe die Entscheidung getroffen, dass ich ihm das zutraue. Per ist schon als Kind oft mit auf Geschäftsreisen gekommen. Ich hab ihn aber nicht dazu gezwungen, er hätte auch Arzt werden können.

Per Ledermann: Ich habe mich vorher in anderen Industrien umgesehen. In der Schulzeit habe ich ein Praktikum beim Tierarzt gemacht. Ich war im Tourismus unterwegs, in der Ölbranche und habe mit Lebensmitteln gearbeitet.

Die Digitalisierung lässt Menschen weniger mit der Hand schreiben. Ist das für Edding eine Herausforderung?

Teamplayer Sohn und Vater (von links): Per und Volker D. Ledermann
Teamplayer Sohn und Vater (von links): Per und Volker D. Ledermann

Per Ledermann: Von der Sache her würde ich sagen, ist es auf jeden Fall so. Wobei es nicht so viel Volumen aus dem Markt genommen hat, wie man vermuten würde. Bei unseren Produkten greift die Digitalisierung weniger: Sie werden in Fertigungsprozessen eingesetzt, da wird auf heißem oder fettigem Metall markiert. Das kann man nicht digitalisieren.

Volker Ledermann: Unser Schwerpunkt ist Markieren und alles, was damit zusammenhängt. Wenn die Hausfrau Marmeladengläser beschreibt, ist das im Grunde eine Markierung. Da kann man nicht mit Bleistift oder Kugel­schreiber drauf schreiben.

Erfüllt Sie das mit Stolz, dass Edding zu einem Gattungsbegriff für permanente Marker geworden ist?

Volker Ledermann: Ich bin kein Mensch, der so leicht stolz ist, aber es erfüllt mich mit Freude, wenn ich auf den Falkland-Inseln oder den Seychellen an einem Schaufenster vorbeikomme und darin Edding-Produkte sehe.

Per Ledermann: Es ist weniger Stolz als eine gewisse Dank­barkeit, weil es hilft und unsere Marke das wichtigste Kapital ist. Dass man dann Gattungsbegriff wird, ist sozusagen der höchste Ritterschlag.

Werfen Sie bitte mal einen Blick in die Kristallkugel: Wo steht Ihr Unternehmen in zehn Jahren?

Volker Ledermann: In diesem Jahr wurden unsere Vorhersagen über den Haufen geworfen, von daher ist es schwer, über einen so langen Zeitraum etwas zu sagen. Aber ich denke, Edding hat alle Chancen, weiter zu existieren und auch weiter zu wachsen.

Per Ledermann: Wir fragen uns, in welchen Bereichen lässt sich Wachstum realisieren. Das sehen wir aktuell bei unserer Marke Legamaster. Wir haben schon eine ganze Weile interaktive Tafeln im Sortiment. Man schreibt auf einer weißen Tafel, und das wird für den Computer digitalisiert. Das war bislang eine Nische. Dann kommt die Krise, und die Bundesregierung bringt ein Konjunkturpaket auf den Weg, von dem auch Schulen profitieren. Auf einmal werden alte grüne Kreidetafeln durch interaktive Tafeln ersetzt. Noch vor drei Jahren machten die sechs Prozent unseres Umsatzes bei Legamaster aus, dieses Jahr werden es rund 30 Prozent sein. Es zeigt, man muss auch Durchhaltevermögen haben, wenn man von einer Idee überzeugt ist.

www.edding.de

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