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Zeit für den Generationswechsel

Die Nachfolgeregelung ist in vielen Unternehmen, besonders im Mittelstand, problematisch und wird häufig verdrängt. Dabei ist es wichtig, sich für den Generationswechsel Zeit zu nehmen und diesen gründlich vorzubereiten.

Zeit für den Generationswechsel
Zeit für den Generationswechsel

Eine gute Lösung für die Nachfolgeregelung hat das Döscher-Bürozentrum gefunden. Firmenchef Reinhold Döscher setzt auf Kontinuität. Der Verkauf des Vollsortimenters mit Sitz in Bremerhaven, der in diesem Jahr 60 Jahre alt geworden ist, kam für ihn nicht in Betracht, „weil damit erfahrungsgemäß die Zerschlagung die Folge gewesen wäre". Anfang Juli wurde der Generationswechsel eingeleitet und die Verantwortung auf die bisherigen Prokuristen und erfahrenen Abteilungsleiter Thomas Buddrus und Thomas Jahn als Geschäftsführer übertragen. Die Vorlaufzeit für dieses Nachfolgemodell betrug vier Jahre, so dass sich die Mitarbeiter auf die neue Führungsstruktur einstellen konnten. Döscher ist als Geschäftsführer ausgeschieden, bleibt jedoch alleiniger Gesellschafter und steht der neuen Geschäftsführung als Berater zur Verfügung. Der ehemalige Geschäftsführer weiß: „Je früher die Nachfolge vorbereitet wird, desto besser.” So könnten sich alle Beteiligten rechtzeitig darauf einstellen.

„Wenn man nach über fünf Jahren zurückblickt, würden wir es jederzeit genauso machen“, meint Jens Vogel, Inhaber von Goertz Bürotechnik.
„Wenn man nach über fünf Jahren zurückblickt, würden wir es jederzeit genauso machen“, meint Jens Vogel, Inhaber von Goertz Bürotechnik.

„Wenn man nach über fünf Jahren zurückblickt, würden wir es jederzeit genauso machen“, meint Jens Vogel, Inhaber von Goertz Bürotechnik.Gute Erfahrungen mit dem Thema Nachfolge hat auch Jens Vogel, Inhaber des Bad Harzburger Fachhandelsunternehmens Goertz Bürotechnik. Nach der Ausbildung zum Informationstechniker und einer Weiterbildung zum Betriebswirt des Handwerks hat der junge Unternehmer die Geschäftsführung von seinem Vater Heinz Vogel übernommen. „Ich war vor der Übernahme 13 Jahre im Unternehmen als Vertriebsmitarbeiter tätig. Daher war es für alle Beteiligten – Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, auch Banken – eine berechenbare Weiterführung. Für uns war dies wichtig, da es in Familienbetrieben unserer Größe sonst durchaus negativ enden könnte“, erzählt Vogel. Die Regelung der Nachfolge haben Vater und Sohn gründlich vorbereitet. „Wir haben uns rund zwei Jahre vor der ‚Übergabe’ zusammengesetzt und Ziele schriftlich fixiert.

Diese haben wir konsequent umgesetzt“, berichtet Vogel. Wenn man jetzt nach über fünf Jahren zurückblicke, „würden wir es jederzeit genauso machen.“ Dennoch: Auch Vogel sieht die Schwierigkeiten, die es bei einer Unternehmensnachfolge geben kann. Besonders schwierig werde es vermutlich dann, wenn externe Nachfolger gesucht werden müssten.

Vier Jahre Vorbereitung: Reinhold Döscher (Mitte) mit seinen beiden Nachfolgern Thomas Buddrus (links) und Thomas Jahn
Vier Jahre Vorbereitung: Reinhold Döscher (Mitte) mit seinen beiden Nachfolgern Thomas Buddrus (links) und Thomas Jahn

Vier Jahre Vorbereitung: Reinhold Döscher (Mitte) mit seinen beiden Nachfolgern Thomas Buddrus (links) und Thomas JahnAber auch die Bereitschaft, den Betrieb rechtzeitig abgeben zu wollen oder zu können, könnte Probleme bereiten. Dass nicht alle Unternehmensnachfolgen so glatt laufen, weiß auch Ulrich C. Heckner, Geschäftsführer der gleichnamigen Unternehmensberatung. Heckner befasst sich seit einiger Zeit mit dem Thema und hat im Rahmen der diesjährigen Prisma-Fachtagung in Dresden eine Befragung unter den Mitgliedern der Fachhandelskooperation durchgeführt. Das Ergebnis in puncto Nachfolge ist erschreckend und bedenklich zugleich. Die Frage, ob die Nachfolge geregelt sei, verneinten 66 Prozent der über 55-Jährigen. „Die Nachfolgeplanung stellt einen Bestandteil der Lebensplanung dar und beinhaltet auch die Antwort auf die Frage: Wovon will ich im Alter leben?", meint der Unternehmensberater. Auf die Frage, wann der richtige Zeitpunkt sei, sich mit dem Thema zu befassen, könne man nur antworten: „Am besten bei der Gründung". Die wenigsten Unternehmer beschäftigen sich jedoch mit dem Thema. Nach Schätzungen Heckners werde jeder vierte PBS-Fachhändler mit dem Eintritt ins Rentenalter deshalb zum Sozialfall. Nicht selten müsse ein Fachhändler, wenn er sein Geschäft aufgibt, seine private Immobilie verkaufen, um seinen Lebensunterhalt zu sichern. Die Unternehmensberatung hat auch einen Betriebsvergleich für Tabakwarenfachhändler durchgeführt. Fazit: „Diese Gruppe von Fachhändlern, aber auch viele Handwerker beschäftigen sich intensiver als PBS-Fachhändler mit dem Thema Altersvorsorge und damit auch mit dem Thema Nachfolge.“ Wer damit rechne, am Ende seines Berufslebens seinen Betrieb mit Gewinn verkaufen zu können, verkalkuliere sich, meint Heckner. Erst ein Unternehmen mit einem Jahresgewinn von etwa 60 000 Euro hat eine Chance, einen Käufer zu finden. Der Preis, der dann gezahlt wird, so die Erfahrung, bezieht sich auf Lagerbestände, Zeitwert der Einrichtung und EDV-Ausstattung. Ein so genannter immaterieller Unternehmenswert werde in dieser Betriebsgröße so gut wie nie bezahlt, weiß der Berater. Erst Unternehmen mit Jahresgewinnen ab 80 000 Euro haben eine Chance, neben Sachwerten auch einen Erlös in Form des immateriellen Unternehmenswertes zu erzielen.

„Eine Unternehmensnachfolge muss gründlich und frühzeitig vorbereitet werden“, weiß Ilja Nothnagel, Leiter des DIHK-Referats für Unternehmensnachfolge und Unternehmenssicherung.
„Eine Unternehmensnachfolge muss gründlich und frühzeitig vorbereitet werden“, weiß Ilja Nothnagel, Leiter des DIHK-Referats für Unternehmensnachfolge und Unternehmenssicherung.

Kommunikation ist gefordert „Eine Unternehmens-nachfolge muss gründlich und frühzeitig vorbereitet werden“, weiß Ilja Nothnagel, Leiter des DIHK-Referats für Unternehmens-nachfolge und Unternehmens-sicherung.„Das Thema ist umfangreich und hat verschiedene Aspekte. Neben steuerlichen und betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten spielen hier auch emotionale Aspekte eine große Rolle“, weiß Ilja Nothnagel, Leiter des Referats Unternehmensnachfolge und Unternehmenssicherung beim Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK). „Eine Unternehmensnachfolge muss deshalb gründlich und frühzeitig vorbereitet werden.“ Schließlich stehe der Prozess der Unternehmensübergabe für den Unternehmer meist nur einmal im Leben an. Der Experte empfiehlt deshalb, nichts zu überstürzen. Die Zeit für eine saubere Übergabe ist vom Einzelfall, Größe und Struktur eines Unternehmens abhängig. Die Erfahrungen der IHK-Berater zeigen, dass eine Übergabe zwischen zwei und vier Jahren dauert. „Zeit, die man sich nehmen sollte“, meint Nothnagel. Egal ob die Nachfolge innerhalb der Familie erfolgen soll oder durch Verkauf gesucht wird, eine fundierte Beratung von Anwalt, Steuerberater oder IHK sowie eine gute Kommunikation spielen eine wichtige Rolle. Auf jedem Fall solle man die Nachfolge in der Familie, mit Freunden und im Unternehmen frühzeitig besprechen. „Unternehmensnachfolge ist ein Prozess, der Kommunikation von Seiten des Unternehmers gegenüber Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten erfordert“, weiß der Referatsleiter. Ein weiterer Grund, die Nachfolge beizeiten zu regeln, ist das auch im Mittelstand wichtige Banken-Rating, weil Kreditinstitute Wert auf eine transparente Reglung legen.

Doch nicht nur die Anforderungen an einen Senior-Unternehmer, auch die an einen Nachfolger sind vielfältig. Dieser muss branchenbezogene Kenntnisse mitbringen und tritt in eine gewachsene Struktur. Durchsetzungsvermögen, das Gefühl zum Führen von Mitarbeitern gehören ebenso zu den Anforderungen, denen sich ein Nachfolger stellen muss, wie betriebswirtschaftliche Kenntnisse. Ebenso vielschichtig sind die Gründe für eine Übergabe. Grundsätzlich gibt es zwei wesentliche Motive für eine Unternehmensübergabe: Laut dem Institut für Mittelstandsforschung werden zwei Drittel aller Unternehmen und somit rund 47 000 im Jahr aus Altersgründen übergeben. 18 000 Unternehmen und somit ein Viertel werden unerwartet, also auf Grund von Krankheit, Unfall oder Tod, übergeben. „Wenn das Unternehmen hierauf nicht vorbereitet ist, sorgt dies augenblicklich für eine Krisensituation“, erzählt Nothnagel. Wichtig sei es deshalb, mit einem sogenannten „Notfallkoffer“ vorbereitet zu sein. Dieser sollte jedes Jahr neu gepackt und bei einer Person des Vertrauens hinterlegt werden. In einen Notfallkoffer gehören: Vollmachten, Bankverbindungen, eventuell ein Testament, aber auch Kleinigkeiten, die für den Weiterbetrieb des Unternehmens wichtig sind, wie Passwörter für den Computer. Bei einer Gesellschaft muss zudem darauf geachtet werden, dass Gesellschaftervertrag und Testament übereinstimmen.

„Los zu lassen ist schwer” Hemmnisse, die eine Nachfolge belasten können, lassen sich vor allem in zwei Faktoren unterteilen: betriebswirtschaftliche und emotionale Gründe. Laut DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge 2007 sind die wesentlichen Hemmnisse bei Senior-Unternehmern, dass diese die Nachfolge nicht rechtzeitig vorbereiten (50 Prozent). Aber auch ein überhöhter Kaufpreis (39 Prozent);

nicht loslassen können (36 Prozent);

kein passender Nachfolger (34 Prozent);

unzureichende Altersvorsorge (30 Prozent) oder eine befürchtete Erbschaftssteuerbelastung für die Nachfolge-Generation (19 Prozent) belasten die Nachfolge. „Es ist schwer, loslassen zu können. Schließlich ist es oft das Lebenswerk, das übergeben wird“, weiß Nothnagel. Für den Senior-Unternehmer sei es gut, einen Plan für die Zeit nach der Übergabe zu haben, empfiehlt der Experte. Das kann ein längerer Urlaub, die Übernahme eines Ehrenamtes in einem Verein, aber auch die Beratertätigkeit für das Unternehmen sein.“

Das Internetportal „Nexxt” ist der zentrale Treffpunkt für alle Unternehmer, die Betriebe übergeben oder übernehmen wollen.
Das Internetportal „Nexxt” ist der zentrale Treffpunkt für alle Unternehmer, die Betriebe übergeben oder übernehmen wollen.

Das Internetportal „Nexxt” ist der zentrale Treffpunkt für alle Unternehmer, die Betriebe übergeben oder übernehmen wollen.Für Nachfolger hingegen erschweren laut DIHK vor allem Gründe wie Finanzierungsschwierigkeiten (55 Prozent);

Unterschätzung der Anforderungen (38 Prozent);

aber auch, dass kein passendes Unternehmen gefunden wird (33?Prozent);

die Nachfolge. Darüber hinaus wirken sich eine unzureichende Qualifikation (22 Prozent) und eine befürchtete Erbschaftssteuerbelastung hemmend auf mögliche Nachfolger aus.

Finanzierung ist oft ein echtes Problem“, erklärt auch Nothnagel. Schließlich müsse ein möglicher Nachfolger, um an die finanziellen Mittel zu kommen, ein überzeugendes Konzept erstellen. Dies erfordere einen tiefen Einblick in das Unternehmen. Zudem benötige er nicht nur Geld zur Finanzierung, sondern auch, um eigene Ideen im Unternehmen umzusetzen. Unterstützung gibt es hier von den Förderbanken und den Bürgschaftsbanken der Länder.

Eine erste Adresse, bei der es Informationen und Beratung gibt, sei die Nexxt Initiative Unternehmensnachfolge, weiß der DIHK-Experte Nothnagel. „Nexxt" ist eine Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie, der KfW sowie Vertretern von Verbänden und Organisationen. Ziel ist es, ein günstiges Klima für den unternehmerischen Generationswechsel zu schaffen. Hier finden Interessierte unverbindlich und schnell Informationen, Checklisten oder Veranstaltungshinweise zum Thema. Das Internetportal „Nexxt” ist der zentrale Treffpunkt für alle Unternehmer, die Betriebe übergeben oder übernehmen wollen. Mit Hilfe der bundesweiten Nachfolgebörse „Nexxt-Change“ können Unternehmer eine Plattform zur Suche nach externen Übernehmern nutzen. Gleichzeitig wird Existenzgründern als potenziellen Übernehmern eine Alternative zur Neugründung eines Unternehmens geboten. Ziel ist es, mit Hilfe der betreuenden Regionalpartner Kontakte herzustellen. Mit rund 7000 angebotenen Unternehmen und 3000 Gesuchen ist die Börse, die im vergangenen Jahr etwa 1700 Nachfolger vermittelt hat, die größte ihrer Art. Darüber hinaus können die Landesniederlassungen der Industrie- und Handelskammer Tipps zum Thema geben. Für Detailfragen können sich Unternehmer oder potentielle Nachfolger aber auch an ihren Steuerberater, ihre Bank oder einen Rechtsanwalt wenden. „Leider beobachten wir, dass manche Nachfolger sich in ein gemachtes Nest setzen wollen.” Das Übernehmen eines Unternehmens ist allerdings sehr komplex. Dennoch sagt Nothnagel: „Man ist da nicht alleine.” Dies gelte für Unternehmer ebenso wie für die Nachfolger.

„Über die Nachfolge sollte  man sich schon bei der Gründung Gedanken machen”, meint der Unternehmensberater Ulrich C. Heckner, der sich bereits seit einiger Zeit mit dem Thema befasst.
„Über die Nachfolge sollte man sich schon bei der Gründung Gedanken machen”, meint der Unternehmensberater Ulrich C. Heckner, der sich bereits seit einiger Zeit mit dem Thema befasst.

Experten-Tipps zur Nachfolge„Über die Nachfolge sollte man sich schon bei der Gründung Gedanken machen”, meint der Unternehmensberater Ulrich C. Heckner, der sich bereits seit einiger Zeit mit dem Thema befasst.Definieren Sie den Tag, an dem Sie sich in den Ruhestand verabschieden. Rechnen Sie nicht damit, dass Sie neben Warenlager und der Geschäftsausstattung noch einen größeren Firmenwert erlösen können.

Stellen Sie sich die Frage: „Wovon will ich im Alter leben?” Beginnen Sie eine Aufstellung

Ihrer monatlichen privaten Ausgaben. Wer das 50. Lebensjahr überschritten hat, muss monatlich nahezu den gleichen Betrag beiseite legen, den er für seinen Lebensunterhalt definiert hat.

Beginnen Sie so früh wie möglich mit dieser Planung. Berücksichtigen Sie in Ihrer Planung aber auch die Inflationsrate.

Wer weiß, wie viel Geld er monatlich zur Seite legen muss, wird sein Unternehmen konsequenter führen. Er wird seine Kalkulation laufend prüfen und anpassen sowie alle Entscheidungen treffen, die notwendig sind, damit er sein Ziel erreicht.

Kommunizieren Sie Ihren Mitarbeitern Ihre Pläne bezüglich Ihres Ausstiegs. Bauen Sie rechtzeitig Personen im Unternehmen auf, die in der Lage sind, den Betrieb eigenverantwortlich zu führen. Die größten Erfolge bei der Übergabe beobachten wir, wenn der Betrieb innerhalb der Familie oder an langjährige Mitarbeiter weitergegeben wird.

Bauen Sie sich rechtzeitig vor der Übergabe Ihr eigenes Leben auf. Sorgen Sie dafür, dass Sie nach der Übergabe nicht in ein tiefes Loch fallen. Pflegen Sie soziale Kontakte und suchen Sie sich eine Beschäftigung, die Ihrem Leben einen Sinn gibt.

www.nexxt.org, www.nexxtchange.org,  www.dihk.de,  www.doescher.de,  www.heckner.com,  www.goertz-buerotechnik.de  

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