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75 Jahre im Dienst des Geldes

Das Geld anderer Leute zu zählen hört sich nicht sehr spannend an – der Erfolg von Inkiess beweist das Gegenteil: Der europäische Systemanbieter mit der größten Auswahl an Geldzählkassen feiert sein 75-jähriges Bestehen.

Der erste Auftritt: Inkiess-Geldzählkassen auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1936
Der erste Auftritt: Inkiess-Geldzählkassen auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1936

Kassen und Geräte zum Sortieren von Bargeld gibt es, seit Menschen mit Münzen handeln. Auch sogenannte Zählkassen gab es schon vor mehr als hundert Jahren. Diese zählten jedoch mehr schlecht als recht. Erst vor 75 Jahren gelang es, eine Geldzählkasse zu konstruieren, die zu 100 Prozent korrekt zählte. Im Sommer 1935 erwarb Walter Kießling, der Inhaber der Neuköllner Strickwarenfabrik AKA, von einem Bankdirektor die Patentrechte für diese Erfindung und begann im folgenden Jahr – unter dem Namen „Ankiess“ in Anlehnung an eine Marke des Hauses AKA – mit der Produktion der Geldzählkassen. Zur Prokuristin des Betriebes wurde die AKA-Mitarbeiterin Margot Voss bestellt. Erste Produktionsstätte 1936 war ein ehemaliger Pferdestall auf dem Hof eines Berliner Mietshauses in Berlin-Neukölln. Zur Herstellung der Münzbehälter wurde erstmals das Material Kunststoff verwendet. Die Untersätze waren aus Holz. Die Markteinführung begann mit der Präsentation der Kasse auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1936, wo das neue Produkt auf eine große Resonanz stieß.

„Solange Bargeld im Umlauf ist, sind Inkiess-Kassen made in Germany im Inland wie im Ausland unverzichtbar“, meint Geschäftsführerin Ute Tuscher.
„Solange Bargeld im Umlauf ist, sind Inkiess-Kassen made in Germany im Inland wie im Ausland unverzichtbar“, meint Geschäftsführerin Ute Tuscher.

1937 starb Walter Kießling im Alter von nur 58 Jahren. Zum 1. Juni desselben Jahres mußte der Name „Ankiess“ geändert werden. Anker Registrierkassen hatte wegen Namensähnlichkeit interveniert. Es entstand die Marke „Inkiess“ – eine Kombination aus Vor- und Nachnamen der Tochter des Gründers, Ingeborg Kießling. Nach Beendigung seiner Lehre bei AKA trat zum 1. Juli Heinz Lehmann (späterer Gesellschafter und Geschäftsführer) als kaufmännischer Mitarbeiter in den Betrieb ein.

Während des Zweiten Weltkriegs konnte auch Inkiess nur unter erschwerten Bedingungen weiterarbeiten: Das Produktionsmaterial Kunststoff stand bald nicht mehr zur Verfügung. Mitarbeiter fehlten und kamen nicht zurück, Geschäftsräume waren nicht mehr vorhanden. Aber schon im Jahre 1945 gab es wieder erste Münzen: die 1-, 5- und 10-Reichspfennig-Münzen ohne Hakenkreuz. Das Geschäft lief langsam wieder an. Verkäufe waren jedoch nur mit Zustimmung der Alliierten möglich. Fahrzeuge standen zunächst nicht zur Verfügung.

Transportmittel war ein Handwagen. Trotz allem war Inkiess schon 1946 wieder Aussteller auf der Leipziger Messe.

So zählte man Reichsmark und -pfennig in den 1930er Jahren ...
So zählte man Reichsmark und -pfennig in den 1930er Jahren ...

Ein wichtiger Meilenstein in der Firmen-Geschichte war die Währungsreform vom 20. Juni 1948. Ab Montag, dem 21. Juni war die D-Mark alleingültiges Zahlungsmittel – allerdings nur in West-Deutschland. Die Berliner mussten sich bis zum 12. Mai 1949 – dem Ende der Blockade – gedulden. Erst danach ging es wirklich bergauf.

Wie sehr politische Entscheidungen die Entwicklung eines „Geldzählers“ beeinflussen, machen zwei weitere Beispiele deutlich: die Eingliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik Deutschland 1957, wodurch dort ein hoher Bedarf an Hartgeldzählkassen entstand, und der Bau der Berliner Mauer 1961, der den Verlust sämtlicher Kunden aus dem Osten Deutschlands sowie aller Mitarbeiter aus Ost-Berlin bzw. Brandenburg zur Folge hatte.

1950 übernahm Margot Voss das Unternehmen von Ingeborg Heuser. Im Jahre 1956 gründete ihr Ehemann, Bruno Voss, die Kunststoff-Fabrikation Voscoplast in Neukölln, wo bis Ende 1989 gefertigt wurde. 1977 wurden die Schwesterunternehmen Inkiess und Voscoplast unter dem Namen Inkiess Margot Voss GmbH & Co. Voscoplast KG zusammengeführt.

... und so sortiert man heute die Euro- Scheine und -Münzen.
... und so sortiert man heute die Euro- Scheine und -Münzen.

Der Weg vom Pferdestall zum heutigen Firmensitz war lang und von mehreren Standortwechseln innerhalb Berlins gekennzeichnet. Zwischen 1989 und 1991 wurde in zwei Bauabschnitten mit hohem Investitionsaufwand die neue Werksanlage am Buckower Damm errichtet. Die Fertigstellung des ersten Gebäudes 1989 kam gerade rechtzeitig zum Fall der Mauer. Die Bearbeitung des neuen/alten Marktes Ost-Deutschland wäre ohne die größeren Kapazitäten nicht möglich gewesen. Die Öffnung der ehemaligen sozialistischen Länder nach Westen und vor allem die Währungsunion haben dem Unternehmen ab 1990 kräftige Impulse beschert. Nach Fertigstellung des geplanten zweiten Gebäudes 1991 war man zumindest auf diesem Gebiet schon auf die kommende „Jahrhundertaufgabe” – die Einführung des Euro – vorbereitet.

Bis zur eigentlichen Bargeldumstellung gab es noch viel zu tun. Rund sechzig neue Werkzeuge mussten gebaut, einige Werkzeuge umgebaut, neue Maschinen angeschafft werden. Teilweise wurde außer Haus produziert. Dem Euro-Boom folgte allerdings eine gewisse Marktsättigung. Dies bedeutete für Inkiess, neue Märkte außerhalb der EU zu suchen und sich auf hinzukommende Euro-Länder zu konzentrieren.

1992 zogen sich die Geschäftsführenden Gesellschafter Margot Voss und Heinz Lehmann in den Ruhestand zurück, ihre Nachfolger Fritz Klein und Klaus Wiesemann gaben die Geschäftsleitung 2004 aus Altersgründen ab. Heute leiten mit Ute Tuscher und Angelika Hauer zwei ebenfalls langjährige Mitarbeiterinnen das Unternehmen.

Perspektiven

Gut zwanzig Jahre nach Einführung bargeldloser Zahlungssysteme haben Bar-Transaktionen in den meisten Ländern immer noch einen Anteil von deutlich über fünfzig Prozent. Bargeld ist bezogen auf die Gesamtheit aller Einkäufe im Durchschnitt das meistgenutzte Zahlungsmittel in Deutschland. Daher ist zu erwarten, dass Bargeld auch in Zukunft die führende Rolle unter den Zahlungsinstrumenten einnehmen wird. Bei großen Geldmengen ist die elektronische Bearbeitung inzwischen unverzichtbar – aber auch die kleinen Münzmengen in den Tageskassen müssen weiterhin gezählt und geprüft werden. „Kurzfristig ist eine deutliche Bargeldverdrängung durch unbare Zahlungsinstrumente unwahrscheinlich“, so die Einschätzung der Deutschen Bundesbank.

www.inkiess.de

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