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„Hightech und Hirnschmalz“

Für Messeauftritte der ungewöhnlichen Art ist Herma inzwischen bekannt. In diesem Jahr wird er eine neue Qualität haben, verspricht der Selbstklebespezialist, der den Vorhang vorab nur ein wenig lüften mag.

„Die Drucker-Experten waren verblüfft von den Resultaten unserer neuen Etikettengeneration“, konstatieren Produktmanager Thomas Riedl (links) und Geschäftsführer Sven Schneller.
„Die Drucker-Experten waren verblüfft von den Resultaten unserer neuen Etikettengeneration“, konstatieren Produktmanager Thomas Riedl (links) und Geschäftsführer Sven Schneller.

Es kommt nicht oft vor, dass sich ein Markenartikler noch so kurz vor einer wichtigen Messe hinter die Kulissen schauen lässt. Doch Herma sieht das locker. „Im Gegenteil“, sagt Geschäftsführer Sven Schneller. „Für das, was wir auf der Paperworld präsentieren werden, sind Hintergrundinformationen überaus nützlich. Auch wenn wir im Grunde immer ein ganz einfaches Ziel haben: die besten Etiketten der Welt herzustellen.“

Doch wahrer Fortschritt kommt bei Etiketten zunächst oft sehr unscheinbar daher. So wie kürzlich bei Herma in Filderstadt. Schauplatz: die wohl modernste Beschichtungsanlage der Welt, die jetzt einen recht ungewöhnlichen Weltrekord aufgestellt hat. Es geht um drei Gramm Klebstoff mehr oder weniger – wohlgemerkt auf einem Quadratmeter. Ein Tropfen nur, der auf dieser Fläche aber einen erheblichen Unterschied ausmacht. Ist er zu viel, entsteht an dieser Stelle, zumindest unter dem Mikroskop, ein „Berg“, der später die Druckqualität schon beeinflussen kann. Fehlt der Tropfen dagegen, entsteht ein „Tal“: Gerade auf kritischen Oberflächen oder unter schwierigen Bedingungen haften Etiketten dann merklich schlechter.

In Filderstadt haben die Entwickler einen Weg gefunden, diese etikettentypischen „Täler“ und „Berge“ einzuebnen. „Niemand auf der Welt beschichtet derzeit gleichmäßiger“, betont Schneller. Herma könne beim Auftragen des Klebstoffs Toleranzen garantieren, die fünfzig Prozent unter denen liegen, die branchenüblich sind. „Auch dafür haben wir hier in den letzten Jahren 45 Millionen Euro investiert“, erklärt Schneller weiter.

„Eigentlich sollten wir auf unsere Packungen nicht mehr ‚Made in Germany‘ schreiben, sondern ‚Made in Filderstadt‘. Denn unsere Hightech-Produktion bietet Möglichkeiten, die weltweit einzigartig sind.“ Dazu zählt er die modernste Beschichtungsanlage der Welt, die unbestrittene Technologieführerschaft beim Haftmaterial und die branchenweit einzigartige Know-how-Kette, die vom Haftmaterial über Etiketten bis zur Etikettiermaschine reicht.

Beste Etiketten-Qualität dank einer außergewöhnlichen Know-how-Kette: „Denn unsere Hightech-Produktion bietet Möglichkeiten, die weltweit einzigartig sind“, sind sich die Experten sicher.
Beste Etiketten-Qualität dank einer außergewöhnlichen Know-how-Kette: „Denn unsere Hightech-Produktion bietet Möglichkeiten, die weltweit einzigartig sind“, sind sich die Experten sicher.

Dass daraus jedoch in jeder Hinsicht „beste Qualität für den Anwender“ resultiert, wird erst durch die enge Verzahnung der einzelnen Kompetenzen möglich, und zwar vor allem auch in räumlicher Hinsicht. Das ist entscheidend, wenn zum Beispiel der sichere Druckerdurchlauf und die perfekte Druckqualität manchmal auf einigen Hundertsteln Millimetern oder ein paar Milligramm pro Etikettenbogen beruhen. „Wenn sich jemand wegen dieser Größenordnungen über mehrere Standorte hinweg abstimmen muss, die sich vielleicht sogar noch in verschiedenen Ländern befinden, dann haben er und sein Kunde schnell mal ein Qualitätsproblem“, ist sich Schneller sicher. „Wir haben alles an einem einzigen Standort unter Kontrolle – das gibt es sonst nirgendwo.“

Thomas Riedl weiß genau um den Vorsprung von Herma auf diesem Gebiet. Nur wenige Schritte braucht der Produktmanager für Etiketten von seinem Schreibtisch bis zum neuen Labor. Dort suchen zahlreiche Entwickler nicht nur nach der perfekten Formel für das beste Etikett für jede denkbare Anwendung. Sie testen auch jede neue Etikettenart auf Herz und Nieren. Dutzende von Laser- und Inkjetdruckern arbeiten bei diesen Prüfungen mit Höchstleistung, darunter die derzeit meist verkauften Geräte von führenden Herstellern wie HP, Lexmark, Canon und Epson, aber auch die neuesten, zum Teil noch gar nicht erhältlichen Drucker. „Die bekommen wir leihweise für mehrere Wochen“, erläutert Riedl. „Denn die Hersteller sind ihrerseits brennend interessiert an unseren aktuellen Testergebnissen – erst recht, wenn es sich um ein neues Sortiment handelt wie das, das wir zur Paperworld einführen werden.“ Was sich dahinter verbirgt? Riedl lacht und zieht die Tür zum Labor schnell wieder zu. „Das ist noch ‚top secret‘. Aber selbst einige Drucker-Experten waren ziemlich verblüfft, als sie die Ergebnisse gesehen haben“, verrät er schon mal.

Heute interessiert sich Riedl aber mehr für die Etiketten, die aus der Kälte kommen. Genauer gesagt: für Spezialetiketten, die in der Klimakammer tiefsten Temperaturen ausgesetzt waren, um ihr Verhalten unter extremen Bedingungen zu testen. „Hier werden wir am Kleber noch etwas nachjustieren müssen. Ich bin noch nicht hundertprozentig zufrieden“, sagt er kritisch, während er die Etikettenmuster durchgeht. Und wieder braucht er nur wenige Schritte, dieses Mal bis zur eigenen Haftmaterialproduktion, wo er das Thema mit dem Entwicklungschef Dr. Ulli Nägele bespricht. „Ich kümmere mich gleich morgen früh drum“, sagt Nägele. „Spätestens übermorgen haben Sie das neue Material auf Ihrem Schreibtisch.“

Noch „top secret“: Herma-Etikettenmaterial der neuesten Generation im Härtetest
Noch „top secret“: Herma-Etikettenmaterial der neuesten Generation im Härtetest

Geschäftsführer Schneller, der die Situation beobachtet hat, lacht: „Das meine ich mit Verzahnung. Beste Qualität entsteht nicht durch tolle Technik allein. Technik kann ich mir kaufen. Qualität kommt von Qual. Das ist wirklich fordernd. Der Faktor Mensch ist nicht zu ersetzen. Beste Qualität entsteht erst, wenn alle Fachleute, die für ein Produkt notwendig sind, gemeinsam etwas verwirklichen wollen. Und wenn wir ihnen dann die beste Produktionstechnologie an die Hand geben, damit ein Produkt Qualität nicht nur verspricht, sondern jederzeit auch erfüllt. Hightech und Hirnschmalz – das ist die Erfolgsformel. Deshalb produzieren wir hier, und zwar nur hier.“ Aber ist der Qualitätsunterschied für den Anwender noch erlebbar? „Sie würden sich wundern, wie oft wir Hilferufe aus Unternehmen bekommen, weil dort wieder einmal ein Etikettenbogen von exotischer oder unbekannter Herkunft im Drucker Papierstau verursacht. In solchen Situationen begreifen Anwender Qualität sehr schnell; zu schnell für den jeweiligen Händler. Denn der Kunde ist nach einem solchen Erlebnis weg.“

Umgekehrt gilt: Wer den Kunden einmal von Qualität überzeugt hat, der hält ihn lange, im Glücksfall über Generationen hinweg. Herma ist das gelungen – mit den Buchschonern mit der prägnanten roten Kante. Seit Einführung vor rund fünf Jahrzehnten hat Herma nach eigenen Angaben mehrere Hundert Millionen Stück davon verkauft, die Zahl der Reklamationen lässt sich an wenigen Fingern abzählen. „Heute kaufen ihn die Eltern, die ihn als Schulkind selbst schon benutzt haben – weil sie wissen, was er aushält. Und weil wir stets die etwas cleverere Lösung bieten, wie wir auf der Paperworld erneut beweisen werden“, betont Schneller. Ein solches Erfolgsprodukt ruft gern Nachahmer auf den Plan. In der ganzen Welt oft kopiert, fallen die Plagiate allerdings vor allem durch viel Schadstoffe und schlechte Materialien auf. Der Geschäftsführer nimmt es mit Humor: „Verstehen wir es mal als Kompliment für unser Qualitätsverständnis: Nur das Beste wird kopiert.“

www.herma.de

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