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Die Renaissance der Innenstädte

Der Wirtschaftskrise zum Trotz: Mit „MyZeil“ ist in der Frankfurter City ein riesiges Shopping-Center entstanden. Für den Einzelhandel in Innenstadtlagen prognostizieren Experten derzeit positive Entwicklungs-Chancen.

Ein sich zu einer schlauchförmigen Dachkonstruktion wandelnder Trichter zieht sich durch die komplette „MyZeil“.
Ein sich zu einer schlauchförmigen Dachkonstruktion wandelnder Trichter zieht sich durch die komplette „MyZeil“.

Ein sich zu einer schlauchförmigen Dachkonstruktion wandelnder Trichter zieht sich durch die komplette „MyZeil“.„Mit seiner außergewöhnlichen Architektur ist ,MyZeil’ ein neues Wahrzeichen unserer Stadt“, lobte Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth anlässlich der Eröffnung Ende Februar. In der Tat: Die vom italienischen Architekten Massimiliano Fuksas entworfene Mall ist ein Hingucker. Die Fassade zeichnet sich durch eine trichterförmige, aus rautenförmigen Glaselementen bestehende Einbuchtung aus, die als schlauchförmige Dachkonstruktion im Inneren des Shopping-Centers weitergeführt wird.

Olaf Petersen: „Der Einzelhandel lebt heute wieder mehr denn je von den Zentrierungen.“
Olaf Petersen: „Der Einzelhandel lebt heute wieder mehr denn je von den Zentrierungen.“

Olaf Petersen: „Der Einzelhandel lebt heute wieder mehr denn je von den Zentrierungen.“Auf acht Ebenen und etwa 47 000 Quadratmetern Mietfläche gibt es neben etwa 80 Shops einen „Gastro-Boulevard“ und einen Fitness-Club. In den Shops sind zahlreiche nationalen und internationalen Topmarken in verschiedenen Themenwelten vertreten: Beispielsweise richtet sich der „Walk of Young Fashion“ hauptsächlich an eine jugendliche und trendorientierte Zielgruppe. Im „International Place“ sind Modelabels aus aller Welt angesiedelt.

In der Themenwelt „Sports & Leisure“ bieten die Geschäfte alles rund um Sport und Freizeit, die „Media World“ richtet sich an Technik- und Elektronikfans. Die Neugierde auf die neue Mall war von Anfang an groß: Bereits rund zwei Wochen nach der Eröffnung wurde der millionste Besucher gezählt.

Neben rund 80 Geschäften lockt als Attraktion eine der längsten freischwebenden Rolltreppen Europas die Besucher an.
Neben rund 80 Geschäften lockt als Attraktion eine der längsten freischwebenden Rolltreppen Europas die Besucher an.

Neben rund 80 Geschäften lockt als Attraktion eine der längsten freischwebenden Rolltreppen Europas die Besucher an.Auch was die Belegung angeht, ist das Center gut gestartet: Trotz der Wirtschaftskrise und Mietpreisen von bis zu 485 Euro pro Quadratmeter und Monat war das Center vom Start weg fast vollständig ausgebucht. Auffällig allerdings: Hier gibt es kein klassisches PBS-Geschäft. „Zurzeit ist auch kein PBS-Shop im MyZeil geplant“, heißt es auf Anfrage dazu knapp bei der Pressestelle des Projektentwicklers, der MAB Development Deutschland. „Zu Beginn der Bauphase haben wir uns für einen Standort in dem Gebäude interessiert“, verrät Gerhard Kraemer, Geschäftsführer von Papier-Kraemer, einem Fachgeschäft, das es seit fast 150 Jahren in Frankfurt gibt. „Die Mietforderungen sind jedoch in unserer Branche nicht zu erwirtschaften.“ Gerhard Kraemer steht Shopping-Malls inzwischen jedenfalls eher kritisch gegenüber: „Wir haben letztes Jahr unsere Filiale im Hessen Center geschlossen. Die Kosten stiegen, und der erhoffte Mehrumsatz blieb aus“, erklärt Kraemer. „Generell ist es so, dass die Betreiber der Shopping-Center durch die langen Öffnungszeiten inhabergeführte Geschäfte vertreiben.“ Trotzdem kann er „MeiZeil“ – wie die Frankfurter den Namen der Mall abgewandelt haben – auch positive Aspekte abgewinnen: „Das Center belebt die Frankfurter Innenstadt und ist damit auch gut für uns.“

Dabei ist die Lage eine Besonderheit des ambitionierten Projekts: Die Mall ist Teil des sogenannten „PalaisQuartier“, das in den kommenden Monaten noch durch ein Hotel und einen Büroturm erweitert wird. Und der Komplex entsteht nicht irgendwo auf der „grünen Wiese“, sondern mitten in der Frankfurter Innenstadt: Mit dem Standort direkt an der Zeil – mit rund 14 000 Besuchern pro Stunde eine der meistfrequentierten Einkaufsstraßen Europas – könnte „MyZeil“ auch ein Symbol für die Renaissance der Innenstädte werden.

Ulf Ohlmer: „Fakt ist, dass in Großstädten die Mieten für Top-Lagen in unserer Branche fast nicht zu erwirtschaften sind.“
Ulf Ohlmer: „Fakt ist, dass in Großstädten die Mieten für Top-Lagen in unserer Branche fast nicht zu erwirtschaften sind.“

Ulf Ohlmer: „Fakt ist, dass in Großstädten die Mieten für Top-Lagen in unserer Branche fast nicht zu erwirtschaften sind.“Denn nach Erhebungen von GfK GeoMarketing stieg seit 2003 der Umsatz der Innenstadtverkaufsflächen bundesweit um über drei Prozent. Kein Wunder, meint Olaf Petersen, Mitglied des Management Boards von GfK GeoMarketing, Innenstadtlagen böten den Konsumenten nun einmal viele attraktive Komponenten: „Der Einzelhandel lebt heute wieder mehr denn je von den Zentrierungen.“ Triebfeder dafür sei „das natürliche Bedürfnis des Menschen nach einer Vielfalt des Angebotes bei Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistungen.“ Für die Hauptlagen in den Städten prognostiziert Petersen für die nächsten Jahre eine relative Stabilität der Marktposition und Mieten. Allerdings bedürfe es eines gemeinsamen Standortkonzepts der Einzelhändler, um die guten Chancen der Innenstadtlagen auch nutzen zu können.

Dieser Meinung ist auch Ulf Ohlmer, Präsident des Bundesverbands Bürowirtschaft (BBW): „Durch ein Shopping-Center in der Innenstadt verändern sich auf jeden Fall die Laufwege der Kunden, so dass der alteingesessene Standort unter Umständen auch verändert werden muss. Hier kann ich jedem Kollegen nur empfehlen, die Beratung seiner Genossenschaft zu suchen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.“ In Frankfurts Nachbarschaft ist diese Botschaft schon angekommen. In Darmstadt bereiten sich Einzelhandel und Stadt gemeinsam auf die Veränderungen durch das vor der Eröffnung stehende Shopping-Center „Loop 5“ vor.

www.bwb-online.de/bbw/ www.gfk-geomarketing.de www.myzeil.de

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