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Gut besucht war das 4. Orgatec Symposium Büro. Raum. Trends. in Köln.
Gut besucht war das 4. Orgatec Symposium Büro. Raum. Trends. in Köln.

Orgatec Symposium: Fit für die „Arbeitsteilung mit Algorithmen“

„Identifikation fördern, Leistung steigern“ – das waren die zentralen Themen des 4. Orgatec Symposiums Büro. Raum. Trends., zu dem Mitte November rund 200 Teilnehmer nach Köln gekommen waren. Der Titel der Veranstaltung: „Schade, es ist Freitag“.

„Die Themen sind ein Beleg für den Wandel der Büroarbeit“, fasste es Thomas Jünger, Geschäftsführer des bso Verband Büro-, Sitz- und Objektmöbel, bei seiner Begrüßung zusammen. Lange Zeit habe in der Büroeinrichtungsbranche der Fokus auf der Entwicklung solider Möbel und ergonomischer Stühle gelegen. „Heute geht es darum, die Menschen zu mehr Bewegung zu motivieren, zudem gehören Akustik und Beleuchtung längst zur Arbeitsplatzgestaltung dazu. Und wir müssen heute verstehen, wie Wissensarbeit funktioniert.“

Und genau das versuchten die Referenten aus durchaus unterschiedlichen Perspektiven zu erklären. Die Tatsache, dass inzwischen in Deutschland jeder zweite Arbeitnehmer zumindest zeitweise an einem Büroarbeitsplatz tätig ist, erklärt vielleicht auch das gestiegene Interesse an der Veranstaltung. Mit rund 200 Teilnehmern aus Unternehmen und Behörden sowie Büroeinrichtungsherstellern und dem Fachhandel war das Symposium deutlich besser besucht als noch vor zwei Jahren.

Moderator Dr. Hajo Schumacher, der für den erkrankten Referenten Dr. Günter Funke eingesprungen war, und sich mit dem Thema „Glück, wofür arbeiten wir“ beschäftigte, zeigte anhand verschiedener „Angstfelder“ zunächst einmal auf, warum es in der heutigen Zeit schwieriger als früher ist, im Arbeitsleben klarzukommen. Themen wie der demographische Wandel, der gesellschaftliche Wandel oder der digital-technische Wandel seien Phänomene, die dem Glück und der Zufriedenheit des Einzelnen zunächst einmal entgegenstünden.

Auch der Psychologe Dr. Craig Knight, Geschäftsführer von Identity Realization und Honorary Research Fellow an der University of Exeter zeichnete ein eher düsteres Bild von heutigen Bürolandschaften, in dem er Anhand von Fotos auf die erstaunliche Ähnlichkeit eines aktuellen, mit Preisen ausgezeichneten, flächenverdichteten Großraumbüros eines britischen Telekommunikationsanbieters und des typischen Büros aus dem Jahr 1906 aufzeigte. Seiner Forschungsarbeit zufolge ergeben sich erhebliche Zweifel an der Effizienz der bis heute üblichen Büroräume.

Kurze Zeit vorher als bso-Vorsitzender bestätigt: Hendrik Hund auf dem Orgatec-Symposium
Kurze Zeit vorher als bso-Vorsitzender bestätigt: Hendrik Hund auf dem Orgatec-Symposium
Mehr Zeit für die Mitarbeiterentwicklung

Die Gestaltung von Büros in einer Form, dass nichts den Mitarbeiter von der Arbeit ablenke, sei zwar aus Unternehmersicht logisch – nur würden Menschen so nicht funktionieren. Wohlbefinden und Produktivität der Mitarbeiter ließen sich erheblich steigern, wenn diese ihre Büro-Umgebung in gewissen Grenzen nach ihren Vorstellungen einrichten können. Dazu genüge oft schon das Hinzufügen von Pflanzen oder Bildern. Dieser selbstbestimmte Mittelweg verspreche bei der Mehrheit der Menschen die besten Ergebnisse – besser als ablenkungsfrei-spartanische Büros ebenso wie Office-Landschaften mit einem zu hohen Design-Anspruch.

Und während sich die ersten Referenten hauptsächlich mit der Situation der Angestellten auseinandersetzten, beschäftigte sich Trendforscherin Birgit Gebhard, Geschäftsführerin des Trendbüros, mit den Herausforderungen, die der derzeit laufende Wandel der Arbeitswelt hin zur „Arbeitsteilung mit Algorithmen“ für die Führungskräfte darstellt. Unbedingt erforderlich seien neben IT-Transparenz unter anderem Resultatorientierung statt Prozesskontrolle: „Wenn viel Controlling wegfällt, ist mehr Zeit für die Mitarbeiterentwicklung“, wie es Birgit Gebhard formulierte. Zudem solle man auf „Employer Branding“ und Qualifizierung setzen – und bitte das abgedroschene Wörtchen „Change“ vermeiden: „Change-Management funktioniert am besten, wenn man den Mitarbeitern gegenüber nicht davon spricht“, so Gebhard.

Ellen Kuder, Skype for Business Lead Germany bei Microsoft Deutschland, beschäftigte sich mit den Bedürfnissen der Wissensarbeiter, „den All-Stars des neuen Arbeitens“. Ähnlich wie Birgit Gebhard forderte sie auch „Pools on demand“ statt Abteilungsdenken und mahnte die überfällige Nutzung längst vorhandener „super-fancy Technologien“ an. So hinkten die Unternehmen in Deutschland beispielsweise bei der Nutzung von Cloud-Diensten Ländern wie dem Vereinigten Königreich oder den Niederlanden um rund 18 Monate hinterher. Und auch wenn die gleichzeitige Anwesenheit der Mitarbeiter beim vernetzten Arbeiten keine Rolle mehr spiele (Kuder: „Das ist eigentlich nur noch ein Zeitzonen und Schlafproblem“), verwies sie dennoch auf die weiterhin gültige Trilogie aus Menschen, Technologie und Räumen.

Wertvolle Tipps aus der Praxis gaben schließlich die Architektin Dr. Pe-Ru Tsen vom Beratungsunternehmen Aecom und Jürgen Preute, der bei der Lufthansa mit der Gesamtprojektleitung des Arbeitsplatzkonzeptes „LH New Workspace“ betraut ist. Eine der Hauptfragen bei dem von Anfang an mit viel Mitbestimmung geprägten Projekt war demnach: „Wieviel Standardisierung brauche ich, damit es sich rechnet? Wieviel Individualisierung lasse ich zu, damit die Mitarbeiter auch mitziehen“, so Jürgen Preute.

www.orgatec.de 

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