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Vom Warnhinweis zum Qualitätssiegel

Für neun von zehn Konsumenten ist „Made in Germany“ ein wichtiges Kaufargument. Das ergab eine aktuelle Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers. Die geplante EU-Verordnung sorgt jedoch für Verunsicherung.

Die Bezeichnung „Made in Germany“ hat sich längst von einem reinen Herkunftsnachweis zu einer Weltmarke weiterentwickelt. Das ist vielen Verbrauchern inzwischen sogar wichtiger als der Hersteller oder die Marke eines Produkts. „Würde die Herkunftsbezeichnung entfallen, würden über 40 Prozent der Konsumenten zu vergleichbaren Produkten mit einem alternativen Qualitätssiegel wechseln,“ ist Dr. Peter Bartels, PwC-Vorstandsmitglied und Leiter des Bereichs Familienunternehmen und Mittelstand, überzeugt.

80 Prozent der Konsumenten verbinden mit der Bezeichnung „Made in Germany“ beste Qualität.
80 Prozent der Konsumenten verbinden mit der Bezeichnung „Made in Germany“ beste Qualität.

Das war nicht immer so. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert versuchte sich Großbritannien vor minderwertigen Produkten aus Deutschland und anderen europäischen Ländern zu schützen, indem das englische Parlament beschloss, dass auf allen Waren das Herkunftsland klar erkennbar sein müsse. Da dies häufig Waren aus Deutschland betraf, wurde „Made in Germany“ zum Synonym für minderwertige und billige Artikel. Doch im Laufe der Jahre wendete sich das Blatt: Inzwischen steht „Made in Germany“ in den meisten Fällen für Qualität.

Entsprechend kommt vielen die geplante EU-Verordnung ungelegen. Die Befürchtung der Experten ist, dass sie Verbraucher verunsichert und Unternehmen belastet. Der repräsentativen Befragung von PwC zufolge rechnet rund jeder dritte mittelständische Betrieb in Deutschland mit Umsatzverlusten, sollte er das Siegel künftig nicht mehr verwenden können. Der Verordnungsentwurf sieht vor, dass in der EU nahezu alle Verbraucherprodukte eine Herkunftsbezeichnung tragen müssen. Die Regeln zur Bestimmung des Herkunftslandes sollen sich nach den einheitlichen Zollvorschriften des Binnenmarktes richten. Bislang legt jeder EU-Staat selbst fest, welche Kriterien Produkte aus inländischer Erzeugung erfüllen müssen.

Für Unternehmen könnte die Verordnung aus mehreren Gründen teuer werden. Mehrkosten kommen zwangsläufig auf die Betriebe zu, die ihre Produkte bislang ohne Herkunftsbezeichnung verkaufen, dies aber künftig nicht mehr dürfen. Auf der Verliererseite dürften zudem Unternehmen stehen, die nach den geltenden Regeln das Label „Made in Germany“ führen, die geforderten Herkunftsnachweise aber nicht erbringen können. Eine Zusatzbelastung ist die verpflichtende Anwendung der Zollvorschriften auch für die Betriebe, die ihre Produkte gar nicht exportieren. 60 Prozent der befragten Unternehmen rechnen damit, dass vor allem kleinere Betriebe, die oft überwiegend oder ausschließlich in Deutschland für den deutschen Markt produzieren, durch die Verordnung geschwächt werden. Auch vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) kommt Kritik an dem Vorhaben der EU, die Kriterien für das Herkunftssiegel „Made in Germany“ zu verschärfen. „Die EU würde das Qualitätsmerkmal ‚Made in Germany‘ als weltweit erfolgreiches Markenzeichen der deutschen Unternehmen ohne Not aufgeben“, befürchtet Stefan Mair, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung.

Mitte April hat das Europaparlament dafür gestimmt, das Label „Made in Germany“ zur Pflicht werden zu lassen. Eine Änderung ist dennoch vorerst nicht in Sicht: Notwendig ist die Zustimmung der Mitgliedstaaten. Bisher haben sich von den 28 EU-Ländern aber 16 gegen eine Änderung ausgesprochen.

www.pwc.de

www.bdi.eu

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