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Renaissance des Schreibens

Peter Holzwarth macht sich Gedanken über die neue Liebe zum handgeschriebenen Wort, die sich abzeichnenden gesellschaftlichen Entwicklungen und die daraus entstehenden Synergien für Buch- und PBS-Markt.

Alles ist schon geschrieben, zum Lesen bereit. Keine leere Seite, die sich nicht augenblicklich füllt, kein leeres Blatt Papier, das einen zum Nachdenken drängt. Und gibt es heutzutage überhaupt noch einen Grund oder die Zeit, zum Stift zu greifen? Es verwundert, und doch: Speziell das von Hand Geschriebene erlebt eine Renaissance, es hat wieder ein gewichtiges „Wörtchen“ mitzureden. Grundsätzlich hat zu keiner Zeit das geschriebene Wort diese immense Bedeutung erlangt wie heute. In vielen Bereichen des täglichen Lebens koordiniert der Schriftcode die Abläufe: Als Kommunikationsmittel bestimmt er große Teile der Arbeitswelt und einen immer größer werdenden Teil der privaten zwischenmenschlichen Kommunikation. Er ist schon längst zum schnellsten und effektivsten Medium unseres Informationszeitalters geworden. Warum aber greifen immer mehr Menschen trotz all der technischen Schreibhilfen wie Computer, Organizer, Handy etc. zu teurem Griffel und edlem Notizbuch? Und das gleichermaßen im Privaten wie auch in der Arbeitswelt. Ist es das Individuelle, das Persönliche im Meer des Unpersönlichen? Ist es die emotionale Wärme im Kontrast zum technisch Unterkühlten? Tage- und Notizbücher sind gleichsam Bühne und Requisite unseres Alltags. Mit ihnen werden aus bloßen Zuschauern und Zuhörern Akteure. Nicht nur Einkaufslisten und Rezepte, Einladungen, Liebesbriefe, Spickzettel und Mannschaftsaufstellungen, sondern auch Zeit- und Arbeitspläne, Erinnerungen und natürlich all die anderen Notizen über Notwendigkeiten und besondere Erlebnisse werden wieder handschriftlich aufgezeichnet. Allein das klassische Tagebuch ist bei cirka acht Prozent der Bundesbürger (polis/USUMA, 2006: zwölf Prozent Frauen, vier Prozent Männer) mehr oder weniger intensiv im Gebrauch, wobei in diesem Zusammenhang zwei andere Phänomene ins Auge stechen. Zum einen führt das zunehmende Interesse an Tagebüchern nicht nur der großen Persönlichkeiten dazu, dass mittlerweile zahlreiche Archive Bücher und persönliche Aufzeichnungen von Privatpersonen sammeln. Zum anderen machen dieselben Archive die Erfahrung, dass Privatpersonen neben den schriftlichen Hinterlassenschaften ihrer verstorbenen Verwandten auch ihre eigenen Texte mit einreichen wollen. Entgegen dem ursprünglichen Sinn und Zweck des rein persönlichen Gebrauchs eines Tagebuchs, möchten die „Autoren“ ihre Aufzeichnungen und Erfahrungen an eine unspezifische Leserschaft weitergeben. Eine Tatsache, die sich mit den Entwicklungen im Internet deckt: Die Zahl der Weblogs (engl. Wortkreuzung aus Web und Log, die, häufig als Blog abgekürzt, das digitale Tagebuch bezeichnet) ist von 2004, mit schätzungsweise 60 000 bis 70 000 (Berlecon-Studie, 2004);

auf über 1,6 Millionen im Jahr 2006 (Fittkau & Maas, 2006: vier Prozent der deutschen Internetnutzer) angestiegen. Diese digitalen Tagebücher dienen im Allgemeinen als Medium für die Darstellung des eigenen Lebens oder für Meinungen zu spezifischen Themengruppen.

Persönliches Gut und individueller AusdruckAuch wenn die Statistiken mit Vorsicht zu behandeln sind, so lässt sich doch ganz allgemein sagen, dass vermehrt ein persönliches Bedürfnis existiert, sich den anderen miteilen zu wollen. Und dass der Mensch sich eine individuelle Note dadurch gibt, dass er sein eigenes schönes Buch besitzt und es bei sich trägt. Der Einzelne scheint sich im Zeitalter einer sich medial vermittelnden Welt mit ihren vielen verschiedenen Kommunikationsformen im Netz des Datenflusses zu verlieren. Entsprechend dieser unendlichen Bewegung von Informationen sind im vermehrten Maße die eigene Flexibilität und Mobilität oft Vorbedingung für ein mögliches Arbeitsengagement. Als funktionierendes Rädchen in der großen anonymen Maschinerie möchte der Mensch unter anderem auch seine eigene Sicht präsentieren und sein eigenes Leben in Form der Gegenständlichkeit bewahren. So ist allen Unkenrufen zum Trotz weder der Akt des Schreibens noch die Benutzung von hochwertig angefertigten Notizbüchern in Vergessenheit geraten. Parallel zum Buch, dessen Untergang mit dem Einzug des Fernsehens prognostiziert wurde, erfreut sich heute das Notizbuch in den verschiedensten Formen und Funktionen steigender Beliebtheit. Und die Leute schauen nicht nur auf den Preis, sondern vor allem auf die Qualität: Das Notizbuch avanciert vom notwendigen Alltagsbegleiter zum schmückenden Accessoire. Das Ergebnis hat sich somit in den letzten Jahren auf dem PBSMarkt eingestellt: Die Umsatzzahlen besonders in den Bereichen Nonbook und Schreibutensilien steigen stetig. Und mit Blick auf den Synergieeffekt, der sich aus den Berührungspunkten zwischen Buch- und PBS-Markt ergeben wird, kann man vielleicht sagen: Wer viel liest, möchte auch gern schreiben – und beides regt die Fantasie an.

Kontakt: www.paperblanks.com

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