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Krisen-Frage: Preise rauf oder runter?

In unserer März-Ausgabe berichtete Claus Meister, wie die Preise von Handelsunternehmen automatisiert ausgewertet werden können. Diese Aktion wurde jetzt erneut durchgeführt – mit teilweise überraschenden Ergebnissen.

Claus Meister ist Geschäftsführer Eisenwerk Würth GmbH. Mit seinem Unternehmen IntelliCaT führt er unter anderem Preis- und Wettbewerbsanalysen in der PBS-Branche durch.
Claus Meister ist Geschäftsführer Eisenwerk Würth GmbH. Mit seinem Unternehmen IntelliCaT führt er unter anderem Preis- und Wettbewerbsanalysen in der PBS-Branche durch.

Claus Meister ist Geschäftsführer Eisenwerk Würth GmbH. Mit seinem Unternehmen IntelliCaT führt er unter anderem Preis- und Wettbewerbs-analysen in der PBS-Branche durch.Wie in der März-Ausgabe bereits dargestellt, ist es für Hersteller und Händler in der PBS-Branche von Interesse, wie die Leitprodukte der Branche von den Markt­führern im Handel preislich positioniert werden. Ob als Hersteller für Listungsge­spräche oder als im Wettbewerb stehender Händler für die Erstellung des eigenen Katalogs und die Verpreisung von Sonderangeboten – der Blick auf die Internet-Preise der Top-Vertreiber lohnt immer. Mit den Werkzeugen von IntelliCaT und PBS Consulting lässt sich dies automatisiert tun – und es lassen sich Zeitreihen aufbauen, die zeigen, wie und wann auf Marktveränderungen reagiert wird. Im Zeichen der Wirtschaftskrise 2009 ist eine solche Zeitreihe besonders interessant – Preise rauf oder runter in der Krise? (In den nachfolgenden Warenkorb-Tabellen sind Preisreduzierungen grün, Preiserhöhungen rot markiert.)

Preise rauf, heißt zumindest die Antwort von Viking. Im Vergleich zur Auswertung am Jahresanfang wurden bei zehn der abgefragten Top-Seller der Branche die Preise erhöht. Preislich reduziert wurden nur die beiden HP-Produkte – vielleicht weil man entdeckte, dass man zu weit vom Marktpreis entfernt lag? In der Januar-Auswertung hatte Viking hier die höchsten Preise. Immer noch im Schnitt am günstigsten kauft man bei Otto Office. Preissenkungen und -erhöhungen halten sich die Waage. Kopierpapier gibt’s als „Jubiläumsangebot“ zum halben Marktpreis, den Kolleg-Block im Sparset. Weniger günstig: Ordner der Eigenmarke „Classic“ und die beiden HP-Produkte – hier wurden die Preise auf Spitzenwerte erhöht.

Mehr als die Hälfte aller Artikel mit Preisänderungen seit Jahresanfang
Mehr als die Hälfte aller Artikel mit Preisänderungen seit Jahresanfang

Mehr als die Hälfte aller Artikel mit Preisänderungen seit JahresanfangStaples – mit anderer Kunden-Zielgruppe – bietet preisliches Mittelfeld. Erhöhungen und Reduzierungen sind zahlreich, halten sich jedoch die Waage. Im Drucker-Bereich wurde teilweise kräftig nach oben angepasst.

Bei Printus blieb immerhin die Hälfte der abgefragten Artikel im Preis konstant. Preisführer ist man selten – vom Anspruch ist dies die Schwesterfirma Office Discount, die übrigens mit den identischen Artikelnummern arbeitet. Bestellt man dort mit diesen identischen Nummern, erhält man bei Bürobedarf meist tiefere Preise – kann aber für Drucker und Druckerzubehör durchaus auch zehn Prozent mehr bezahlen. Völlig unspannend verlief die Abfrage bei Office XL. Gegenüber Januar waren alle Artikel bis auf eine Neulistung von Bong-Briefhüllen unverändert. So kann man am Ende auch zu einer Preisführerschaft kommen – wer sitzen bleibt, wenn alle erhöhen, ist am Ende Preisführer (HP Nr. 45).

Printus-Warenkorb: vieles unverändert
Printus-Warenkorb: vieles unverändert

Printus-Warenkorb: vieles unverändertZum Abschluss einige generelle Bemerkungen zur Preispolitik. Für absolute Leitartikel der führenden Hersteller gibt es nahezu identische Preise. Überlebt hier ein Rest des einstmaligen „empfohlenen Verkaufspreises“? In der Abfrage galt dies für den „Leitz 1080“, den „Stabilo Boss“ sowie den „Point 88“. Aus der Rolle fiel der „Edding 3000“ mit verschiedenen kurzfristigen Sonderpreisen. Wilde Ausschläge und Differenzen finden sich dagegen laufend bei Massenartikeln ohne Markenprofil. Abgefragt wurden hier Briefhüllen und Kopierpapier. Dieses Sortiment wird ständig mit Sonderangeboten und Bundles neu bepreist. Auch bei der Ordner-Eigenmarke – zwischen 1 Euro und 1,60 Euro angesiedelt – wird immer wieder an der Preisschraube gedreht: Man findet befristete Palettenpreise oder Sonderpakete, gerne mit Dreingabe als „Super-Schnäppchen“ etikettiert, im Falle Staples sogar zeitweise ein Tiefstpreis-Angebot für 0,79 Euro mit einer Mengenbegrenzung auf maximal 240 Stück pro Einkauf. In jedem Fall lohnend ist ein Vergleich bei Drucker und Druckerzubehör. Hier hat sich mit der Auswertung im Halbjahres-Abstand gezeigt, dass auch bei Top-Sellern ganz unterschiedliche Preisanpassungsstrategien gefahren werden.

Viking-Warenkorb: Preise hoch als Krisenrezept? (l.). Otto Office-Warenkorb: immer noch die meisten Tiefstpreise (r.).
Viking-Warenkorb: Preise hoch als Krisenrezept? (l.). Otto Office-Warenkorb: immer noch die meisten Tiefstpreise (r.).

Viking-Warenkorb: Preise hoch als Krisenrezept? (l.). Otto Office-Warenkorb: immer noch die meisten Tiefstpreise (r.).Staples-Warenkorb: Preiserhöhungen im Druckerbereich (l.). OfficeXL-Warenkorb: konstante Preise (r.)Auf die Schlüssel-Sortimente von Herstellern und Händlern angepasst, lassen sich automatisiert mit wenig Aufwand und für überschaubare Beträge individuelle Analy­sen erstellen, die den Markt für die eigene Preisgestaltung transparent machen.

www.intellicat.de

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