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Kartellamt überprüft Amazon

Nach den Schlagzeilen um den Umgang mit Leiharbeitern in Deutschland ist der weltweit führende Internet-Händler Amazon jetzt auch ins Visier der hiesigen Wettbewerbsbehörden geraten. Das Bundeskartellamt überprüft die Rechtmäßigkeit von Preisauflagen für Händler.

In die Schlagzeilen geraten: Nach den Vorwürfen wegen der Behandlung von Leiharbeitern ermittelt inzwischen auch das Kartellamt wegen der Rechtmäßigkeit von Preisauflagen für Händler.
In die Schlagzeilen geraten: Nach den Vorwürfen wegen der Behandlung von Leiharbeitern ermittelt inzwischen auch das Kartellamt wegen der Rechtmäßigkeit von Preisauflagen für Händler.

Wie das Bundeskartellamt mitteilte, startete die Wettbewerbsbehörde im Februar eine Überprüfung der Klauseln von Amazon für so genannte Drittanbieter, die über die Online-Plattform ihre Produkte verkaufen. Diese Klauseln untersagen den Händlern, Produkte, die sie auf Amazon anbieten, auf anderen Internet-Plattformen wie beispielsweise eBay günstiger zu verkaufen. Mit dieser so genannten „Preisparitätsklausel“ könne der Internet-Global möglicherweise „gegen das allgemeine Kartellverbot verstoßen“, so die Wettbewerbshüter. Bei der Prüfung droht Amazon keine direkte Strafe. Die Wettbewerbsbehörde agiere nach eigenen Angaben im so genannten Verwaltungsverfahren. Falls sich eine rechtlich bedenkliche Praxis abzeichne, werde das Kartellamt auf eine Änderungen der Vertragsbedingungen drängen. Über die Amazon-Plattform sind unter anderem auch zahlreiche Büroartikelhändler aktiv.

Amazon musste bereits nach einem ARD-Beitrag über die Arbeitsbedingungen für Leiharbeiter in den Logistikzentren heftige Kritik einstecken. Die Reaktionen reichten nach einem breiten Medienecho von direkten Kundenbeschwerden bis zu ersten Stellungnahmen von Lieferanten. Darüber hinaus hatte sich auch die Politik zu Wort gemeldet. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen hatte beispielsweise Aufklärung über die Arbeitsbedingungen gefordert. „Der Verdacht wiegt schwer, deswegen müssen jetzt so schnell wie möglich alle Fakten auf den Tisch“, so die Ministerin. Im ARD-Fernsehfilm von Mitte Februar wurde insbesondere eine düsteres Bild vom Umgang mit Leiharbeitern gezeichnet. So wurde in dem Beitrag unter anderem gezeigt, wie Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma die oft aus dem Ausland stammenden Leiharbeitskräfte und das Filmteam bedrängten. Auch die Gewerkschaft Verdi wirft Amazon Deutschland schon seit Längerem vor, vor allem Saisonkräfte schlecht zu bezahlen und mit strengen Kontrollen und Überwachungen zu gängeln. Amazon selbst hat bestätigte, die Vorwürfe überprüfen zu lassen. Als erste Konsequenz trennte sich Amazon bereits von der beschuldigten Sicherheitsfirma.

Der Internet-Händler beschäftigt in Deutschland rund 7700 fest angestellte Mitarbeiter in den Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim und Koblenz. In den Spitzenzeiten vor Weihnachten werden jedes Jahr mehrere tausend weitere Saisonkräfte eingestellt, wobei man hier nach eigenen Angaben unter anderem mit externen Zeitarbeitsfirmen zusammen arbeite. Im ARD-Beitrag war gezeigt worden, wie Sicherheitsmitarbeiter zum Beispiel die Unterkünfte von in Bad Hersfeld beschäftigten Leiharbeitern durchsucht hätten.

Für Amazon ist Deutschland der umsatzstärkste Auslandsmarkt. Im vergangenen Jahr hat der E-Commerce-Player hierzulande einen Umsatz von 6,5 Milliarden Euro realisiert. Das waren 21 Prozent mehr als 2011 und sogar 65 Prozent mehr als 2010. Deutschland stand damit im vergangenen Jahr für rund 14 Prozent des weltweiten Gesamtumsatzes von knapp über 61 Milliarden Dollar. Laut allgemeinen Schätzungen kontrolliert Amazon in Deutschland rund ein Viertel des Online-Versandhandelsumsatzes.

www.amazon.de

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