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Mehr als nur Durchschnitt

Nachhaltigkeit heißt „kreative Zerstörung“ oder Verdrängung nicht-nachhaltiger Produkte durch überzeugendere Angebote. PBS-Hersteller, die sich langfristig ausrichten, kommen an dem Thema nicht mehr vorbei, haben auch die Mitglieder des Office Gold Club erkannt.

Stefan Schaltegger, Universität Lüneburg
Stefan Schaltegger, Universität Lüneburg

„Nachhaltiges Unternehmertum in der PBS-Branche bedeutet, nachhaltigere Produkte so attraktiv anzubieten, dass niemand mehr auf die Idee kommt, etwas anderes nachzufragen.“ Professor Dr. Stefan Schaltegger ist Leiter des „Centre for Sustainability Management“ an der Universität Lüneburg und einer der wichtigsten Nachhaltigkeitsexperten in Deutschland. 2003 hat er den weltweit ersten MBA für „Sustainability Management“ eingeführt. Immer öfter senden Arbeitgeber ihre Führungskräfte nach Lüneburg, um diese dort im Nachhaltigkeitsmanagement ausbilden zu lassen.

Schaltegger sagt: „Nachhaltiges Unternehmertum ist der Prozess der ‚kreativen Zerstörung‘ oder Verdrängung von nicht-nachhaltigen Produkten, Prozessen und Unternehmen durch das überzeugende Angebot von nachhaltigeren Produkten und Dienstleistungen.“ Im Optimalfall dränge eine Öko-Limonade einen Anbieter von überzuckerter und mit künstlichen Farbstoffen versehener Chemiebrause aus dem Markt. Nachhaltige Produkte sind jene, die demnach Nicht-Nachhaltiges obsolet und unattraktiv machen.

Für Unternehmen der PBS-Branche sieht Schaltegger dabei viele Ansatzpunkte: „Holzherkunft, Farben, Chemikalien, Recycling, Mehrfachnutzung und Energieverbrauch sind naheliegende Umweltthemen. Inzwischen gibt es aus einer technischen Sicht auch oberflächlich gesehen keine Gründe mehr, anderes Druckerpapier als Recyclingpapier zu verwenden.“

Sonja Stumpf, Henkel
Sonja Stumpf, Henkel

Umweltauswirkungen reduzieren, dennoch wachsen

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen werden im Jahr 2050 rund neun Milliarden Menschen auf der Erde leben. Gleichzeitig führt die weltweit zunehmende Wirtschaftsleistung zu steigendem Konsum und Ressourcenbedarf. Somit wird sich der Druck auf die verfügbaren Rohstoffe in den kommenden Jahren verschärfen. Für Wirtschaftsunternehmen ergibt sich daraus die Pflicht, sorgsam mit den vorhandenen Beständen umzugehen, bestätigt auch Sonja Stumpf, Head of Marketing Deutschland bei Henkel: „Für uns als Unternehmen bedeutet das, Lebensqualität zu schaffen und gleichzeitig die mit unserer Wertschöpfung verbundenen Ressourcenverbräuche und Emissionen zu verringern.“

So sieht etwa die Nachhaltigkeitsstrategie bei Henkel vor, den „ökologischen Fußabdruck“ zu reduzieren und einen nachhaltigen Konsum sicherzustellen. Innerhalb der nächsten 20 Jahre will das Unternehmen den Wert, den es mit seiner Geschäftstätigkeit schafft, im Verhältnis zum Fußabdruck, den es durch seine Produkte und Dienstleistungen hinterlässt, verdreifachen. „Da der Verzicht auf Lebensqualität und Konsum keine realistische Lösung darstellt, müssen wir Wege finden, Wachstum und Lebensqualität von Ressourcenverbrauch und Emissionen zu entkoppeln“, ergänzt Stumpf.

Einen Wettbewerbsnachteil sieht Stumpf für Unternehmen, die auf Nachhaltigkeit setzen, nicht. Im Gegenteil: „Nachhaltigkeit wird immer mehr zum wichtigen Motor für wirtschaftliches Wachstum und Wettbewerbsvorteile im Markt. Sie ist Innovationsmotor und wichtiges Kriterium auf dem Arbeitsmarkt sowie auf den Finanzmärkten. Verantwortliches Wirtschaften stärkt zudem die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen und ihre Motivation.“

Thomas Scheyerle, Herma
Thomas Scheyerle, Herma

Ressourcen sparen, Kosten senken

Das Thema Nachhaltigkeit spielt bei vielen Unternehmen der PBS-Branche schon heute eine große Rolle. Zum Standardsortiment des Selbstklebespezialisten Herma etwa gehören längst klimaneutrale Etiketten und Etiketten, die aus 100 Prozent Altpapier bestehen. „Diese Produkte signalisieren dem Verbraucher: Er selbst kann daran mitwirken, dass sich der Gedanke eines nachhaltigen Wirtschaftens durchsetzt“, berichtet Thomas Scheyerle, Leiter Produktmanagement und Marketing Etiketten bei Herma. Durch Wiederverwertung von Unterlagenpapier sparte das Unternehmen 2012 CO2-Emissionen in Höhe von rund 428 Tonnen, das entspricht der CO2-Belastung durch die 74 Autos im Herma-Fuhrpark. Die Kunden müssen dabei fast keine Kompromisse mehr eingehen, wenn sie umweltschonende Produkte erwerben möchten. Die Zeiten des grauen Recyclingpapiers sind schon lange vorbei. In vielen Fällen ist es für Unternehmen allein aus ökonomischen Gründen unabdingbar, auf Nachhaltigkeit zu setzen. „Denn damit“, so Thomas Scheyerle, „spart man Rohstoffe, und die werden in den meisten Fällen immer teurer. Man sollte sich aber einfach vor Augen halten, was passiert, wenn ein Unternehmen nicht nachhaltig wirtschaftet, also konsequent Raubbau betreibt, an der Umwelt, an den Mitarbeitern, an den Kunden. Ein wirklich langfristiger und stetig wachsender Unternehmenserfolg ist in einer offenen Gesellschaft damit kaum mehr möglich.“

Hoffnung auf kurzfristige Unternehmenserfolge sollten sich Unternehmen bei der Umstellung auf nachhaltiges Wirtschaften allerdings nicht machen: „Grüne Produkte zu entwickeln ist zunächst ein Investment und bedarf ebenso großer Sorgfalt, wie bei herkömmlichen Produkten. Als Hersteller darf man nicht erwarten, dass daraus kurzfristig Umsatzsprünge resultieren. Wer glaubt, sich aus Marketinggründen kurzfristig ein grünes Mäntelchen umlegen zu können, wird früher oder später enttarnt“, warnt Scheyerle.

Johannes Klumpp, Mondi Uncoated Fine Paper
Johannes Klumpp, Mondi Uncoated Fine Paper

Natürlich ökologisch

„Papier ist ein natürliches Produkt. Es ist erneuerbar, recycelbar und – bei verantwortungsvoller Produktion – auch umweltfreundlich“, erklärt Johannes Klumpp, Marketing- und Verkaufsleiter bei Mondi Uncoated Fine Paper für den Bereich Europa und International. Renommierte Umweltzertifikate wie FSC (Forest Stewardship Council) oder PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) helfen dem Verbraucher, ökologische Produktion zu erkennen. „Bei FSC- oder PEFC-zertifiziertem Papier weiß der Kunde, dass das Papier aus einer verantwortungsvollen Waldwirtschaft kommt, die ohne illegale Abholzung auskommt und einer ökologisch verträglichen sowie sozial gerechten Waldnutzung verpflichtet ist“, ergänzt Klumpp.

Die PBS-Markenhersteller setzen schon lange auf nachhaltige Produktion. Der Papier- und Verpackungsmittelhersteller Mondi etwa verfügt bereits seit 2006 über eine „Green Range“-Produktfamilie, in der alle Markenpapiere zertifiziert, chlorfrei gebleicht und zu 100 Prozent recyclingfähig sind. Laut Johannes Klumpp könne es sich heutzutage generell kein Unternehmen in der PBS-Branche mehr leisten, nicht in Nachhaltigkeit zu investieren: „Nicht, wenn es langfristig erfolgreich sein will. So viel ist klar. Bei Mondi bildet Nachhaltigkeit einen wesentlichen Teil unseres Geschäfts. Denn wichtige Businessentscheidungen werden immer unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten getroffen.“

www.office-gold-club.de

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