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Anforderungen aktiv begegnen

Im fünften und letzten Teil seiner Artikelserie „PBS-Branche im Strukturwandel ­– steigende Anforderungen an den Händler” beschäftigt sich Unternehmensberater Frank Stelzer mit Basel II und der Unternehmens-Finanzierung.

Kaum schien sich die angespannte Situation in der Mittelstandsfinanzierung beruhigt zu haben, lässt die aktuelle Hypothekenkrise neue Ängste aufkommen. Werden die Banken bei der Kreditvergabe an Unternehmen des Mittelstandes wieder vorsichtiger? Als die Banken vor etwa fünf Jahren, verunsichert durch die neuen Eigenkapitalvorschriften Basel II, eine äußerst restriktive Kreditpolitik gegenüber mittelständischen Unternehmen führten, hatten nur Unternehmen mit solider Eigenkapitalausstattung und guter Bonität keine Probleme bei der betrieblichen Finanzierung.

Bonitätsstarke Unternehmen werden auch vor dem Hintergrund der aktuellen Bankenkrise Kredite zu vernünftigen Konditionen erhalten.

Diplombetriebswirt Frank Stelzer ist Gesellschafter der Firma Stelzer & Partner Unternehmensberater in Altötting.
Diplombetriebswirt Frank Stelzer ist Gesellschafter der Firma Stelzer & Partner Unternehmensberater in Altötting.

Diplombetriebswirt Frank Stelzer ist Gesellschafter der Firma Stelzer & Partner Unternehmensberater in Altötting.Für weniger bonitätsstarke und Unternehmen mit geringer Eigenkapitalquote gibt es aber durchaus Anlass zur Sorge. Es ist zu erwarten, dass diesen Unternehmen künftig nicht mehr so leicht Kredit gewährt und die Bonität strenger geprüft wird. Das Risiko im Kreditgeschäft wird seitens der Banken höher bewertet werden. Dieser Aufschlag als Risikoprämie bei der Kreditvergabe wird die Finanzierungen verteuern. Für die bonitätsschwachen Unternehmen werden Kredite teurer und im schlimmsten Fall unzugänglich. Nicht nur bei klassischen Krediten wird es zu Vergabeengpässen kommen – die Einflüsse auf die Mittelstandsfinanzierung werden tiefgreifender sein. Beispielsweise werden Private-Equity-Unternehmen eigenkapitalähnliches Equity Mezzanine in Form von Genussscheinen, Genussrechten oder stillen Beteiligungen nicht mehr so rege geben, da es für die Private-Equity-Geber aufgrund der Finanzkrise schwieriger wird, die Investition zu refinanzieren.

Die Kreditinstitute rechnen das Mezzanine in der Regel dem wirtschaftlichen Eigenkapital zu, da es die potenziell verfügbaren Sicherheiten nicht schmälert. Dies bedeutet, dass nach Einbringung von Mezzanine die Kreditlinie erhöht werden kann. Allerdings erhalten Unternehmen mit einer niedrigen Eigenkapitalquote aufgrund der strengen Kriterien bei der Mezzanine-Vergabe nur selten Mezzanine-Kapital. Mezzanine ersetzt somit kein fehlendes Eigenkapital, sondern kann nur bestehendes ergänzen. Da Private-Equity-Geber ihr Investitionsengagement also eher zurückschrauben werden, sind zum Beispiel bei Unternehmenssanierungen die Banken wieder mehr in die Pflicht genommen.

Für die kleinen und mittleren Unternehmen des Mittelstandes wird der klassische Bankkredit auch zukünftig das Hauptfinanzierungsmittel sein. Basel II wurde vor einigen Jahren entwickelt, um eine adäquate Eigenkapitalunterlegung bei Banken in Anbetracht eines erhöhten Risikos im Kreditgeschäft zu gewährleisten. Nach den neuesten Entwicklungen im weltweiten Bankensystem und der immer weitere Kreise ziehenden Hypothekenkrise, die in den USA ihren Anfang nahm, gewinnt das Thema Basel II bzw. Absicherung von Kreditausfallrisiken eine neue Dynamik.

Vor dem Hintergrund der aktuell wieder deutlich gestiegenen „Sensibilität“ der Kreditinstitute bei der Bewertung von Kreditausfallwahrscheinlichkeiten wird es zukünftig noch mehr darauf ankommen, wie sich die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Kreditinstitut gestaltet.

Wir haben für Sie wesentliche Aspekte einer erfolgreichen Zusammenarbeit mit Ihrer Hausbank zusammengestellt und zeigen auf, wie Sie beim Rating Bewertungspunkte gut machen können. Denn die Banken legen nicht nur Wert auf „hard facts“ (Kennzahlen aus Bilanz und G.u.V.);

sondern auch auf Transparenz, ein gutes Konzept und noch immer auf Vertrauen – die sogenannten „weichen Faktoren“.

Basel II und die derzeit aktuelle Bankenkrise erfordern einen sensiblen und umsichtigen Umgang mit den Banken, aber Sie können dies zu Ihrem Vorteil nutzen, indem Sie sich den gestiegenen Anforderungen aktiv stellen.

Wichtige Aspekte der Zusammenarbeit im Überblick 1. Aktuelles Datenmaterial zur Verfügung stellen Sie sollten folgende Daten zeitnah unaufgefordert zur Verfügung stellen:

• der aktuelle Jahresabschluss, • Jahresplanung des laufenden Geschäftsjahres mit monatlicher oder quartalsweiser Soll/Ist-Auswertung, • eventuell Jahresplanung für das kommende Geschäftsjahr. Benötigt Ihr Banker auch mal unterjährig Informationen oder Sie zum Beispiel kurzfristig eine Erweiterung der Kreditlinie, ist es wichtig, dass Sie aktuelles Datenmaterial schnell zur Verfügung stellen können. Somit empfiehlt es sich, wichtige Unterlagen griffbereit zu haben und regelmäßig zu aktualisieren.

2. Vorab informieren anstatt lediglich auf Anfrage

Zwischen Ihnen und Ihrer Bank sollte eine laufende Kommunikation stattfinden. Informieren Sie Ihren Banker zuverlässig über Veränderungen im Betrieb, geplante Investitionen, aber auch über negative Planabweichungen! Erläutern Sie Ihre Maßnahmen, mit denen Sie den Planabweichungen begegnen werden.

3. Über die „weichen Faktoren“ in Ihrem Betrieb informieren

Den so genannten „weichen Faktoren“ wird seitens der Banken eine große Bedeutung zugeschrieben. Ihre Bank möchte Bescheid wissen über: • Ihre Betriebsführung (Aufbau- und Ablauforganisation, Nachfolgeregelung, Risikomanagement);

• die Entwicklung Ihres Unternehmens (Strategie, Märkte, Branche, Produkte) • sowie über Ihre Unternehmensvision und langfristigen

Ziele. 4. Zielerreichung realisieren und Hartnäckigkeit zeigen

• Unternehmerische Ziele sollten detailliert und realistisch festgelegt sein. • Die zur Zielerreichung notwendigen Maßnahmen und Aktivitäten sollten definiert sein. • Vereinbarte Ziele sollten auch erreicht werden. Zeigen Sie, dass Sie über Ausdauer, Flexibilität und Kontinuität verfügen. Nur so können Sie langfristig den Erfolg und die Existenz Ihres Unternehmens sichern!

www.stelzerundpartner.de

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