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Quo vadis Fachhandel?

Die Anforderungen an den Handel, ob in puncto Drucken und Kopieren oder beim Thema Büroeinrichtung, wachsen. Der Bundesverband Bürowirtschaft (BBW) lud deshalb Anfang Oktober zur 38. Arbeitstagung in die Koelnmesse.

Zwei Tage lang drehte sich im Congress Centrum Nord der Koelnmesse alles um aktuelle Themen für Bürotechnik- und Büromöbelspezialisten.
Zwei Tage lang drehte sich im Congress Centrum Nord der Koelnmesse alles um aktuelle Themen für Bürotechnik- und Büromöbelspezialisten.

Zwei Tage lang drehte sich im Congress Centrum Nord der Koelnmesse alles um aktuelle Themen für Bürotechnik- und Büromöbelspezialisten.Unter dem Motto „Branchenwandel durch Technik – Folgen für Unternehmen und Mitarbeiter“ adressierte der erste Tag Handel und Industrie aus dem Drucker- und Kopierer-Umfeld. Am Folgetag standen unter dem Motto „Menschen bewegen – Gebäude und Einrichtung als Erfolgsfaktor“ Themen für Büroeinrichter auf der Tagesordnung. „Heute stehen ,knallharte Inhalte‘ auf der Agenda“, begrüßte BBW-Geschäftsführer Thomas Grothkopp die rund 140 Teilnehmer am ersten Veranstaltungstag. Neben dem Thema Finanzierung ging es auch um Entwicklungen bei Technik und Personal. Den Einstieg in die Veranstaltung übernahm der Geschäftsführer der Computer Compass Gruppe Dirk Henniges, der mit seinem Resümee zur Arbeitstagung Druck und Kopie vor zwei Jahren einen wichtigen Anknüpfungspunkt schuf.

„Wer glaubt, Finanzdienstleister könnten Messiasleistungen erbringen, irrt“, weiß Rainer Pietschmann, Handlungsbevollmächtigter des Eschborner IT-Finanzierers BFL Leasing.
„Wer glaubt, Finanzdienstleister könnten Messiasleistungen erbringen, irrt“, weiß Rainer Pietschmann, Handlungsbevollmächtigter des Eschborner IT-Finanzierers BFL Leasing.

„Wer glaubt, Finanzdienstleister könnten Messiasleistungen erbringen, irrt“, weiß Rainer Pietschmann, Handlungsbevollmächtigter des Eschborner IT-Finanzierers BFL Leasing.Zukunftsrelevant, wenngleich wenig erfreulich, ist die Neufassung des Kreditwesengesetzes (KWG), die nach wie vor die Fachhändler beschäftigt. Nach der Änderung des KWG sind Finanzierungsleasinggeschäfte erlaubnispflichtig, und Händler müssen diese bis Ende des Jahres der BaFin anzeigen. „Wer glaubt, Finanzdienstleister könnten Messiasleistungen erbringen, irrt“, sagte Rainer Pietschmann, Handlungsbevollmächtigter des Eschborner IT-Finanzierers BFL Leasing. In seinem Vortrag „Finanzierung unter neuen Vorzeichen“ klärte er darüber auf, welche Vorschriften Händler zu beachten haben. „Nach wie vor fällt die Klärung, welche Verträge als Finanzierungsleasing gewertet werden, schwer.“

Schließlich gebe es keine gesetzliche Definition, lediglich einen Katalog mit Merkmalen. Klarheit, ob die Mietverträge des Handels als Finanzierungsleasing gelten oder nicht, gebe nur die Bafin. Falle nur ein einziger Vertrag unter den Tatbestand des Finanzierungsleasings, sei der gesamte Vertragsbestand „infiziert“. Auch eine aufwendige rückwirkende Übertragung an einen Finanzierungspartner biete keine endgültige Rechtssicherheit und bedürfe zudem der Zustimmung des Kunden, so der Experte. Besser sei es, die Altverträge zu behalten, diese anzuzeigen und die Bafin über die sofortige Einstellung des Leasinggeschäftes zu informieren. Bei der Kooperation mit einem Finanzdienstleister sei es zudem wichtig darauf zu achten, dass dieser die relevanten Vertragsmodelle, ausreichenden Kundenschutz sowie Kontinuität in seiner Strategie biete.

Fand kritische Worte für die Änderungen des KWG: Hermann Kaiser, Geschäftsführer des Ansbacher Fachhandelsunternehmens Kaiser Bürotechnik und Vorstandsvorsitzender des Büroring
Fand kritische Worte für die Änderungen des KWG: Hermann Kaiser, Geschäftsführer des Ansbacher Fachhandelsunternehmens Kaiser Bürotechnik und Vorstandsvorsitzender des Büroring

Fand kritische Worte für die Änderungen des KWG: Hermann Kaiser, Geschäftsführer des Ansbacher Fachhandelsunternehmens Kaiser Bürotechnik und Vorstandsvorsitzender des BüroringAuch Hermann Kaiser, Geschäftsführer des Ansbacher Fachhandelsunternehmens Kaiser Bürotechnik, beschäftigt sich intensiv mit dem Thema. In seinem Vortrag „Der Wert von Kooperationen im technikorientieren Fachhandel“ hob der Aufsichtsratvorsitzende des Büroring nicht nur Bedeutung und Chancen von Kooperationen hervor, sondern kritisierte die Änderungen beim KWG. Man dürfe nicht vergessen, dass der Mittelstand nicht nur zahlreiche Ausbildungsplätze schaffe, sondern auch 94 Prozent des Steueraufkommens stelle, findet Kaiser. Er könne nicht verstehen, dass die BaFin einen Unterschied zwischen Herstellern und Handel mache, denn auch im Handel diene das Leasinggeschäft der Absatzförderung. Die Regelung sei somit ganz eindeutig eine „Diskriminierung des Mittelstandes“. Der Handel solle selbstbewusst nach außen auftreten und sich dies nicht gefallen lassen.

Wie das Problem, das auch die Gespräche in den Pausen dominierte, letztlich gelöst wird, bleibt ungeklärt. Die BaFin hatte auf Anfrage des BBW im September auf einen Ermessensspielraum verwiesen. Auch zur Veranstaltung wollte keiner der BaFin-Verantwortlichen erscheinen. Des Themas angenommen haben sich indes auch die Fachhandelskooperationen, die die unklare Gesetzeslage nicht nur öffentlich kritisieren, sondern beispielsweise durch die Prüfung von Musterverträgen versuchen, ihre Mitglieder zu unterstützen. Über den Hauptverband des Deutschen Einzelhandels hat der BBW im Oktober eine weitere eine Anfrage an Politik und Verwaltung gerichtet. Eine Antwort steht aus – die Unsicherheit jedoch bleibt.

Rund 140 Teilnehmer aus Handel und Industrie kamen zum ersten der beiden Veranstaltungstage.
Rund 140 Teilnehmer aus Handel und Industrie kamen zum ersten der beiden Veranstaltungstage.

Rund 140 Teilnehmer aus Handel und Industrie kamen zum ersten der beiden Veranstaltungstage.Der zweite Themenblock widmete sich entsprechend dem Tagungsmotto „Branchenwandel durch Technik“ dem Thema Entwicklungen bei Personal und Technik. Gerade in puncto Technologie zeichnet hier der ein oder andere düstere Prognosen. Übersättigung der Märkte, Preisverfall und rückläufige Absatzzahlen berechtigen die Frage: Wie entwickelt sich der Fachhandel, und welche Technologie wird marktbestimmend sein? Als Referenten hierzu hatte der BBW Kyocera-Vertriebsdirektor Dietmar Nick und Christoph Lubinus, Leiter Marketing Business Produkte bei Epson, eingeladen. Es gebe viele Argumente für Tinte im Office-Umfeld, erklärte Lubinus. Dennoch: Beide Technologien hätten Vor- und Nachteile und würden sich auch in Zukunft ergänzen, glaubt der Epson-Manager. „Modernes Drucken und Kopieren sei nicht technologieabhängig“, meint auch Nick. Im Vordergrund stehe vielmehr der Nutzen der Geräte. „Die Zeit des Schraubens, des Ölkännchens ist vorbei“, weiß der Vertriebsdirektor. Wichtiger werden die Fähigkeiten der Mitarbeiter, die sich zunehmend mit IT-Lösungen und Netzwerkintegration befassen müssen. In diesem Rahmen werde vor allem Qualifizierung und Weiterbildung wichtiger. Anhand von bueroboss.de/kassebeer stellte der technische Leiter des Northeimer Fachhandelsunternehmens Michael Brandt sein Konzept zur Mitarbeiter- und Teamentwicklung im technischen Service vor. Das Konzept reicht von der Feststellung des Ausbildungsstandes, dem Planen der Weiterbildung mit bestimmten Zielvorgaben bis hin zur Klassifizierung der Techniker in verschiedene Gruppen. Dabei ist auch die Entlohnung der Techniker den Fähigkeiten angepasst. Ziel des Konzepts sei es, die Mitarbeiterentwicklung transparent, fair und leistungsbezogen zu gestalten. Auch das Thema Servicemanagement bietet Potential für den Handel. „Wir müssen alle Chancen nutzen“, findet Friedrich Resin. In seinem Vortrag „Transparenz im Servicemanagement“ erläuterte der Fachhändler, wie sich mit geschickten Stellschrauben Servicekonzepte und -prozesse optimieren lassen, die Produktivität der Techniker erhöht und gemessen werden und wie der Handel durch die Erweiterung des Service-Angebots, die Preisgestaltung von Dienstleistungen sowie eine optimierte Vertragsgestaltung punkten kann.

Etwas theoretischer verlief am Folgetag die Veranstaltung für Büroeinrichter und -planer. Unter anderem stellten drei Manager aus ganz verschiedenen Unternehmen vor, wie sie, neben anderen Maßnahmen, über eine neugestaltete Büroeinrichtung erfolgreich Veränderungsprozesse in ihren Unternehmen angestoßen haben. Gerade für Büroeinrichter – so ein Fazit der Tagung – böten solche Veränderungen in Betrieben gute Chancen auf ein Geschäft.

Einen vollständigen Bericht über den zweiten Tag der BBW-Arbeitstagung finden Sie in der kommenden Ausgabe von BusinessPartner PBS.

www.bbw-online.de

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