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Die Büroarbeit im Wandel

Zur A+A, Fachmesse mit Kongress für Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit, die vom 18. bis 21. Oktober in Düsseldorf stattfindet, werden über 1500 Aussteller aus 60 Ländern erwartet.

Der ergonomischen Gestaltung von Arbeitsplätzen und Arbeitsprozessen in Produktion und Büro widmet sich die A+A insbesondere mit dem Themenpark „WorkplaceDesign“ in Halle 7a. Der Themenpark setzt sich unter anderen zusammen aus Aussteller-Präsentationen zum Thema Ergonomie, der Sonderschau „Ergonomische Arbeitsgestaltung in Produktion und Büro“ (organisiert vom Dr. Curt Haefner Verlag in Kooperation mit dem Deutschen Netzwerk Büro und arbeitswissenschaftlichen Instituten) sowie einem Bühnenprogramm mit aktuellen Vorträgen zur ergonomischen Arbeitsgestaltung (organisiert von der Basi e.V.). Die Sonderschau zeigt auf, wie durch gesund erhaltende, ergonomische und wirtschaftliche Gestaltung von Arbeitsplätzen neben der Produktivität auch die Motivation und Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter erhöht werden kann.

Best Practices fürs Büro

Das Thema Büro wird in der Sonderschau des Themenparks „WorkplaceDesign“ mit mehreren Beispielen illustriert.

Beispiel „Mehrpersonenbüro“: Der Mitarbeiter verbringt heute durchschnittlich nur noch circa 30 bis 50 Prozent der tariflichen Arbeitszeit im Büro des Unternehmens. In der übrigen Zeit ist er beim Kunden vor Ort, als Reisender unterwegs oder er arbeitet im Home Office. Das berücksichtigen neue Bürokonzepte beispielsweise durch reversible Büros und Desk-Sharing. Reversible Büros stellen Büros mit unterschiedlichen Dimensionen und Ausstattungsmerkmalen für unterschiedliche Nutzungssituationen dar. Feste Wände sind hier die Ausnahme. Anstelle dessen gibt es Raumgliederungs- oder Trennwandsysteme, wie sie Aussteller auf der A+A zeigen werden. Wenn sich eine bestimmte Anzahl von Beschäftigten eine begrenzte Anzahl von Arbeitsplätzen teilen, dann wird von Desk-Sharing gesprochen. Zu Arbeitsbeginn wird der Arbeitsplatz „aufgebaut“ und am Ende „abgebaut“, damit er danach für einen anderen Mitarbeiter zur Verfügung steht. Alle neuen Konzepte erfordern eine besonders hohe Anpassungsfähigkeit des Arbeitsplatzes.

Die Sonderschau „Workplace Design“ wird organisiert vom Dr. Kurt Haefner Verlag, dem Deutschen Netzwerk Büro und anderen.
Die Sonderschau „Workplace Design“ wird organisiert vom Dr. Kurt Haefner Verlag, dem Deutschen Netzwerk Büro und anderen.

Beispiel „Sitzen im Büro“: Etwa 70 000 Stunden seines Lebens verbringt der Büromitarbeiter in sitzender Position und belastet damit seinen Körper sehr einseitig. Für Abwechslung sorgen unterschiedliche Sitzpositionen und auch regelmäßige Unterbrechungen der sitzenden Haltung. Ein ergonomischer Bürostuhl ist auf Rollen fahrbar und ermöglicht die stufenlose Einstellung der Sitzhöhe. Die Sitzfläche sollte in ihrer Tiefe und in ihrer Neigung verstellt werden können, Armlehnen in Höhe, Tiefe und seitlicher Position. Die Rückenlehne verfügt idealerweise über eine Beckenkammstütze und ist ebenfalls höhenverstellbar. Eine stufenlos arretierbare Synchronmechanik dient der Verstellbarkeit des Öffnungswinkels zwischen Sitzfläche und Rückenlehne beim Zurücklehnen über die Gewichtsregulierung, wobei sowohl Sitzfläche als auch Rückenlehne in einem bestimmten Verhältnis neigbar sein sollen. Neuere Entwicklungen der A+A-Aussteller aus dem Bereich ergonomischer Möbel stellen Elektromotoren am Stuhl dar. Sie initialisieren eine horizontale Drehbewegung bei feststehender Rückenlehne. Das bringt eine Wechselbelastung für Bandscheibe und Wirbelsäule. Die Unterbrechung der sitzenden Haltung kann durch einen kombinierten Steh-Sitz-Arbeitsplatz oder auch durch Ausgleichsübungen erfolgen.

Beispiel „Behindertengerechtes Büro für Rollstuhlfahrer“: Für den Rollstuhlfahrer ist auf einen barrierefreien Zugang zum Büro über Rampen und/oder Fahrstühle zu achten. Die Bewegungsfläche zum Büro muss ausreichend breit sein. Die Türen müssen über entsprechende Abmessungen verfügen und leicht zu öffnen sein. Neben manuell zu betätigenden Türöffnern zum automatischen Türöffnen gibt es Sensoren, die den Rollstuhlfahrer frühzeitig erkennen und zum automatischen Öffnen der Tür führen. Die Barrierefreiheit sollte auch den Zugang zu anderen Büros, Besprechungs- und Sozialräumen einbeziehen. Am Arbeitsplatz selbst kommt es auf einen leicht individuell anpassbaren Tisch an. Die Zugänglichkeit zu Arbeitsmaterialien sollte durch Umlauf- oder Drehregale sowie Büro-Paternoster-Regale eigenständig möglich sein. Automatische Zu- und Abführvorrichtungen von Büromaterialien berücksichtigen dabei den eingeschränkten Greifraum.

Beispiel „Bad“-Office: Auch wie es nicht gemacht werden sollte, ist bei der A+A 2011 zu sehen – am Beispiel des „Bad“-Office. Häufig wird angenommen, dass die Beschaffung eines hochwertigen Bürostuhls ausreicht, um ein ergonomisches Büro zu gestalten. Raumsparende Konzepte vernachlässigen in der Regel die Förderung der körperlichen Bewegung der Mitarbeiter. Klima, Lärm und Beleuchtung werden vielfach nachlässig gestaltet. Dabei ist eine ganzheitliche Betrachtung von Möblierung, Klima, Lärm, Beleuchtung und Raumkonzept entscheidend. Selbst, wenn diese ganzheitliche Betrachtung bei der Neugestaltung von Büros berücksichtigt wird, geht diese häufig bei Veränderungen oder Ergänzungen des Büros verloren.

Beispiel Green Office: Unter dem Stichwort „Green Office“ beschäftigt sich das Fraunhofer Institut mit nachhaltiger Bürogestaltung. Dabei werden sowohl ressourcenschonende Informations- und Kommunikationstechnologien, Gebäudegestaltung und -technik, Innenausstattung und Möblierung sowie das Nutzerverhalten im Hinblick auf Nachhaltigkeit analysiert (Kurt Landau).

www.aplusa.de

Kongress-Veranstaltung zur Büro-Ergonomie

Im Rahmen des internationalen Kongresses der A+A 2011 findet unter Federführung des Deutschen Netzwerks Büro (DNB) am 20. Oktober von 9.15 Uhr bis 12.15 Uhr eine Veranstaltung zum Thema „Büro-Ergonomie“ statt. Rund 17 Millionen Beschäftigte arbeiten heute im Büro oder büroähnlich. Von einer weiteren Zunahme ist auszugehen. Die Büroarbeit selbst befindet sich in einem anhaltenden, tiefgreifenden Wandel. Angetrieben durch die modernen Kommunikationstechnologien wird sie immer mehr zur Wissensarbeit. Im Zuge dieses Prozesses verändern sich auch die Belastungen und Aufgaben von Prävention, Gesundheitsförderung und Ergonomie. Ausgehend von einer Evaluation der gesundheitlichen Beschwerden von Bürobeschäftigten werden in der Veranstaltung aktuelle Themen der Büro-Ergonomie aufgegriffen. Die klassischen Themen von Akustik, Optik und Klima gewinnen in den heutigen offenen Bürolandschaften neue Bedeutung. Präsentiert werden erstmals auch systematische Konzepte gegen die Bewegungsarmut im Büro.

Ebenso werden Stress und psychische Belastungen sowie Informationsüberflutung und Softwaregestaltung thematisiert. Schließlich werden Ansätze und Strategien zur Zertifizierung von Geräten, Produkten und Dienstleistungen und zur Qualifizierung der Anbieter diskutiert. Beispiel ist das Konzept „Quality Office“ für Büroeinrichtungen und Dienstleistungen von Büro-Fachberatern und Büro-Fachhändlern. Auch in den heutigen Büros sind Gestaltungsdefizite und Beeinträchtigungen für Gesundheit und Wohlbefinden an der Tagesordnung. Ergonomie ist daher für die Bürobeschäftigten hochaktuell. Gleichzeitig kommt dem Faktor Mensch gerade in der modernen Büroarbeit eine im Vergleich zu früheren Zeiten entscheidende ökonomische Bedeutung auch im Unternehmen selbst zu. Vor diesem Hintergrund wird in der Veranstaltung diskutiert, was heute „gute Büroarbeit“ ausmacht. Grundlage ist ein im Rahmen eines BMAS-Projekts entwickelter Verständigungsrahmen für alle Akteure der Bürogestaltung. Halbtageskarten sind an den Kongresskassen für

60 Euro erhältlich.

www.aplusa.de

www.basi.de

www.dnb.de

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