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Keine Getto-Produkte für Best Ager?

Welcher 50-Jährige würde sich schon gerne als Senior bezeichnen bzw. als seniorengerecht bezeichnete Produkte kaufen? Gut, man setzt die Brille auf beim Lesen, die Schrift am Monitor ist immer zu klein, die Knie-Gelenke schmerzen beim Treppensteigen....

Pro Jahr werden in der Bundesrepublik eine Billion Euro für Konsumgüter ausgegeben, jeder zweite Euro kommt von einem Käufer über 50.
Pro Jahr werden in der Bundesrepublik eine Billion Euro für Konsumgüter ausgegeben, jeder zweite Euro kommt von einem Käufer über 50.

Pro Jahr werden in der Bundesrepublik eine Billion Euro für Konsumgüter ausgegeben, jeder zweite Euro kommt von einem Käufer über 50.... und die Kraft in den Fingern reicht nicht mehr aus, um eine Tüte Erdnüsse fachgerecht zu öffnen, aber zum alten Eisen würde man sich doch deswegen nicht zählen wollen?

Fakt ist, dass es in Deutschland im Jahr 2050 doppelt so viele 60-Jährige wie Neugeborene geben wird. Ende 2005 waren die 1964 Geborenen als 41-Jährige das am stärksten besetzte Altersjahr, 2030 werden sie es als dann 66-Jährige immer noch sein. Während es Ende 2005 noch etwas mehr unter 20-Jährige als 65-Jährige und Ältere gab, wird 2050 die ältere Gruppe doppelt so groß sein wie die jüngere, das zeigen die Zahlen des Statistischen Bundesamtes deutlich.

Bevölkerung nach Erwerbsaalter (Klicken zum Vergrößern)
Bevölkerung nach Erwerbsaalter (Klicken zum Vergrößern)

Bevölkerung nach Erwerbsaalter (Klicken zum Vergrößern)Die Veränderung der Gesamtzahl der Bevölkerung im Erwerbsalter wird von gegenläufigen Bewegungen einzelner Altersgruppen überlagert (siehe Schaubild): Die Gruppe der nach gegenwärtigen Maßstäben älteren Menschen im Erwerbsalter von 50 bis unter 65 Jahren wird anfangs so deutlich zunehmen, dass sie die erhebliche Abnahme bei den unter 50-Jährigen im Erwerbsalter ausgleicht und die Bevölkerung im Erwerbsalter insgesamt zunächst konstant bleibt. Später nimmt auch die Zahl dieser Älteren ab. Unter den Jüngeren im Erwerbsalter vermindert sich die Altersgruppe der 30- bis unter 50-Jährigen schnell, während die der 20- bis unter 30-Jährigen zunächst stabil bleibt und erst später schrumpft. Damit verschiebt sich die Altersstruktur innerhalb des Erwerbsalters deutlich zu den Älteren. Zurzeit gehören 50 Prozent der Menschen im erwerbsfähigen Alter zur mittleren Altersgruppe von 30 bis 49 Jahren, 30 Prozent zur älteren von 50 bis 64 Jahren und knapp 20 Prozent zur jungen von 20 bis 29 Jahren. 2020 wird die mittlere Altersgruppe nur noch 42 Prozent ausmachen, die ältere mit etwa 40 Prozent aber nahezu gleich stark sein. 2050 werden die Verhältnisse nur geringfügig zugunsten der mittleren Altersgruppe verschoben sein. Für den Arbeitsmarkt wird es auf die Älteren genauso ankommen wie auf die Menschen mittleren Alters, so beschreiben es die Untersuchungen des statistischen Bundesamtes.

Im Mittelpunkt des Interesses - die Zielgruppe 50plus
Im Mittelpunkt des Interesses - die Zielgruppe 50plus

Hersteller und Handel müssen reagieren Im Mittelpunkt des Interesses - die Zielgruppe 50plusVöllig eindeutig, dass diese Trends ein Umdenken bei Herstellern und auch im Handel erfordern. Doch in welche Richtung umdenken? Die Werbefachleute rücken die „Generation 50plus” seit einiger Zeit in den Mittelpunkt ihres Interesses. Dabei geht es nicht um die „Standards” aus dem Gesundheitsbereich wie Zahnhaftpluver oder Faltencreme. Models mit Silberhaar und Lachfalten posieren heute auch für Wellness- und in erster Linie für Premiumprodukte. Und das nicht von ungefähr, denn die Zwei-Personen- Haushalte 50- bis 60-Jähriger verfügen heutzutage laut GfK monatlich über mehr als 2000 Euro und besitzen ein Eigenheim und ein Fahrzeug der gehobenen Mittelklasse, Premiumkäufer par exellence also.

Nur über die richtige Bezeichnung dieser so interessanten Zielgruppe ist man sich in Deutschland nicht wirklich einig. Werbeagenturen suchen nach Worten, um die Zielgruppe jenseits der 50, 55 oder 60 anzusprechen. „Generation 50plus”, „Silver-Ager”, „Best Ager” oder „Whoopies” (Well Off Old People);

so richtig passend scheint keine Definition, und Produkte für Senioren, besonders wenn es auch noch auf der Verpackung steht, würde sowieso kaum einer der Angesprochenen kaufen. Die 50- bis 65-Jährigen wollen keine Getto-Produkte, so die Erkenntnis des Zentralverbandes der Deutschen Werbewirtschaft. Trendsetter passen daher ihre Produkte den Bedürfnissen der „Alten” an, ohne es diese merken zu lassen. Andererseits unterscheiden sich Interessen, Bedürfnisse und Fähigkeiten der Älteren stark. Zum einen umfasst das letzte Lebensdrittel einen langen Zeitraum, der von starken Umbrüchen geprägt ist: Der Hochphase im Berufsleben folgt der Ausstieg, das Leben aktiver Senioren wird im Laufe der Jahre durch zunehmende Einschränkungen bestimmt. Und: Jeder altert anders! Viele Ältere sind geistig deutlich aktiver, als sie es körperlich noch sein können. Hier anzusetzen gilt die Devise.

Worüber ärgen Sie sich bei Verpackungen
Worüber ärgen Sie sich bei Verpackungen

Best Ager-PC vs. Hochwertige AusstattungWorüber ärgen Sie sich bei Verpackungen (Klicken zum Vergrößern)Wachstumspotenziale gibt es in vielen Bereichen. So shoppt der „Best Ager” zwar gerne im Fachhandel, besonders wenn es um Premium-Produkte geht, aber auch das Internet ist für diese Altersgruppe hochinteressant. Rund 1,7 Millionen Personen, das sind neun Prozent der „Generation 50plus”, die bislang nicht online sind, kann sich zum Beispiel vorstellen, das Internet privat zu nutzen, wenn ihnen dafür ein einfacher und auf ihre Bedürfnisse ausgerichteter „Best Ager-PC” zur Verfügung steht. Das ist eines der zentralen Ergebnisse des Sonderthemas „Best Ager-PC: Altersgerecht ins Internet”, das Fujitsu Siemens Computers im Rahmen des diesjährigen (N)onliner Atlas 2007 erhoben hat. Allerdings finden speziell auf Ältere zugeschnittene Ausstattungsmerkmale wie größere Tasten, großer Bildschirm, Installation oder auch fortlaufende Betreuung zu Hause weit weniger Zustimmung als Ausstattungsmerkmale, die generell von einem serviceorientierten Paket zu erwarten sind. So erachtet diese durchaus anspruchsvolle Zielgruppe ein verständliches und anschauliches Handbuch, Gütesiegel, intuitive und einfache Bedienung sowie Komplettpakete mit Drucker als vorrangige Ausstattungsmerkmale. Auch bei den favorisierten Betreuungsformen scheinen hier traditionelle Formen die meiste Zustimmung zu finden. Dazu gehören eine gute Betreuung durch den Fachhandel, FAQ-Kataloge, Nachschlagemöglichkeiten im Internet oder auch Beratung per E-Mail. Neue, aufwendige Betreuungswege wie persönliche Betreuung zuhause oder am Telefon scheinen kaum notwendig, so die Marktforscher von TNS Infratest.

„Wirtschaftsmotor Alter” Auch die Bundesregierung hat den „Seniorenmarkt” als solchen erkannt. Familienministerin von der Leyen wies kürzlich auf den „Wirtschaftsmotor Alter”, eine im Auftrag des Bundes von der Unternehmensberatung Roland Berger durchgeführte Studie, hin. 58 Prozent der Konsumenten werden im Jahre 2035 über 50 Jahre alt sein. Die Regierung bezuschusst daher das Projekt „Wirtschaftsfaktor Alter – Unternehmen gewinnen” mit vier Millionen Euro. Eine große Lebensmittelkette testet derzeit deutschlandweit seniorengerechte Filialen mit überbreiten Gängen, rutschfesten Böden und Lupen an den Regalen, damit die bevorzugte Käuferschaft auch das zu klein gedruckte Mindeshaltbarkeitsdatum entziffern könne. Ein respektabler Ansatz, in Österreich gibt es bereits mehrere Filialen dieser Spezialmärkte. Vom Umdenken in der Wirtschaft sollen demzufolge auch in Deutschland die älteren Verbraucher profitieren, so von der Leyen weiter und spricht von verständlichen Bedienungsanleitungen, praktischen Bedienerführungen an Geräten und den Verzicht auf nur schwer zu öffnende Verpackungen. „Deutschland kann es sich nicht leisten, diesem wachsenden Zukunftsmarkt der Senioren mit enormer Kaufkraft anderen zu überlassen.” Auch der „Spiegel” spricht in einer seiner letzten Ausgaben von einer „Renaissance der Alten” in Bezug auf den deutschen Arbeitsmarkt. Der Wirtschaft fehlen Fachkräfte, und daher reaktivieren viele deutsche Unternehmer ihre Ruheständler, denn diese würden durch ihr Fachwissen und ihre Erfahrung nicht nur für bessere Geschäfte, sondern auch für ein angenehmeres Arbeitsklima sorgen. Also nichts mit Ruhestand ab Mitte 50.

www.destatis.de, www.tns-infratest.com, www.reifemaerkte.de, www.seniorenmarkt.de, www.verbraucher.de, www.linga-online.de, www.bmfsfj.de

Nachgefragt„Die Generation 50plus im (PBS)-Fachgeschäft der Zukunft“?

Matthias Zeiher (46);
 Geschäftsführer des PBS-Großhändlers Hofman + Zeiher
Matthias Zeiher (46); Geschäftsführer des PBS-Großhändlers Hofman + Zeiher

Matthias Zeiher (46);

Geschäftsführer des PBS-Großhändlers Hofman + ZeiherIst die Generation 50plus im Portfolio von Hofmann + Zeiher ein Thema?

Die „Generation 50plus“ ist für das Fachgeschäft der Zukunft – und damit auch für uns als Servicepartner des Fachhandels – unbedingt eine wichtige Zielgruppe! Angesichts der demographischen Entwicklung – bis 2050 wird der Anteil der über 50- Jährigen an der Gesamtbevölkerung schon über 50 Prozent betragen – beschäftigen wir uns seit längerem sehr intensiv mit diesem Thema. „Best Ager“ zeichnen sich aus durch hohes Erfahrungswissen, Qualitätsbewusstsein, Einkaufsstätten-Treue sowie hohe Kaufkraft. Sie sind daher geradezu als Fokusgruppe für den qualitäts- und serviceorientierten Fachhandel prädestiniert. Da der Anteil der „Best Ager“ an der Gesamtbevölkerung ständig steigt, sollte sich der Fachhandel und somit auch wir als Großhandelspartner unbedingt mit dieser Zielgruppe auseinandersetzen. Eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung hat gezeigt, dass 34 Prozent des PBS-Umsatzes von der „Generation 50plus“ ausgeht. Dies ist jetzt schon ein erheblicher Wert, der sich überdurchschnittlich schnell erhöhen wird.

Wie wird diese Zielgruppe mit PBSSortimenten angesprochen?

Nach unserem Wissen gibt es derzeit erst einen Hersteller, der ein speziell auf diese Zielgruppe ausgerichtetes Sortiment anbietet. Hier sind die Hersteller der Branche gefordert, ein adäquates, auf die Zielgruppe zugeschnittenes Produktangebot zu erstellen. Genau so wichtig ist es jedoch, das Fachgeschäft auf die speziellen Bedürfnisse der älteren Menschen auszurichten. Dazu gehört, dass Informationen gut lesbar sein sollten, dass zum Beispiel ein Kunden- Leitsystem verwendet wird und nicht zuletzt auch die spezielle Schulung der Mitarbeiter sowie die Abstimmung der Räumlichkeiten auf ältere Kunden. H+Z hat hierzu die Broschüre „Die Generation 50plus im Fachgeschäft der Zukunft“ erstellt, die ein umfangreiches Maßnahmenpaket für das Senioren-Marketing enthält. Diese kann gerne von interessierten Fachhändlern unter info@hz-pbs.de angefordert werden.

Wo sehen Sie Potenziale in unserer Branche und besonders im Fachhandel?

Wenn man weiß, dass in den nächsten Jahren 5 Billiarden Euro von 80- Jährigen auf 50- bis 60-Jährige vererbt werden, dann ergibt sich hier ein immenses Kaufkraft-Potenzial. Ältere Menschen legen Wert auf eine sympathische und wertige Einkaufsatmosphäre, freuen sich über eine persönliche Ansprache und schätzen kurze Wege ohne Auto. Genau dieses kann ihnen der gut sortierte Fachhandel bieten und sich damit gegenüber den SB-Flächen profilieren. Insofern ergeben sich hier enorme Chancen für den Fachhandel, denn die „neuen Alten“ ab 50 werden in Zukunft die tonangebende Gesellschaftsschicht sein. Die Konsumforscher sind sich darin einig, dass die 50- bis 70-Jährigen über alle Branchen hinweg die Zielgruppe mit dem höchsten Wachstumspotential darstellen. Diese Chance sollte der Fachhandel aufgreifen. Wir als Systemdienstleister bieten ihm dazu ein vielfältiges Instrumentarium.

www.hz-pbs.de

Wie gemacht für „Greyhopper & Co.” Wie man sie auch immer nennt, die „Generation 50plus”, „Silver-Ager”, „Whoopies” oder „Kukidents”: Einfach zu bedienende Technik steht bei der Zielgruppe der „Best-Ager” ganz oben auf der Wunschliste. Ergonomie und Qualität sind gern gesehen, auch intelligente Unterhaltung wird geschätzt. Wer genau hinsieht, findet in vielen PBS-nahen Branchen Produkte, die gezielt für niveauvolle, gutsituierte, kulturell-interessierte und noch im Berufsleben stehende Menschen konzipiert wurden.

Der „Wow Pen” ist eine ergonomisch geformte drahtlose Maus, die dem Karpaltunnel-Syndrom vorbeugen soll. NTP hat auch diverse Seniorentelefone im Angebot
Der „Wow Pen” ist eine ergonomisch geformte drahtlose Maus, die dem Karpaltunnel-Syndrom vorbeugen soll. NTP hat auch diverse Seniorentelefone im Angebot

Der „Wow Pen” ist eine ergonomisch geformte drahtlose Maus, die dem Karpaltunnel-Syndrom vorbeugen soll. NTP hat auch diverse Seniorentelefone im Angebot. www.new-tech-product.com Ravensburger hat in diesem Jahr eine eigene Reihe an Spielen für Menschen ab 50 vorgestellt. www.ravensburger.de Die große Schrift kann auch ohne Lesebrille gut entziffert werden. www.langscheidt.de

Der edle und ergonomisch austarierte Fallminenstift „Grip nature” ist ein maskulines Schreibgerät mit spielerischer Komponente, gemacht für den Mann ab 50
Der edle und ergonomisch austarierte Fallminenstift „Grip nature” ist ein maskulines Schreibgerät mit spielerischer Komponente, gemacht für den Mann ab 50

Der edle und ergonomisch austarierte Fallminenstift „Grip nature” ist ein maskulines Schreibgerät mit spielerischer Komponente, gemacht für den Mann ab 50. www.em-holzprodukte.de Hörbücher mit Wissensthemen kommen in der Zielgruppe besonders gut an: CD-Wissen vom Audio Media Verlag. www.hoerkiosk.de Der „Ergonomix” von Pentel wird von Experten besonders auch für rheumageplagte Menschen empfohlen. www.pentel.de

Eine Zukunfts-Expedition – vom Lebensstil zur innovativen Idee

„Best Ager”-Expertin: Jeanette Huber
„Best Ager”-Expertin: Jeanette Huber

„Best Ager”-Expertin: Jeanette HuberBegleitend zur kürzlich erschienenen Studie „Lebensstile 2020” bietet Jeanette Huber vom Kelkheimer Zukunftsinstitut auch Workshops zum Thema an. Ausgangspunkt des Workshops sind die gesellschaftlichen Megatrends und die Forschungsergebnisse der aktuellen Studie. Die plastische Darstellung von den „CommuniTeens“ bis zu den „Silverpreneuren“ bildet die Basis neuer Ideen zu Produkten, Services, Kommunikation und Distribution.

Denn ob Latte Macchiato- Familie, Tiger Ladies, Greyhopper oder Young Globalists – in der Studie „Lebensstile 2020“ gilt es, Lebensstile zu erkennen, zu definieren und herauszustellen. Und Jeanette Huber führt die Teilnehmer in einer assoziativ-spielerischen Expedition in den Lebensraum dieser Lebensstil-Gruppen: Welche Sprache müssen sie sprechen, um verstanden zu werden? Auf welchen „Marktplätzen“ kaufen diese Menschen? Welche Waren oder Dienstleistungen finden diese Leute nützlich und attraktiv? So entwickeln die Teilnehmer Unternehmensbilder der Zukunft, Ideen zu Produkten, Dienstleistungen, Distribution und Kommunikation – eine Collage, die punktgenau an einem Lebensstil andockt.

www.zukunftsinstitut.de

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