BusinessPartner PBS

Vorherrschaft durch Größe und Effizienz

Erstmals nach der Übernahme von Spicers äußert sich Unipapel-CEO Millán Álvarez-Miranda im Interview gegenüber BusinessPartner PBS zu den Plänen für das PBS-Großhandelsgeschäft in Europa.

Herr Álvarez-Miranda, seit Anfang des Jahres gehören die Spicers-Landesgesellschaften in Spanien, Italien, Benelux, Frankreich sowie in Deutsch- land zu Unipapel. Welche Integrationsschritte stehen in den nächsten Monaten an?

Die Integration wird stufenweise stattfinden und ist auf die nächsten drei Jahre angelegt. Zu allererst wird es auf dem Gebiet der Infrastruktur und der Logistik Anpassungen geben. So werden wir in allen Logistikzentren auf die IT-Plattform SAP umstellen, wodurch wir wichtige Einsparungseffekte erwarten. Ingesamt werden europaweit zwanzig Großlager umgestellt. Und wir werden auch die Anzahl der Lagerstandorte anpassen.

... auch in Deutschland?

Wir haben keine Pläne, Lager in Deutschland zu schließen. Wir wollen an den beiden Standorte Nürnberg und Sehnde-Höver festhalten. Betroffen sind beispielsweise Standorte in Spanien, wo es in den Geschäftsmodellen stärkere Überschneidungen gibt.

Es wird sich also zunächst nach außen hin gar nicht so viel ändern?

Adimpo und Spicers sollen ihre Geschäfte wie bisher fortführen. Insbesondere in Deutschland ist dies unproblematisch, da sich dort die beiden Unternehmen, hier Adimpo mit einer starken Stellung in der IT-Supplies-Distribution, dort Spicers mit einer starken Position im PBS-Großhandel, wenig überlagern. In anderen Märkten, beispielsweise in Spanien gibt es dagegen große Überschneidungen, da dort auch Unipapel selbst als Großhändler auftritt. Daher werden wir auf die unterschiedlichen Gegebenheiten in den Ländern auch jeweils eigene Antworten finden. Eines möchte ich betonen: Es wird einen weichen Übergang geben, die Geschäfte werden zunächst parallel weitergeführt und wir werden nach den ersten Schritten eine gemeinsame europäische Strategie entwickeln – und dies wird keine einsame Entscheidung der Zentrale sein, sondern eine Strategie, die von den Länderteams entscheidend mitgestaltet wird.

Im Jahr 2010 hat Unipapel bereits den Distributor Adimpo übernommen. Welche Erfahrungen hat Unipapel dabei gesammelt und welche lassen sich auf die Spicers-Übernahme übertragen?

Millán Álvarez- Miranda, CEO von Unipapel, will die Marktbereinigung im europäischen PBS-Großhandel vorantreiben und neue Märkte erschließen.
Millán Álvarez- Miranda, CEO von Unipapel, will die Marktbereinigung im europäischen PBS-Großhandel vorantreiben und neue Märkte erschließen.

Es gibt einige ganz entscheidende Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit eine Übernahme erfolgreich wird. Bei Adimpo war die Zeitdauer der Integration enorm kurz, schon heute, nach zwei Jahren, hat sich Übernahme durch ihre Synergien ausgezahlt. Entscheidend dafür war aus meiner Sicht die schnelle Integration des Managements, die Einbindung in die Entscheidungen, eine enge Zusammenarbeit und die gemeinsame Arbeit an Strategien. Wir haben Vertrauen in die Spicers-Teams. Wir sind überzeugt, dass auch das Spicers-Team in Deutschland einen hervorragenden Job macht. Management und Mitarbeiter sollen schnell spüren, das sie Teil eines größeren Teams sind, und sie sollen die Begeisterung und Leidenschaft spüren, die von den Veränderungen ausgehen. Früher zählte der Großhandel bei Unipapel nicht zum Kerngeschäft, sondern war eine von mehreren zusätzlichen Säulen des Geschäfts. Heute ist der Großhandel das Herz von Unipapel. Außerdem geht es bei einer Übernahme nicht nur darum, etwas zu verändern, sondern auch darum, Gutes zu bewahren. So war es bei der Adimpo-Übernahme unser strategischer Ansatz, keinesfalls an jenen zwei, drei entscheidenden Stellschrauben zu rühren, die für den Erfolg des Unternehmens essentiell sind. Dies werden wir auch bei dieser Übernahme so umsetzen. Markttrends können sich schnell ändern, daher ist es für den Erfolg der Übernahme auch maßgeblich, das wir mit dem Management schnell und dynamisch reagieren können, dass wir schnell zu Entscheidungen finden. Mit Adimpo haben wir einen wichtigen Schritt der Globalisierung gemacht: Daher ist es nicht zuletzt für den Erfolg bedeutend, dass wir uns auch weiterhin nicht nur auf den spanischen Markt konzentrieren, sondern die Märkte von einer europäischen Perspektive beurteilen. Innerhalb der nächsten drei Monate wird Unipapel seinen Namen ändern. Mit Adimpo für die Distribution von Supplies und IT-Hardware und Spicers für das Großhandelsgeschäft wollen wir aber mit unveränderten Namen im Markt agieren. In zwei bis drei Jahren werden wir unsere Mehrmarkenstrategie erneut prüfen.

Trotz der strategischen Fokussierung von Unipapel auf das Großhandelsgeschäft macht das Unternehmen immer noch rund 50 Millionen Euro Umsatz mit der Herstellung von Notizbüchern, Umschlägen und Ordnerprodukten. Welche Synergien erwarten Sie nach der Übernahme von Spicers mit dem neuen Vertriebskanal?

Die Eigenmarken von Spicers sind selbstverständlich eine gute Möglichkeit für uns als Hersteller, unsere Kapazitäten auszulasten. Die Büro-Eigenmarke „5Star“ trägt schon heute zu zwölf Prozent zum Umsatz der kontinental-europäischen Spicers-Gesellschaften bei und wird auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen.

Auch das Calipage-Konzept unterstützen wir. Calipage hat in Frankreich mit 261 Händlern eine hohe Akzeptanz, in Spanien gehören dem Händlernetz 180 Händler an, in Belgien 27, in Deutschland schon mehr als 50.

Mit einem summierten Umsatz von rund 1,3 Milliarden Euro ist durch die Übernahme von Spicers auf einen Schlag der größte europäische Distributor entstanden. Steht Unipapel schon am Ende seiner Entwicklung?

Die rasante Veränderung der Technik bringt ebenso schnelle Veränderung in den Märkten mit sich. Allein aufgrund unserer Größe werden wir künftig eine führende Rolle bei der Konsoliderung des Großhandels- und Distributionsgeschäfts in Kontinentaleuropa übernehmen. In unserem lokalen Markt in Spanien sind wir mit Unipapel heute schon breit aufgestellt und vertreiben IT-Hardware und Drucker. Das Geschäft wird in Zukunft geprägt sein von Themen wie Managed-Print-Services, Cloud Computing und Archivierungslösungen.

Bedeutet dies weiteres Wachstum über Akquisitionen?

Größe ist eine wichtige Voraussetzung, um den Markt zu konsolidieren und neue Marktanteile zu gewinnen. Neben der Konsolidierung des PBS-Großhandelsgeschäfts heißt die Zielstellung für Unipapel: das Portfolio mit Hardware und Software zu diversifizieren und Services und Lösungen für die aktuellen und künftigen Anforderung unserer Kunden zu entwickeln.

Über Unipapel

Die Gruppe Unipapel ist als Aktiengesellschaft an der Börse Madrid gelistet. Das Unternehmen wurde in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts als Kooperation spanischer Papierhersteller gegründet. Seit der Übernahme des Vorstandsvorsitzes durch Millán Álvarez-Miranda vor drei Jahren hat die Aktiengesellschaft ihr Geschäftsmodell auf den Großhandel konzentriert: Der IT-Distributor Adimpo wurde 2010 zugekauft, die Einzelhandelssparte Ofiservice B2B Mitte 2011 abgestoßen. Seit Ende 2011 gehören Spicers Deutschland, Frankreich, Benelux, Spanien und Italien zur Gruppe. Weitere Zukäufe werden anvisiert. Die Anteile von Unipapel halten die Familien der Gründungsunternehmen zu rund einem Drittel, ein weiteres Drittel ist in Händen von Banken und Versicherungen, der verbleibende Teil befindet sich in Streubesitz.

www.unipapel.com

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