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Verschiedene Wege, ein Ziel

Immer mehr Betriebe haben die Bedeutung der Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter erkannt. Neben dem Lehrgang „Zertifizierter Fachberater PBS“ des BBW bieten auch Industrie und Verbundgruppen entsprechende Programme.

Beim ersten Präsenztag des Lehrgangs „Zertifizierter Fachberater PBS“ wurden die 24 Teilnehmer in das E-Learning-System eingearbeitet.
Beim ersten Präsenztag des Lehrgangs „Zertifizierter Fachberater PBS“ wurden die 24 Teilnehmer in das E-Learning-System eingearbeitet.

Ob Handel oder Lieferanten, von gut ausgebildeten Mitarbeitern können alle Unternehmen profitieren. Daher investieren immer mehr Betriebe in die Aus- und Weiterbildung. Die An-sätze unterscheiden sich dabei in der Branche entsprechend den sehr unterschiedlichen Anforderungen stark voneinander.

Volker Wessels, beim Bundesverband Bürowirtschaft (BBW) für den neuen Lehrgang zuständig
Volker Wessels, beim Bundesverband Bürowirtschaft (BBW) für den neuen Lehrgang zuständig

Jüngstes Beispiel für eine recht weitgefasste Qualifikation ist der Lehrgang „Zertifizierter Fachberater PBS“, dessen Kick-off unlängst auf der Paperworld in Frankfurt stattfand. Ziel des vom Bundesverband Bürowirtschaft (BBW) getragenen Weiterbildungs-Projekts ist es, die Qualität der Warenkunde der Mitarbeiter im Fachhandel zu steigern und damit die Wettbewerbsfähigkeit des Handels zu verbessern. „Wir sind fest davon überzeugt, dass der Fachhandel von einer qualifizierten Beratung lebt“, so BBW-Präsident Ulf Ohlmer zum Start des Pilotlehrgangs, „allerdings wissen wir auch, dass die Ausbildungsqualität sehr unterschiedlich ist.“ Der neue Lehrgang soll nun dazu beitragen, ein einheitlich hohes Wissens-Niveau zu erreichen: „Dabei ist es ganz wichtig, dass die ganze Branche hinter dem Projekt steht“, so Ohlmer weiter, schließlich habe auch die Industrie ein Interesse daran, dass qualifizierte Verkäufer im Fachhandel helfen, ihre Produkte abzusetzen. Zu den Unterstützern der ersten Stunde gehören der Altenaer Kreis, der Büroring, der Großhandelsverband Schreib-, Papierwaren und Bürobedarf (GVS), der Industrieverband PBS, Prisma und Soennecken.

Willi A. Huber stellte die Details zum Lehrgang „Zertifizierter Fachberater PBS“ auf der Paperworld vor.
Willi A. Huber stellte die Details zum Lehrgang „Zertifizierter Fachberater PBS“ auf der Paperworld vor.

Adaptiert wurde für den Lehrgang, der sich an Azubis, Wiedereinsteiger und interessierte Mitarbeiter richtet, das seit Jahren bewährte Kurssystem des Verbands Schweizerischer Papeteristen (VSP). Der Lehrgang, der in der Schweiz offizieller Bestandteil des Ausbildungssystems ist, dauert in seiner neuen Variante 18 Monate und nutzt das sogenannte „Blended Learning“. „Die Grundidee dabei ist es, Theorie und Praxis zu verknüpfen“, erläutert Willi A. Huber, Ausbildungsbeauftragter des VSP und Coach des Pilotlehrgangs. „Dabei werden 90 Online-Lektionen zu je 50 Minuten mit fünf Präsenztagen kombiniert. Das Blended-Learning bietet eine ganze Reihe von Vorteilen: Zum einen sind die Abwesenheitstage der Teilnehmer im Betrieb und damit verbunden die Reisekosten gering, zum anderen bietet das Online-System, für das die „Schüler“ etwa zwei bis drei Stunden pro Woche einplanen müssen, eine permanente Lernkontrolle – für die Teilnehmer, aber natürlich auch für den Coach und die Unternehmen.

Inhaltlich geht es bei der PBS-Warenkunde um die komplette Sortimentspalette von Schulheften über Bleistifte und Malfarben bis hin zu Briefwaagen, EDV und Bürotechnik. Aufgeteilt ist der Stoff in überschaubare Unterrichtseinheiten von 10 bis 20 Minuten Länge. Die regelmäßigen Tests erfolgen durch das Multiple-Choice-Verfahren oder per Lückentext. „Ein weiterer Vorteil des Online-Systems ist, dass keiner sauer wird, wenn ein Teilnehmer etwas nicht versteht und ein paar Mal dieselbe Frage stellt“, meint Willi A. Huber.

Der frisch gestartete Pilot-Lehrgang hat 24 Teilnehmer. „17 davon kommen aus dem Facheinzelhandel, sieben aus dem Großhandel“, so Volker Wessels, beim BBW verantwortlich für das Projekt. Die Teilnehmer sind zwischen 16 und 53 Jahren alt, „eine ganz spannende Gruppe“, wie es Coach Willi A. Huber formuliert. „So eine gemischte Gruppe ist natürlich eine Herausforderung für mich, die Lernenden profitieren aber gut voneinander.“ So habe schon beim ersten Präsenztag Mitte Februar in Stuttgart eine konstruktive Atmosphäre geherrscht.

Die Kosten für den über 18 Monate laufenden Lehrgang liegen pro Teilnehmer bei knapp 2000 Euro. „Für den nächsten Lehrgang, der voraussichtlich im Februar 2011 starten wird, können sich Interessenten bereits jetzt beim BBW unverbindlich vormerken lassen“, kündigt Wessels an.

Einen ganz anderen Ausbildungsansatz hat die Computer-Compass-Verbundgruppe mit ihrem Programm „Career & Study“ gewählt. Dabei wird der Nachwuchs der Handelsunternehmen über ein berufsbegleitendes Studium auf die Fach- und Führungsaufgaben in Unternehmen vorbereitet. In dreieinhalb Jahren absolvieren die Mitarbeiter ein berufsbegleitendes BWL-Studium. Sie können sich dabei in den Bereichen Vertrieb, Marketing und Projektmanagement spezialisieren – gleichzeitig zur Vollzeit-Tätigkeit in einem mittelständischen Unternehmen. Wie der aktuelle Stand bei „Career & Study“ ist, erfahren Sie weiter unten im Text bei „Nachgefragt...“.

Sabine Walterskötter, Ausbildungsleiterin bei Ricoh Deutschland
Sabine Walterskötter, Ausbildungsleiterin bei Ricoh Deutschland

Auch der Kopiererspezialist Ricoh – dessen unternehmensinternes Personalentwicklungsprogramm übrigens gerade erst durch das britische Institute of IT-Training ausgezeichnet wurde – bietet diverse Aus- und Weiterbildungsprogramme, von denen auch der Fach-handel profitieren kann. Im Rahmen der „Ricoh Academy“ etwa können Auszubildende der Ricoh-Fachhandelspartner eine Verbundausbildung zum Informationselektroniker/in (Fachrichtung Bürosystemtechnik) absolvieren. Eine interessante Möglichkeit, denn: „Wir vermitteln dabei Fachwissen, das einzelne Fachhändler den Azubis in dieser Form nicht bieten können“, sagt Sabine Walterskötter, Ausbildungsleiterin bei Ricoh Deutschland. Die Auszubildenden erlangen im Rahmen der Verbundausbildung umfassende Produkt- und Netzwerkkenntnisse, IT-Knowhow und herstellerunabhängige Zertifikate wie CompTIA A+ und CompTIA Network+, Microsoft MCSA und Cisco CCNA. Die Schulungen und Trainings decken zusätzlich Themen wie Kommunikations- und Konfliktmanagement sowie den aktiven Dienstleistungsvertrieb ab.

Der Ricoh-Standort Hannover ist im ersten Lehrjahr zentraler Ausbildungsort. Hier befindet sich die Berufsschule, und hier finden auch die überbetrieblichen Lehrgänge und Prüfungen statt. Ab dem zweiten Lehrjahr wird die Ausbildung im Kundendienst des jeweiligen Fachhandelsbetriebs fortgesetzt. Nach dreieinhalb Jahren wird vor der Handwerkskammer Hannover die Abschlussprüfung abgelegt. „Unser Konzept der Verbundausbildung hat sich bewährt. Der Ausbildungsberuf Informationselektroniker/in bietet unseren Fachhandelspartnern die Möglichkeit, ihre Nachwuchskräfte fundiert ausbilden zu lassen. Davon profitieren sowohl der Handel als auch Ricoh“, so Sabine Walterskötter weiter.

Aktuell werden die ersten Ausbildungsverträge für den Ausbildungsstart 2010 verschickt. Die Verbundausbildung ist nach Unternehmensangaben für den Händler bis auf Zusatzkosten für überbetriebliche Lehrgänge, Prüfungen und Zertifizierungen sowie Werkzeuge kostenlos.

„Tag der Ausbildung“ bei Ricoh in Hannover: Ein Teil der rund 160 Nachwuchskräfte kommt im Rahmen einer Ausbildungskooperation aus dem Fachhandel.
„Tag der Ausbildung“ bei Ricoh in Hannover: Ein Teil der rund 160 Nachwuchskräfte kommt im Rahmen einer Ausbildungskooperation aus dem Fachhandel.

Darüber hinaus bietet die „Ricoh Academy“ das ganze Jahr über Weiterbildungen rund um die Themen Technik, IT, Vertrieb und Management an, die auch den Ricoh-Fachhandelspartnern offenstehen. Die Schulungen können auch beim Fachhändler vor Ort durchgeführt werden. Auch können sich die Ricoh-Fachhändler in der „Academy“ als „1=1 Pay per Page Master“ und als „Managed Document Services Master“ zertifizieren lassen. Im laufenden Geschäftsjahr 2009/2010 haben die Trainerinnen und Trainer der „Ricoh Academy“ über 55 Schulungen bei Fachhandelspartnern realisiert. Mehr als 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Fachhandelspartnern haben die Inhouse-Schulungen bzw. die Trainings an der „Ricoh Academy“ selbst besucht. Dabei wurden fast 1200 Trainingstage absolviert. Insgesamt stammen rund

12 Prozent der Teilnehmer an den Ricoh-Schulungsprogrammen aus dem Fachhandel.

Das Heilbronner Familienunternehmen Carl Berberich setzt dagegen verstärkt auf rein interne Mitarbeiterentwicklungsprogramme. Die neu gegründete „Berberich Akademie“ soll zukünftig alle Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen für die beiden Unternehmensbereiche Berberich Papier und Berberich Systems bündeln. Neben den Auszubildenden – angehende Groß- und Außenhandelskaufleute und Fachkräfte für Lagerlogistik bzw. Industriekaufleute sowie Diplom Betriebswirte BA – sollen dort auch erfahrene Mitarbeiter des Unternehmens für weiterführende Aufgaben vorbereitet werden. Für das erste Programm der „Berberich Akademie“, der „Führungskräfteentwicklung“, haben sich 40 Mitarbeiter beworben, die ersten acht Personen durchlaufen inzwischen das einjährige Programm. Für 2011 ist bei Berberich eine Nachwuchsführungskräfteentwicklung geplant, die Bewerbungsphase soll in diesem September starten.

Nachgefragt ...

... bei Dirk Henniges, Geschäftsführer der Computer-Compass-Gruppe

Das Programm „Career & Study“ geht ins dritte Jahr. Wie hat sich das Interesse der Mitgliedsunternehmen daran entwickelt? Wie viele Stipendien werden in diesem Jahr vergeben?

Die Studenten der ersten beiden Jahrgänge haben sich sehr gut in den Unternehmen entwickelt und übernehmen bereits eigenverantwortlich Projekte. Das Besondere an unserem Konzept ist, dass die Studenten dauerhaft im Unternehmen sind und nicht durch Block-Veranstaltungen herausgerissen werden. Die Studenten kennen sich mittlerweile sehr gut und unterstützen sich gegenseitig beim Studium. Sie vernetzen damit auch unsere Unternehmen untereinander und tragen damit den „Compass-Gedanken“ in die nächste Generation. Für den Studienbeginn im September 2010 planen die Unternehmen der Compass-Gruppe derzeit elf Stipendien. Bewerber können sich übrigens direkt an die Unternehmen vor Ort wenden.

Bis wann läuft noch die Auswahl-Phase? Welche Voraussetzungen gibt es für die Teilnahme an dem Programm?

Idealerweise beginnen die neuen Mitarbeiter bereits zum April mit einer Trainee-Phase. Bis zum Beginn des Studiums im September lernen sie so das Unternehmen und ihre neuen Aufgabenfelder kennen. In dieser Zeit bieten wir bereits einige Seminare an, die optimal auf das kommende Fernstudium vorbereiten. Aber auch Mitarbeiter der Unternehmen können sich für die Stipendien qualifizieren. Die Teilnehmer sollten eine (Fach)Hochschulreife oder einen gleichwertigen Abschluss besitzen. Das Studium findet neben dem Beruf statt und fordert daher auch eine hohe Eigenmotivation, Belastbarkeit, Kommunikationsstärke, Eigeninitiative und eine klare Zielorientierung.

Mit den Erfahrungen der ersten Jahre: Wurden die Ausbildungsinhalte zwischenzeitlich angepasst? Was sind die Inhalte der zusätzlichen Trainings, Seminare und Planspiele?

Die Inhalte des Studiums obliegen der Fernhochschule, mit der wir hier zusammenarbeiten. Die Compass-Gruppe bietet aber noch zusätzliche Veranstaltungen an, die wir im vergangenen Jahr weiter ergänzt haben. Wir haben ein „IT-Basis-Training“ eingeführt, eine Art Crash-Kurs in Sachen IT. Ein entsprechendes Format gab es auf dem freien Markt nicht. Daher haben wir extra ein eigenes Training konzipiert, das bei den Teilnehmern sehr gut ankommt. Außerdem gibt es zum Beispiel einen Mathe- und Statistik-Kurs, um vor den Statistik-Vorlesungen das Wissen der Oberstufe wieder aufzufrischen. Aktuell findet ein Unternehmens-Planspiel für den ersten Jahrgang statt, der sich ja mittlerweile im 4. Semester befindet und so die bereits erlernten betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge anwenden und vertiefen kann. Aufgrund der Schwerpunkte finden Seminare meist nach Semestern getrennt statt. Am Ende jedes Semesters finden an zwei Tagen Klausurvorbereitungskurse statt, in denen offene Fragen und Beispiel-Aufgaben nochmals diskutiert werden. Hier treffen sich die Jahrgänge und können sich so auch jahrgangsübergreifend austauschen.

www.berberich.de

www.buerowirtschaft.info

www.compass-gruppe.de

www.papeterie.ch

www.ricoh.de

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