BusinessPartner PBS

Sparsam an der richtigen Stelle

Die Energiepreise kennen nur eine Richtung – nach oben. Wer heute in die Energieeffizienz seines Ladens oder Betriebs investiert, kann sich in einigen Jahren über niedrigere Kosten und mehr Unabhängigkeit freuen.

Hajo Kaechelen aus Offenburg auf dem Dach seines Gebäudes: „Die Solarkollektoren machen uns unabhängiger von künftigen Strompreiserhöhungen.“
Hajo Kaechelen aus Offenburg auf dem Dach seines Gebäudes: „Die Solarkollektoren machen uns unabhängiger von künftigen Strompreiserhöhungen.“

Wenn Dieter Hajo Kaechelen auf das Dach seiner Lagerhalle in Offenburg steigt, blickt er mit Stolz auf seine jüngste Investition: Eine Anlage zur Produktion von Strom. Schwarz funkeln die Solarkollektoren im Licht der badischen Sonne. Zum ersten Mal in seinem Leben freut sich der Inhaber und Geschäftsführer des Bürohandelshauses Kaechelen auf die Rechnung des Stromversorgers. Dann nämlich wird der Nutzen seines Investments in Euro und Cent zu greifen sein. „Die 70 Kilowatt-Fotovoltaikanlage produziert mehr Strom, als wir selbst verbrauchen“, erklärt der Unternehmer. Der Überschuss wird in das Netz eingespeist und erwirtschaftet – selbst bei der gesetzlich festgelegten sinkenden Einspeisevergütung – regelmäßige Einnahmen. Schon in zwölf Jahren soll die Anlage ihren Break-even-Point überschreiten. „Wenn es erst einmal die passenden Speichertechnologien gibt, könnten wir sogar noch unabhängiger werden“, so Kaechelen.

Energiekosten steigen auch in Zukunft

Viele Fachhändler wissen es aus eigener Erfahrung: Der Kostenblock Energie ist in den vergangenen Jahren immer größer geworden. Im Durchschnitt des deutschen Non-Food-Handels liegen die Energiekosten laut EHI Retail Institute inzwischen bei 32,10 Euro pro Jahr und Quadratmeter Verkaufsfläche. Der Grund sind nicht allein die Strompreiserhöhungen. Weitere Gründe sind:

• aufwändigere Präsentation im Ladengeschäft,

• längere Öffnungszeiten,

• größere Verkaufsflächen,

• die Erhöhung der Umlage zum Erneuerbaren-Energien-Gesetz, die von 0,41 Cent/kWh im Jahr 2003 auf inzwischen 3,592 Cent/kWh in diesem Jahr,

• der Einkauf von „Ökostrom“ und ein ungünstiger Einkaufszeitpunkt.

Deutschlandweit leiden die Einzelhändler unter den gestiegenen Preisen – und suchen nach Strategien, um gegenzusteuern. Bei einer Umfrage unter deutschen Einzelhändlern haben 70 Prozent beim Vergleich der Energiekosten zwischen 2010 und 2011 eine Kostensteigerung von zehn Prozent angegeben, stellte das EHI Retail Institute fest – es lohnt sich also, ernsthaft über Einsparmöglichkeiten nachzudenken.

Verteilung der Stromkosten auf die einzelnen Verbrauchsträger (Nonfood)
Verteilung der Stromkosten auf die einzelnen Verbrauchsträger (Nonfood)

Beim stationären Fachhandel ist üblicherweise die Beleuchtung Stromverbraucher Nummer eins und wichtigster Ansatzpunkt für Optimierungen. Erkannt hat das auch die Parfümeriekette Douglas, die bereits zwei Filialen komplett auf LED-Beleuchtung umgestellt hat. „Die Erfahrungen mit dem Lichtkonzept sind sehr positiv; die Energiekosten lassen sich dadurch um rund 40 Prozent senken“, fasst Michael Krings, Coordinator of CR-Council bei Douglas die Erfahrungen gegenüber BusinessPartner PBS zusammen.

Diese Effekte lassen sich auch in kleineren Geschäften realisieren: Der PBS-Fachhändler BCC – die büroprofis im rheinland-pfälzischen Simmern rüstet derzeit das Geschäft auf langlebige und energiesparende LED-Leuchten um. 35-Watt-Halogenstrahler sollen beispielsweise durch 3-Watt-LED-Strahler ersetzt werden, 60-Watt-Leuchtstoffröhren durch 18-Watt-LED-Panels. Nach eigener Wirtschaftlichkeitsberechnung erwarten die Geschäftsführer eine Kosteneinsparung von über 70 Prozent. „Schon ohne Berücksichtigung der wesentlich längeren Lebensdauer der LED-Leuchtmittel ist die Umstellung auf jeden Fall wirtschaftlich“, so das Fazit der Geschäftsführer Irene und Frank Jackewitz.

„Eine Umrüstung auf LED lohnt sich immer“, unterstreicht auch Reinhard Adolf von der Ingenieurgesellschaft Theurich + Klose in Hannover, der zahlreiche Projekte der Energieeinsparung im Einzelhandel betreut hat. Die Fortschritte bei der Technik machten eine Umrüstung mittlerweile nicht nur technisch möglich, sondern auch wirtschaftlich interessant. LEDs hätten zudem mittlerweile etwa die gleiche Farbtemperatur wie Glühlampen oder Halogenlampen. Allerdings muss man vor einer Umrüstung genau überlegen, welche Produkte mit welchem Licht gut präsentiert werden können: LEDs sind im Vergleich zu herkömmlichen Glühbirnen viel konzentrierter und eignen sich daher vor allem für die punktuelle Beleuchtung. Für eine gute flächige Beleuchtung muss hingegen eine entsprechende Dichte an Leuchten eingesetzt werden, überdies darf die Deckenhöhe nicht allzu hoch sein. Übrigens strahlen LED-Lampen kaum Wärme ab, daher hat eine Umrüstung auf die LED-Technik nicht zuletzt einen positiven Effekt für alle Ladenbesitzer, die ihre Verkaufsräume klimatisieren müssen.

„Energieschläfer“ stilllegen

Das Thema Energieeffizienz erschöpft sich aber nicht bei der Beleuchtung. Viel lässt sich schon mit vernünftigem Umgang mit der Energie einsparen: Dieter Hajo Kaechelen hat die „Energieschläfer“ in seinem Unternehmen aufgespürt und an die kurze Leine genommen: Es gibt für alle Verbraucher im Büro wie Arbeitsplatzleuchten, Aktenvernichter, Drucker und Kopierer einen eigenen Stromkreis, der nach Büroschluss automatisch abschaltet, so dass kein Gerät aus Vergesslichkeit ein ganzes Wochenende lang den Stromzähler ticken lässt. Kaechelen beziffert die Stromeinsparung auf zwölf Prozent allein im Vergleich zum Vorjahr.

Top 10 der bereits umgesetzten Energiesparmaßnahmen im Handel (ohne Kühlung) (Quelle: EHI Retail Institute)
Top 10 der bereits umgesetzten Energiesparmaßnahmen im Handel (ohne Kühlung) (Quelle: EHI Retail Institute)

Und der Büroversandhändler memo hat auf den Fluren seines Verwaltungsgebäudes Bewegungsmelder und Tageslichtsensoren installiert, so dass die Beleuchtung nur bei Bedarf angeht. Der Versender setzt generell auf energieeffiziente EDV-Hardware, Bürogeräte und technische Anlagen – wenn möglich mit zusätzlichen Energiespargeräten.

Auch Heizkosten sind ein weiterer Ansatzpunkt, um Geld zu sparen. Bei memo wurde zusätzlich zur Ölheizanlage eine Holzhackschnitzel-Heizung gebaut, die mit Durchforstungsholz aus umliegenden Wäldern befeuert wird. Diese Maßnahme hat den Ausstoß schädlicher Treibhausgase reduziert und führte letztlich zur Klimaneutralität des Unternehmens seit dem Jahr 2007. Die beiden Lagergebäude der Versandhauses wurden überdies so gebaut, dass sich verschiedene Gebäudezonen separat beheizen lassen. So wird nur dort geheizt, wo die Wärme wirklich gebraucht wird. Außerhalb der Betriebszeiten reguliert die Anlage die Temperatur im Lager automatisch herunter.

Elektrofahrzeug beim Versandhändler memo
Elektrofahrzeug beim Versandhändler memo

Einige PBS-Fachhändler experimentieren auch mit Transportalternativen. Ein Beispiel dafür ist der Bürobedarfsanbieter Lyreco, der seit Kurzem in fünf europäischen Ländern Elektrofahrzeuge einsetzt. Der Hersteller Schneider Schreibgeräte im Schwarzwald hat Elektrofahrräder angeschafft, allerdings vorrangig, damit die Mitarbeiter gesünder zur Arbeit kommen. memo dient seit 2011 ein serienmäßiges Elektrofahrzeug mit einer Reichweite von rund 150 Kilometern für Fahrten auf kurzer Distanz. Es wird – wie übrigens das gesamte Unternehmen seit 2001 – ausschließlich mit Strom aus regenerativen Energien versorgt. „Dem großen ökologischen Mehrwert und den ökonomisch gesehen relativ geringen Betriebskosten stehen jedoch die im Moment noch vergleichsweise hohen Anschaffungskosten für ein Elektrofahrzeug gegenüber“, so Claudia Silber, Pressesprecherin der memo AG. Dieter Hajo Kaechelen findet die Elektrofahrzeuge noch nicht praxistauglich, vor allem im Winter, wenn die tatsächliche Reichweite auf 30 bis 40 Kilometer schrumpfen kann. Er sagt: „Ich beobachte die Entwicklung. Wenn es eine Alternative zu unseren Ford-Transit- oder Sprinter-Fahrzeugen gäbe, könnten wir bei der Auslieferung CO2-neutral zum Kunden fahren. Das wäre ein großes Plus bei der Kommunikation gegenüber dem Kunden.“ Kaechelen handelt nach dem Motto „Tue Gutes und rede darüber“. Auf der Website wird künftig öffentlichkeitswirksam zu lesen sein, wie viel Strom die Sonne kostenlos zur frisch installierten Solarkollektoranlage geschickt hat und wie groß die CO2-Einsparung war.

shops.bueroprofi-deutschland.de/bcc

www.douglas-holding.de

www.kaechelen.de

www.memo.de

www.schneiderpen.de

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