BusinessPartner PBS

Deutsche Städte werden „grüner“

Gewinner des Papieratlas-Städtewettbewerbs 2011 ist Freiburg als „Recyclingpapierfreundlichste Stadt Deutschlands“, die erstmals ausschließlich Recyclingpapier in Verwaltung und Schulen verwendet.

Als die „Besten der Besten“ wurden Bonn und Essen ausgezeichnet, die zum wiederholten Male ihren Spitzenplatz behaupten konnten. Leipzig wurde mit der höchsten Steigerungsrate „Aufsteiger des Jahres“. Bei den Millionenstädten liegt Berlin vorn, dicht gefolgt von München. Zehn Städte nutzen in ihren Verwaltungen bereits 100 Prozent Recyclingpapier – ein Quotenrekord. Die Städte über 100 000 Einwohner haben insgesamt ihren Recyclingpapier-Anteil um weitere vier Prozent auf nunmehr rund 70 Prozent erhöht.

„Es freut uns, dass die Beteiligung der Großstädte mit über 80 Prozent erneut außergewöhnlich hoch war und bereits über die Hälfte aller kreisfreien Städte erstmalig an dem Wettbewerb teilnahm.

Zugleich zeigt der Papieratlas eine positive Entwicklung auf: Immer mehr Städte stellen komplett auf Recyclingpapier um und nutzen damit maximale Einspareffekte bei Energie, Wasser und CO2-Emissionen“, so Michael Söffge, Sprecher der Initiative Pro Recyclingpapier. „Bemerkenswert ist, dass Städte mit Spitzenleistungen in ihren Anstrengungen nicht nachlassen und mit weiteren Initiativen auch andere Städte und Einrichtungen als Vorbild motivieren.“

Die Initiative Pro Recyclingpapier führte zum vierten Mal den Städtewettbewerb in Kooperation mit dem Bundesumweltministerium, dem Deutschen Städtetag und dem Umweltbundesamt durch. Aufgrund des großen bundesweiten Interesses wurde der Wettbewerb erstmals um die kreisfreien Städte erweitert. Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen, Schirmherr des Wettbewerbs sagte: „Der Papieratlas motiviert zur Umstellung auf Recyclingpapier und unterstützt Städte bei der Umsetzung einer nachhaltigen Beschaffungspolitik.“

Moderationsrunde der Siegerstädte (von links): Heiko Rosenthal (Bürgermeister Leipzig), Reinhardt Paß (Oberbürgermeister Essen), Dr. Ulf Jaeckel (Bundesumweltministerium), Michael Söffge (Sprecher IPR), Sönke Nissen (Geschäftsführer IPR), Ulrich von Kirch
Moderationsrunde der Siegerstädte (von links): Heiko Rosenthal (Bürgermeister Leipzig), Reinhardt Paß (Oberbürgermeister Essen), Dr. Ulf Jaeckel (Bundesumweltministerium), Michael Söffge (Sprecher IPR), Sönke Nissen (Geschäftsführer IPR), Ulrich von Kirchbach (Bürgermeister Freiburg) und Rüdiger Wagner (Umweltdezernent Bonn)

„Ich bin überzeugt, dass mit der Verbreitung des Papieratlas immer mehr Menschen an einer Trendwende zu einem nachhaltigen Papierkonsum mitwirken und die Siegerstädte Ansporn sind, dem gutem Beispiel zu folgen“, so Jochen Flasbarth, Präsident des Umweltbundesamtes. Dr. Stephan Articus, Geschäftsführendes Präsidialmitglied des Deutschen Städtetages hob hervor, dass sich der Wettbewerb j etzt auch an mittlere und kleinere Kommunen wendet. Hierdurch würden zusätzliche Impulse für eine nachhaltige Beschaffung gesetzt.

Der Papieratlas beinhaltet die Angaben von 88 Städten zum Papierverbrauch und den Einsatzquoten von Recyclingpapier mit entsprechenden ökologischen Einspareffekten. Die teilnehmenden Städte verwenden im Durchschnitt zu 70 Prozent das Papier mit dem Blauen Engel. Allein der dadurch eingesparte Strom entspricht einer Studie des Forschungsinstitus IFEU zufolge dem Jahresverbrauch von durchschnittlich rund 22 000 Drei-Personen-Haushalten.

www.papieratlas.de

www.papiernetz.de

Nachgefragt ...

... bei Ulrich von Kirchbach, Bürgermeister für Kultur, Integration, Soziales und Senioren der Stadt Freiburg

Inwieweit trägt der Preis zum positiven, nachhaltigen Image der Stadt Freiburg bei?

Umweltschutz ist der Stadt Freiburg in der Tat schon seit vielen Jahren ein besonderes Anliegen. Hierzu gab es auch schon zahlreiche – auch internationale – Auszeichnungen, wie zum Beispiel Solarhauptstadt oder auch 2010 beim Wettbewerb „Bundeshauptstadt Klimaschutz der Deutschen Umwelthilfe“ mit dem ersten Platz. Zukunftsorientierte Politik muss sich aber auch an den einzelnen Praxisfeldern messen lassen, deshalb gehört für die Stadt Freiburg seit Jahren eine forcierte, umweltfreundliche Beschaffung (zum Beispiel das Verbot von Artikeln aus Kinderarbeit, „Fairtrade“-Einkauf) und natürlich auch die Benutzung von Recyclingpapier zum A und O.

Wie ist es gelungen, den Einsatz von Recyclingpapier in den Schulen, der Verwaltung und den Hausdruckereien durchzusetzen?

Das Vorgehen, nur noch Recyclingpapier zu nutzen, wurde sukzessive in die Verwaltung eingeführt, immer wieder mit allen Akteuren besprochen und auch von der politischen Spitze der Stadt vorgelebt. Hierzu zählte auch die Vorgabe des Bürgermeisteramtes, dass städtische Veröffentlichungen und Broschüren nur noch mit Recyclingpapier herausgegeben werden dürfen. Angesichts des klaren Vorteils von Recyclingpapier gegenüber dem Frischfaserpapier und der grünen Einstellung der Stadt Freiburg, musste in der Verwaltung und in Schulen nicht viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, um die Einführung von 100 Prozent Recyclingpapier zu erreichen.

Die Stadt Freiburg hat den Angaben zufolge über zehn Millionen Blatt Recyclingpapier in der Verwaltung verbraucht. Es wäre natürlich noch CO2-freundlicher, den Papiereinsatz mittelfristig weiter und deutlich zu reduzieren. Gibt es in diesem Zusammenhang Ansätze, geplante Maßnahmen oder bereits Erfolge?

Der nächste Schritt ist in der Tat, weniger Papier zu verbrauchen. Hier starten wir eine Informationsoffensive, dass vor dem Ausdrucken einer E-Mail immer überlegt werden sollte, frei nach dem Motto: „Erst den Kopf einschalten, dann den Drucker!“. Ebenso sollte jeder Mitarbeiter angehalten werden zu überlegen, ob statt eines Schreibens eine E-Mail nicht auch genügt. Hier wird in den nächsten Monaten immer weiter gezielte Informations- und Aufklärungsarbeit der Mitarbeiter der Stadt Freiburg betrieben werden.

www.freiburg.de

Verwandte Themen
Christine Lang aus Gütersloh und Dieter Salomon aus Freiburg (Foto: Florian von Ploetz)
Gütersloh ist „Recyclingpapierfreundlichste Stadt“ weiter
Vorreiter in Sachen Umweltfreundlichkeit weiter
Der Firmensitz am Standort Melle im Landkreis Osnabrück. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach des Ausstellungs- und -Schulungszentrums produziert 31 000 kWh Strom jährlich.
Gute Arbeit in Sachen Umwelt weiter
Eine Frage des Mehrwerts weiter
Investitionen für ein „grünes“ Produktportfolio weiter
Ökoeffizienz der Papierproduktion gesteigert weiter