BusinessPartner PBS

Führungsqualität ist gefragt

Viele Unternehmen sind selbst für ihre Insolvenz verantwortlich, hat unser Autor Rolf Steffen beobachtet. Als Vorstand des Weiterbildungsinstituts Team Steffen AG in Alsdorf bei Aachen ist er nah an der täglichen Praxis.

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2010 auf rund 16 500 gestiegen. Auch die Industrie- und Handelsbranche kämpft immer wieder um stabile Zahlen und Erfolg. Laut dem Institut der Deutschen Wirtschaft Köln ist die Wirtschaft aber nachweislich robuster, als es dieser Anstieg vermuten lässt. Was sind also die wahren Gründe? Ist es wirklich die wirtschaftliche Lage, die die Unternehmen in die Knie zwingt? Oder sind es die Mitarbeiter, die zu wenig motiviert sind? Ich sage zu beidem ganz klar „Nein“. Der wahre Grund für Deutschlands Wirtschaftsmisere: Es mangelt an der Qualität der Unternehmensführung.

„Unsere Mitarbeiter sind unser wertvollstes Gut“ – ein Satz, den wohl jeder Unternehmer und jede Führungskraft schon einmal ausgesprochen hat. Gesagt heißt aber nicht unbedingt getan. Nervös werden Unternehmer meistens dann, wenn die Mitarbeiter beginnen, zu viele Zusammenhänge, Zahlen und Fakten zu hinterfragen. Eine regelmäßig stattfindende Online-Umfrage der „Uptodate-Offensive“ in der deutschen Handwerksbranche belegt, dass die meisten Mitarbeiter weder die Kosten, das Verhältnis von Umsatz und Gewinn, noch die Ziele ihres Unternehmens kennen. Doch auch über das Handwerk hinaus beweisen zahlreiche Aussagen von Unternehmern und Managern, dass mangelnder Informationsfluss und unzureichendes Vertrauen in die Mitarbeiter oft vorherrschen.

Wenn aber Mitarbeiter die ideelle und finanzielle Entwicklung des Unternehmens nicht kennen, sinkt ihre Motivation, weil sie nicht wissen, wofür sie eigentlich arbeiten. Studien zur Mitarbeitermotivation zeigen immer wieder, dass diese an allererster Stelle das Verlangen haben, die Ziele ihres Unternehmens zu kennen. Dieser Wunsch wird deutlich häufiger genannt als der nach besserer Bezahlung. Rund drei Viertel würden sogar private Zeit investieren, um mehr über Ziele und Strategien zu erfahren.

Viele Unternehmer möchten sich nicht in die Karten schauen lassen oder haben keine Zeit, ihren Mitarbeitern

die betriebswirtschaftliche Lage des Unternehmens verständlich zu machen. Die Folge ist, dass Mitarbeiter die Gewinnsituation des Unternehmens drastisch überschätzen. Woher aber sollen Mitarbeiter ein Gefühl für die Höhe des Unternehmensgewinns erhalten, wenn ihnen der nötige Input dazu fehlt? Obwohl die meisten Unternehmer um diese Fehleinschätzung wissen, ändern sie nichts daran.

Damit Mitarbeiter stets motiviert zum Unternehmenserfolg beitragen, muss erstens die Tätigkeit Spaß machen, zweitens das Betriebsklima und drittens das Gehalt stimmen. Diese Faktoren werden entweder durch Anreize von außen gesteigert oder durch den inneren Antrieb vom Mitarbeiter selbst hochgehalten.

Motivieren Sie Ihre Mitarbeiter

Alle Überlegungen, seine Mitarbeiter für die tägliche Arbeit zu motivieren, führen letztendlich zu einem Punkt: dem guten alten Geld. Finanzielle Anreize sind nach wie vor diejenigen Motivatoren, die am schnellsten Wirkung zeigen. Eine sehr effiziente Lösung ist ein Gewinnbeteiligungssystem, das die Mitarbeiter je nach Position und Verantwortungsbereich prozentual und regelmäßig am Unternehmensgewinn beteiligt. In der Krise und oftmals auch unmittelbar danach geben Unternehmen jedoch an, keine Prämien oder andere „Motivationszulagen“ zahlen zu können. Und genau dort beginnt der Teufelskreis, der dazu führt, dass es vielen Wirtschaftszweigen schlecht geht und Unternehmen Menschen entlassen müssen. In schwierigen Zeiten sind Mitarbeiter darauf angewiesen, sich ihre Freude an der Arbeit selbst zu erarbeiten und laufen schnell Gefahr, ihre Motivation zu verlieren. Diesen Teufelskreis müssen Unternehmen durch ein konstantes Gewinnbeteiligungssystem durchbrechen, so dass sie nicht an ihren Mitarbeitern sparen.

Um Mitarbeitern gerecht zu werden und diese zu motivieren, haben Unternehmen auch zahlreiche andere Möglichkeiten: Regelmäßige, offene Kommunikation auf allen Ebenen, Transparenz über Umsätze, Kosten und Gewinne, das Übertragen von Verantwortung statt Aufgaben und ein gemeinsames Unternehmensziel – ein Ziel, an dessen Entwicklung alle Mitarbeiter mitwirken. Ganz konkret können Unternehmer zum Beispiel ein monatliches Zahlen-Daten-Fakten-Frühstück für alle Mitarbeiter einführen. Dabei sollten sie auch alle Zahlen auf den Tisch legen. Umsätze, Ausgaben, Gewinne, geplante und nicht vorhersehbare Kosten.

Führen bedeutet nicht nur Einstellen und Aufgaben vergeben. Führung findet vor allem auf der menschlichen Ebene statt. Mitarbeiter, die ihr Herzblut investieren und hinter dem stehen, was sie tun, tragen automatisch und langfristig zum Unternehmenserfolg bei. Mitarbeiter, die gut informiert sind, können gar nicht anders als Verantwortung zu übernehmen. Unternehmen und Führungskräfte müssen nur den Kreislauf in Gang bringen. Das Rad des Erfolgs dreht sich dann von selbst.

Rolf Steffen, Vorstand der Team Steffen AG aus Alsdorf bei Aachen, hat sein Handwerksunternehmen in den letzten Jahren zu einem der größten Weiterbildungsinstitute der Branche ausgebaut. Auf Basis der eigenen Erfahrungen entwickelten die Gebrüder Steffen die „Uptodate-Offensive“, ein ganzheitliches Management-Modell. 2009 wurde die Team Steffen AG als „Exzellente Wissensorganisation“ vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie ausgezeichnet. Im gleichen Jahr rief Rolf Steffen gemeinsam mit seiner Frau Karin die „Initiative für mehr Wertschätzung“ ins Leben.

Das Buch „Erfolgreiche Teamführung im Handwerk – Zielorientiert führen, Begeisterung schaffen, Leistungen fair beurteilen“ von Rolf Steffen und Gunnar Johannsen ist im Genter Verlag erschienen (228 Seiten, 48 Euro).

www.mehr-wertschätzung.de

www.uptodate-offensive.de

www.steffen.de

Verwandte Themen
Um eine Fahrzeugflotte kostenoptimiert zu betreiben, gilt es auch, die passende Finanzierung zu wählen.
Viele Einsparpotenziale im Fuhrpark noch ungenutzt weiter
Shela Fletcher (Office Depot Europe), Johanna Jigmo-Linde (Staples Europe), Matthias Schumacher (tesa)
Die Wettbewerber an einen Tisch geholt weiter
Eindrucksvolle Dimension: die Erweiterungen am Durable-Logistikstandort in Iserlohn-Sümmern
Durable investiert in die Logistik weiter
Die Paperworld Frankfurt wird konkret weiter
Die Wahl zum „Branchengesicht 2014“ startet weiter
Gute Branchenzahlen, neue Herausforderungen weiter