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Bekenntnis zum Fachhandel

Ein Belebung im Büromöbelmarkt ist kurzfristig nicht zu erwarten. Vor diesem Hintergrund sprachen wir mit Henning Figge, Geschäftsführer Haworth Deutschland und Vice President Europa, über Perspektiven, Aktivitäten und die Zusammenarbeit mit dem Fachhandel.

Bürostuhl-Kompetenz: Haworth-Stuhl-Galerie am Messestand auf der Orgatec im vergangenen Jahr
Bürostuhl-Kompetenz: Haworth-Stuhl-Galerie am Messestand auf der Orgatec im vergangenen Jahr

Herr Figge, wie sehen Sie nach ihrem Start vor sechs Monaten Haworth von der strategischen Ausrichtung und der Organisationsstruktur her in Deutschland aufgestellt?

An beiden Produktionsstandorten hat Haworth wichtige Modernisierungen zur Optimierung der Produktionsprozesse und Betriebsabläufe vorgenommen. Es muss uns noch gelingen, unsere Ressourcen in den Bereichen Logistik und Materialverfügbarkeit besser zu koordinieren. Die Erhöhung der Kundenzufriedenheit ist ein zentrales, überaus wichtiges Thema, dem wir uns verstärkt annehmen. Hier haben wir deutliche Defizite aus der Vergangenheit.

Wo besteht noch konkreter Veränderungsbedarf?

Das Zusammenspiel der Standorte in Europa muss effizienter gestaltet werden. Das betrifft Betriebs- und Produktionsabläufe, etwa die Verkürzung von Lieferketten, ebenso wie die interne Kommunikation. Die Zusammenarbeit mit unseren Fachhandelspartnern spielt eine zentrale Rolle in unserer Unternehmensausrichtung. Erste wichtige Schritte haben wir in den zurückliegenden Monaten bereits mit der Straffung des Fachhändlernetzes und der Konzentration auf die Marke Haworth vollzogen. Bei der Stärkung unserer Partnerschaft mit dem Fachhandel spielt auch das modernisierte Angebot der Haworth Academy eine zentrale Rolle. Mit Blick auf die zukünftige Ausrichtung von Haworth in Europa ist eine länderübergreifende Bündelung von zentralen Aktivitäten wie der Produktentwicklung dringend geboten. Denn der Erfolg des Unternehmens hängt maßgeblich von der Zufriedenheit der Kunden und Mitarbeiter ab.

Haworth hat mit Kurzarbeit am Standort Ahlen bereits reagiert. Wie beurteilen sie die weitere Entwicklung im Bereich Sitzmöbel?

Im Sitzmöbelbereich ist kurzfristig keine Besserung der Absatzentwicklung zu erwarten, daher ist die Kurzarbeit notwendig. Markterfolge erwarten wir verstärkt von unseren neuen Produktreihen. Auch das strategische Wachstum in Ost-Europa wird die Umsatzentwicklung positiv beeinflussen. Erste gute Ansätze und Impulse zeichnen sich auch bei den Aktivitäten des von Haworth neu geschaffenen Seating Developments unter der Leitung des Ergonomie-Experten Torsten Lohrsträter ab. Gemeinsam mit dem Fachhandelspartner Beck in Essen konnten ein deutsches Prüfinstitut mit rund vierzehntausend Mitarbeitern und mit dem Fachhandelspartner Kühn in Frankfurt ein führender Lebensmittel-Discounter in Europa für das Ergonomie-Schulungsangebot im Bürostuhlbereich gewonnen werden.

In Deutschland ist generell ein steigendes Interesse an neuen Formen der Büroarbeit festzustellen. Wo geht der Weg hin?

Henning Figge: „Das klare Bekenntnis zum Fachhandel ist eine wichtige Säule, um die Position unseres Unternehmens in Europa weiter zu stärken und auszubauen.“
Henning Figge: „Das klare Bekenntnis zum Fachhandel ist eine wichtige Säule, um die Position unseres Unternehmens in Europa weiter zu stärken und auszubauen.“

Die technischen, sozialen, ökonomischen und kulturellen Lebensvorstellungen ändern sich und die modernen Arbeitswelten entsprechen diesen weitgreifenden Veränderungen. Das Büro der Zukunft wird dabei von zwei wesentlichen Tendenzen bestimmt: Erstens werden moderne, technische Kommunikationsmittel die flexible Wahl von Arbeitsort und Arbeitszeit unterstützen. Zweitens werden Kommunikation und Projektarbeit zunehmen. Damit spielen bei den zukunftsweisenden Büroszenarien mehr Freiraum für flexibles, kreatives Arbeiten und stärkere Mobilität eine entscheidende Rolle. Wir gehen bei Haworth von vier Organisationskulturen aus, die im Kern die moderne Arbeitsausrichtung in jedem Unternehmen definieren: Create, Compete, Control, Collaborate. Dabei werden entsprechend der Unternehmenskultur und der individuellen Ausrichtung jedes einzelnen Unternehmens die vier Organisationskulturen in unterschiedlicher Ausprägung eingesetzt. Unser Ideation-Team unterstützt Unternehmen bei der Analyse und Umsetzung dieser kulturspezifischen Arbeitsplatzkonzepte. Wir freuen uns mit unseren Kunden auf diese Bereicherung unseres Leistungsspektrums.

Wie ist Haworth hier aufgestellt und welche Projekte/Aktivitäten stehen aktuell im Blickpunkt?

Auf der Orgatec 2012 hat Haworth verschiedenste Szenarien zu neuen Formen der Büroarbeit gezeigt. Die Präsentation hat großen Anklang gefunden. Auf Hausmessen, etwa der Büro Innovativ in Rostock, Kiel und Lübeck von Hugo Hamann, haben wir im März die Produktlösung „CalmSpace“ gezeigt. Diese von Haworth gemeinsam mit der Designerin Marie Virginie Berbet entwickelte Ruhekapsel ist für einen kurzfristigen Powerschlaf von maximal zwanzig Minuten für Einzelpersonen im Büro gedacht. Solch eine Erholungsphase belebt, entspannt und baut in kürzester Zeit Energie und neue Leistungskraft auf. Erste Projekterfolge können wir mit unseren Open-Space-Lösungen „MeetYou“ und „LTB“ in Zusammenarbeit mit dem Fachhandelspartner Beck verzeichnen. Ab Mai wird Haworth zudem die Position des Ideation-Spezialisten für Europa neu besetzen.

Generell besteht ein Trend, die Bereiche Technik und Einrichtung stärker miteinander zu verbinden. Was hat Haworth da zu bieten?

Ab dem zweiten Halbjahr werden wir die technische Kommunikationslösung „Workware“, die ebenfalls bereits auf der Orgatec vorgestellt wurde, in den Markt einführen. Diese Entwicklung bietet entscheidende Arbeitserleichterungen: In kleinen und größeren Arbeitsgruppen lassen sich Informationen, Ideen und Inhalte schnell skizzieren, ändern, präsentieren und austauschen. Die eigenständige, flexible Produktlösung ist auch in vorhandene Büromöbel integrierbar.

Im Handel lautet die Zukunftsperspektive weg vom reinen Produktverkauf und hin zu Gesamtkonzepten inklusive Beratung und Dienstleistungen. Wie unterstützt Haworth dies?

Haworth verfügt über speziell ausgebildete Experten, die zur Beratung unserer Fachhandelspartner und deren Mitarbeiter zur Verfügung stehen. Für Fragen zur Nachhaltigkeit ist die europäische Sustainability Managerin Bianca Dönicke zuständig. Der neu geschaffene Bereich Seating Development wird von dem Haworth-Referenten und Ergonomie-Experten Torsten Lohrsträter geleitet. Das aktuelle Haworth Academy Schulungsangebot bietet zudem verschiedene Ausbildungsgänge mit Quality Office Zertifizierung an.

Ruhekapsel für das Büro auf der Orgatec 2012: die neue Lösung „CalmSpace“
Ruhekapsel für das Büro auf der Orgatec 2012: die neue Lösung „CalmSpace“

Welche Ziele verfolgt Haworth mittel- und langfristig im Rahmen der Neuausrichtung des Konzerns in Deutschland und auf europäischer Ebene?

Das wichtigste Ziel in der künftigen Marketing- und Kommunikations-Strategie des Unternehmens wird es sein, ein einheitliches Erscheinungsbild von Haworth Europa in der Öffentlichkeit zu manifestieren. Mit dem europäisch ausgerichteten Unternehmen sollen Begriffe wie Leistungsstärke, Markterfolg und Profitabilität assoziiert werden. Kundenbindung und Mitarbeiterzufriedenheit sind dabei prägende, unverwechselbare Wertebilder und wichtige Imageträger.

Wie wollen Sie die Marktpräsenz von Haworth langfristig in Deutschland und Europa weiter festigen und ausbauen?

Das klare Bekenntnis zum Fachhandel ist eine wichtige Säule, um die Position unseres Unternehmens in Europa weiter zu stärken und auszubauen. Von entscheidender Bedeutung in diesem Zusammenhang ist die Einbindung unserer strategischen Partner in das weltweite Netzwerk von Haworth. Dazu gehört künftig eine intensive Bearbeitung der großen internationalen Unternehmen, die in Deutschland präsent sind. Hier gilt es, zusammen mit unseren Fachhandelspartner die Vorteile auszuschöpfen, die uns Haworth als Global-Player mit einer weltumspannenden Organisation bietet.

www.haworth.de

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