BusinessPartner PBS

„Die Kategorien Online und Offline verschwinden“

Wie sieht die Zukunft des Handels aus? BusinessPartner PBS sprach darüber mit Martin Tschopp. Der Deutschland-Geschäftsführer der Online-Plattform eBay will den stationären Fachhandel in Zukunft immer mehr als Partner gewinnen.

Innenansicht des Kaufraums von eBay: Showroom für die Möglichkeiten des mobilen Einkaufens
Innenansicht des Kaufraums von eBay: Showroom für die Möglichkeiten des mobilen Einkaufens

Herr Tschopp, die Handelslandschaft befindet sich in einem permanenten Wandel. Wo sehen Sie den stationären Fachhandel in den nächsten fünf Jahren?

Die mobilen Technologien verändern die Spielregeln im Handel derzeit grundlegend. Es entsteht ein völlig neues Handelsumfeld. Ein Geschäft kann heute überall dort sein, wo der Kunde es sich wünscht. Darauf muss sich der Handel einstellen. Aus unserer Sicht werden vor allem diejenigen Händler von diesen grundlegenden Veränderungen profitieren, die den neuen Technologien offen gegenüberstehen, eine durchdachte Multi-Channel-Strategie verfolgen und sich auf das veränderte Informations- und Kaufverhalten der Verbraucher einstellen. Die mobilen Technologien erfordern von den Unternehmen eine völlig neue Sichtweise auf die verschiedenen Absatzkanäle und deren Integration.

Welche Entwicklung erwarten Sie für den Online-Handel? Wird es so dynamisch weitergehen wie in den vergangenen zehn Jahren?

Wir betrachten dieses Thema ein wenig anders: Die Grenzen zwischen Online- und Offline-Handel lösen sich durch die mobilen Technologien zunehmend auf und werden irgendwann ganz verschwunden sein. Vor diesem Hintergrund macht es aus unserer Sicht immer weniger Sinn, in Kategorien wie „Offline“ oder „Online“ zu denken. Wir betrachten den Handel als Ganzes. Dabei wird es sicher so sein, dass der Teil des Handels, bei dem das Internet eine Rolle spielt, weiter deutlich zunehmen wird. Eine kategorische Trennung zwischen Online- und Offline-Handel wird allerdings nicht mehr möglich sein. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Ich bestelle eine neue Digitalkamera über das Internet und entscheide mich dazu, sie im Laden­geschäft abzuholen. Dabei kaufe ich noch ein, zwei Zubehörteile ein. Ist das Offline- oder Online-Handel? Ich denke, bald werden die Verbraucher oft selbst nicht mehr wissen, ob sie gerade online oder offline einkaufen.

Was ist denn Ihre Vision einer erfolgreichen Multi-Channel-Strategie im Facheinzelhandel?

Martin Tschopp, Deutschland-Geschäftsführer von eBay: „In den USA testen wir neue Services, bei denen man sich Waren der angeschlossenen Händler innerhalb weniger Stunden an den Ort seiner Wahl liefern lassen kann.“
Martin Tschopp, Deutschland-Geschäftsführer von eBay: „In den USA testen wir neue Services, bei denen man sich Waren der angeschlossenen Händler innerhalb weniger Stunden an den Ort seiner Wahl liefern lassen kann.“

Ich glaube nicht, dass es die eine erfolgreiche Lösung gibt. Jedes Geschäft ist individuell, und deshalb muss auch jeder Händler für sich selbst eine individuell zugeschnittene Strategie entwickeln. Ganz klar ist allerdings, dass es für Einzelhändler immer unverzichtbarer wird, eine durchdachte Multi-Channel-Strategie zu verfolgen, denn: Die Konsumenten kaufen heute schon völlig anders ein als noch vor wenigen Jahren, und das Ein­kaufs­verhalten wird sich weiter rasant verändern. Darauf müssen sich Händler einstellen. Und: Sie müssen das neue Han­dels­umfeld wirklich verstehen, um eine sinnvolle Geschäftsstrategie erstellen zu können. Sie brauchen Berater, die das Online-Geschäft detailliert kennen. Hier können Unternehmen wie eBay als Partner enorm hilfreich sein. Sie können einerseits beraten, bieten andererseits aber auch eine Vielzahl von Lösungen, die Händler bei ihrem Weg ins Netz oder auf das Smartphone enorm unterstützen können. Ganz wichtig ist beispielsweise zu verstehen, dass der Online-Handel nicht einfach eine Erweiterung des Offline-Geschäfts ist. Online funktioniert völlig anders und braucht zum Beispiel hinsichtlich Pricing und Sortiment eine völlig eigenständige Strategie. Online darf nicht als eine weitere Filiale des Einzelhandelsgeschäfts verstanden werden, sondern muss als ein völlig neuer Vertriebskanal gesehen werden.

Sie haben bei der Eröffnung des Berliner „Kaufraums“ – des ersten, temporären Showrooms – betont, eBay biete Lösungen, die auch dem stationären Handel Kunden zuführen. Wie ist das zu verstehen?

Schon heute ist es so, dass viele der Händler, die eBay zum Verkauf ihrer Waren nutzen, ursprünglich rein stationären Handel betrieben und irgendwann eBay als zusätzlichen Online-Vertriebskanal zu nutzen begonnen haben, um sich breiter und zukunftsfähiger aufzustellen. Als einer der führenden Anbieter im Mobile-Commerce bringen wird außerdem die Produkte der Händler auf die Smartphones und Tablet-PCs der Verbraucher. Wir sind groß genug, um den Betrieb und die Pflege einer Vielzahl mobiler Plattformen zusätzlich zu unserer Webseite realisieren zu können. Ebenso ermöglichen wir es den Händlern über unsere Plattform, ihre Waren grenzüberschreitend mehr als 100 Millionen potenziellen Kunden anzubieten. Dazu kommen Entwicklungen, an denen wir für die Zukunft arbeiten. Es gibt Pilotprojekte, bei denen wir die Möglichkeit testen, dass Kunden, die einen Artikel auf unserem Marktplatz gekauft haben, angeben können, dass sie diesen im Ladengeschäft des Händlers abholen möchten. Mit verschiedenen Einzelhändlern testen wir in den USA außerdem „eBay Now“, einen Service, bei dem man sich Waren der angeschlossenen Händler innerhalb weniger Stunden an den Ort der Wahl liefern lassen kann. Und PayPal unterstützt Einzelhändler mit seinen „QRShopping“- sowie PoS-Bezahltechnologien.

In der Ausgabe 7-8/12 von BusinessPartner PBS hatten allerdings Büro-Fachhändler bezogen auf Stornierungen, Zahlungsabwicklung und Verdienstmöglichkeiten einige Kritik am eingeengten Handlungsspielraum geäußert, den Plattformen wie eBay ihren Handelspartnern lassen. Wie ernst nehmen Sie diese Klagen?

Wir glauben, dass es für einen Marktplatz wie unseren wichtig ist, dass es Regeln gibt, die ein einheitlich hohes Serviceniveau für die Kunden sicherstellen. Das ist auch das, was uns von vielen unserer Händler immer wieder zurückgespielt wird. Und Tatsache ist, dass die Ansprüche der Kunden im Handel weiter steigen. Die Kunden möchten ihre Ware schnell erhalten, sie möchten sichere Bezahlmöglichkeiten nutzen und einen guten Kundenservice in Anspruch nehmen können. Dies fördern wir, wobei uns aber gleichzeitig wichtig ist, eine gute Balance zwischen den Wünschen der Käufer und den Bedürfnissen unserer Verkäufer zu halten. Ich führe dazu sehr regelmäßig ausführliche Gespräche mit unseren Händlern. Die richtige Balance zu finden, ist dabei eine tägliche Herausforderung, der ich mich aber gerne stelle. Dabei ist ganz klar: Wir möchten ein attraktiver Marktplatz und verlässlicher Partner für unsere Verkäufer sein und hören genau zu, wenn unsere Verkäufer ihre Wünsche und Bedürfnisse äußern.

www.ebay.de

Stichwort: "Kaufraum"

eBay trommelt für das „Überall-Einkaufen“

Mit einer ungewöhnlichen Meldung machte eBay in der Vorweihnachtszeit auf sich aufmerksam: In Berlin eröffnete der Onlinehändler vom 6. bis 16. Dezember vorübergehend einen stationären Laden – den so genannten „Kaufraum“. Vor allem demonstrierte eBay dort eines: eine Vielfalt an Techniken für den mobilen Handel der Zukunft. QR-Code-Etiketten auf 150 Beispielartikeln zeigten etwa, wie sich Offline- und Online-Handel verknüpfen lassen. Im angeschlossenen Café konnte man per Smartphone-App der eBay-Tochter PayPal bezahlen. Der Ausbau des mobilen Handels hat für eBay und PayPal derzeit hohe Priorität.

www.ebay.de/kaufraum

Verwandte Themen
eBay in Dreilinden bei Berlin: Viele gewerbliche Händler aus Deutschland sind auf der Plattform präsent. (Bild: eBay)
Deutsche Händler besonders engagiert weiter
eBay-Campus in Hannover: Die Online-Platform startet ein neues Programm für Verkäufer-Trainings. (Bild: eBay)
ebay will Händler fit für mehr Umsatz machen weiter
Das Erbgroßherzogliche Palais in Karlsruhe, Sitz des Bundesgerichtshofs - Foto von Joe Miletzki
eBay-Verkäufer dürfen nicht auf eigene Auktionen bieten weiter
Drei Viertel der Online-Händler nutzen digitale Marktplätze weiter
Die Mitglieder der Diepholzer Arbeitsgruppe freuen sich: (v.l) Bernd Öhlmann, Geschäftsführer Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing, Werner Zerhusen (Sporthaus Hadeler), Johanna Schmidt (städtische Wirtschaftsförderung) und Dirk Ahrens
Diepholz gewinnt Städte-Wettbewerb von HDE und eBay weiter
Screenshot der neuen 2B2-Plattform „eBay business supply“
eBay startet Marktplatz für B2B-Kunden weiter