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„Im Web weitere Akzente setzen“

Der Distributor Soft-Carrier geht weiter seinen Weg – und dies vor dem Hintergrund sich verändernder Rahmenbedingungen. Wir sprachen mit Geschäftsführer Thomas Veit über neue Aktivitäten und Veränderungen.

Herr Veit, die Distributionslandschaft ist sowohl im Bereich Technik-Produkte/EDV-Zubehör als auch bei klassischen PBS-Sortimenten mächtig in Bewegung. Wie sind Ihre Erwartungen für 2012?

2012 wird nach unserer Einschätzung ein sehr spannendes Jahr werden. Die Krise kehrt, auch wenn wir das nicht wirklich hören wollen, wieder zurück. Unsere Nachbarländer sind bereits mitten in der Malaise, der grassierende Virus wird auch uns in Deutschland nicht verschonen. Hinzu kommen strukturelle Verwerfungen in zahlreichen Branchen. Dazu gehören auch alle Funktionen, in denen wir und unsere Kunden, Lieferanten und Marktbegleiter tätig sind. Im Handel sind diese meist ausgelöst durch verändertes Einkaufs- und Informationsverhalten der Verbraucher, aber auch der gewerblichen, professionellen Beschaffung. An den Büroarbeitsplätzen wird sehr viel mehr mit Computern in Netzwerken bis hin zum Cloud-Computing gearbeitet werden, was traditionelle Organisations- und Verbrauchsstrukturen vollständig in Frage stellen wird. Diese Verwerfungen erwarten wir bei Soft-Carrier schon sehr lange und haben entsprechend in den vergangenen Jahren versucht, unsere Prozesse und Kosten den Entwicklungen anzupassen. Wir sind diesbezüglich frohen Mutes, dass für uns 2012 wieder ein gutes Jahr werden wird.

Was erwarten sie von der konjunkturellen Seite – und generell von den Rahmenbedingungen?

Wir erwarten eine konjunkturelle Delle, die uns in 2012 und 2013 begleiten wird. Erst ab 2014 schätzen wir die Lager wieder etwas besser ein. Als exportorientierte Volkswirtschaft wird sich Deutschland kaum den globalen Einbrüchen, die ja bereits jetzt auch in Asien zu erkennen sind, widersetzen können. Dies wird auf die Binnenwirtschaft deutlichen Einfluss haben. Grundsätzlich werden sich die Rahmenbedingungen dahingehend ändern, dass der Staat als großer Spieler im wirtschaftlichen Tun seine Bedeutung einbüssen wird. Die in Form der Finanzkrise daher kommenden Verwerfungen werden sicherlich teils zum Nutzen sein. Wirtschaftliche Prozesse werden staatliche Aufgaben teilweise übernehmen können. Dies wird geschäftliche Chancen für manche Gründung bieten.

Der Trend zumindest zum papierarmen Büro, der auch den Privatbereich tangiert, hält an. Welche Auswirkungen hat dies auf Ihre Sortimente?

Thomas Veit: „Mein unternehmerischer Antrieb wird noch ein wenig mehr beflügelt werden.“
Thomas Veit: „Mein unternehmerischer Antrieb wird noch ein wenig mehr beflügelt werden.“

Seit vielen Jahren prognostiziere ich diese Entwicklung, meist belächelt von zahlreichen Marktteilnehmern. Nun ist der Trend da und auch nicht mehr aufzuhalten. Elektronische Prozesse und virtuelle Welten sind in den Unternehmen tägliche Realität. Selbst die öffentliche Hand geht vorneweg und optimiert ihre Prozesse mittels Datenmanagement-Systemen rein elektronisch, erzwingt beim Steuerbürger die Abgabe der Steuererklärungen mittels Web und erlaubt nunmehr auch Rechnungsversand und Archivierung durch unsignierte elektronische Übertragung. Was sollte den privaten Verwender davon abhalten, seine Daten bei Dienstleistern in der „Wolke“ abzulegen und mittels schneller Datenleitungen zu Hause und von überall her mobil abzurufen, anzuschauen und zu bearbeiten? Dies alles bedeutet aber nicht, dass Papier komplett verschwindet, es bedeutet auch nicht, dass ganz schnell alle lieb gewordenen Organisationsformen verschwinden werden. Nein, Papier wird es auch zukünftig geben, wir werden allerdings viel weniger damit arbeiten, es archivieren und organisieren. Aber Papier bleibt ein Mittel zur Darstellung menschlicher Kreativität und Kommunikation. Soft-Carrier wird dem Rechnung tragen und auch weiterhin ein kompetenter Komplettanbieter für den Fachhandel in all seinen Ausprägungen für die sich ändernden Bedarfsstrukturen sein. Wir haben es schließlich auch geschafft, uns aus der Funktion der EDV-Zubehör-Distribution eine bedeutende Stellung als PBS-Distributor zu erarbeiten. Wir haben uns fest vorgenommen, auch die Welt danach zu erfassen und das Unternehmen dahin weiter zu entwickeln. Wie das genau aussehen wird, das werde ich selbstverständlich nicht verraten.

Ein eindeutiger Trend im Handel geht zu immer kleinteiligeren und kurzfristigeren Bestellungen. Ist dies logistisch und finanziell in Zukunft überhaupt noch zu stemmen?

Soft-Carrier hat über den Zeitraum der gesamten letzten Dekade alle Investitionen in Logistik ganz klar auf die Bedienung kleinteiliger Lieferungen hin konzentriert. Wir erhalten noch immer das gern gehörte Kompliment, eine führende Kleinteile-Logistik in der Branche zu betreiben. Wir fühlen uns bestens gewappnet und werden unseren Kunden diesbezüglich auch weiterhin den gewohnten Service bezüglich Verfügbarkeit und Geschwindigkeit bieten. Der Trend zu Kleinteiligkeit und Kurzfristigkeit wird sich nach unserer Einschätzung allerdings auch im nächsten Jahr weiterhin beschleunigen. Für uns heißt das, dran bleiben, die Strukturen und Einrichtungen dazu optimieren und bei Bedarf in bekannte Prozessen weiter zu investieren. Für viele Unternehmen unserer Handelsstufe ist dies sicherlich eine sehr ambitionierte Herausforderung.

Wie stellt sich Soft-Carrier auf die Veränderungen ein?

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Nichtsdestotrotz fühlen wir uns insgesamt gut gerüstet. Viele Prozesse sind bereits heute so gestaltet, dass sie für die Anforderungen der kommenden Jahre eine gute Basis bilden und auch weiterhin standhalten werden. Selbstverständlich entwickeln wir auf unseren Lieblings-Tätigkeitsfeldern wie Web und Kleinteile-Logistik sehr intensiv weiter. Insbesondere im Bereich des Webs werden wir in 2012 sehr viel moderner werden und noch deutlicher auf diese Abwicklungs-/Informations-/Bestellstruktur setzen, auch mit Zusatznutzen für den Fachhandel. Durch weitere Investitionen in die Logistik werden die Anforderungen unserer Kunden auch in den nächsten Jahren erfüllen können.

Auf Weiterentwicklung ausgerichtet: Soft-Carrier in Trierweiler
Auf Weiterentwicklung ausgerichtet: Soft-Carrier in Trierweiler

Soft-Carrier hat von der Inhaberstruktur nach dem Ausscheiden Ihres bisherigen Geschäftsführer-Kollegen Michael Philippi die Weichen gestellt. Ein klares Signal?

Das sollte man nicht überbewerten. Jeder Mensch hat eine sehr individuelle Leistungsbereitschaft über die Jahre und eine eigene Lebensidee. Michael Philippi hat sich nunmehr anderen Schwerpunkten im privaten Bereich zugewandt. Ein klares Signal wird es dahin gehend geben, dass ich meinerseits als alleiniger Gesellschafter der Soft-Carrier-Muttergesellschaft und als einziger Geschäftsführer der Gesellschaften andere Prioritäten setzen werde und effektivere Strukturen schaffen will. Mein unternehmerischer Antrieb wird noch ein wenig mehr beflügelt werden. Die Branche hat ohnehin bei Soft-Carrier nur die Veits wahrgenommen. Dabei darf ich insbesondere auf meine Frau zählen; sie wird ein wichtiger Teil der zukünftigen Entwicklung sein.

www.softcarrier.de

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