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Mehr Know-how für die Branche

Die Wirtschaft klagt über einen zunehmenden Nachwuchsmangel. Umso wichtiger wird die permanente Qualifizierung der vorhandenen Mitarbeiter. Schon jetzt gibt es eine ganze Reihe von Lehrgängen zur gezielten Aus- und Weiterbildung.

Die jüngsten „Top Seller“-Absolventen der Haworth Academy mit ihren Trainern (v.l., stehend): Stefan Büscher (Haworth), Robert Boas (BVS-MSL Möbel Service Logistik, Braunschweig), Sven-Oliver Schäfer (Steinmetz Einrichtung, Würzburg), Julien Decheneux (Bü
Die jüngsten „Top Seller“-Absolventen der Haworth Academy mit ihren Trainern (v.l., stehend): Stefan Büscher (Haworth), Robert Boas (BVS-MSL Möbel Service Logistik, Braunschweig), Sven-Oliver Schäfer (Steinmetz Einrichtung, Würzburg), Julien Decheneux (Büro-Musterhaus Prickartz, Aachen), Gerhard Müller (Haworth) sowie Besnik Bytyqi und Wolfgang Hügler (Kaut-Bullinger Büro-Systemhaus GmbH in Taufkirchen).

Gerade mittelständische Betriebe hätten derzeit Schwierigkeiten geeignete Bewerber zu finden, warnte kürzlich der Deutsche Industrie- und Handelskammertag. Dass scheint auch für den Nachwuchs in der PBS-Branche zu gelten, wie beispielsweise auch Friedrich Müller, Geschäftsführer des Bocholter Compass-Gruppen-Mitglieds Büro Valk, bestätigt: „Unsere aktuelle Stellenausschreibung haben wir wirklich breit gestreut, da hätte ich mehr Resonanz erwartet.“ Ganze zehn Bewerber hatten sich anfangs auf das in Bocholt ausgeschriebene, anspruchsvolle Stipendium für ein berufsbegleitendes Studium der Betriebswirtschaftslehre beworben. Bei diesem seit gut drei Jahren existierenden „Career & Study“-Programm der Compass Academy gilt es, neben der normalen Arbeit im Fachhandel noch ein sechssemestriges Studium zu absolvieren.

Inzwischen gibt es die ersten Absolventen und die Compass-Gruppe zieht ein eindeutig positives Fazit: „Die Mitgliedsunternehmen haben sich entschlossen, etwas gegen den Fachkräftemangel zu unternehmen. Mithilfe des berufsbegleitenden Studiums konnten die Unternehmen qualifizierte Mitarbeiter gewinnen und Mitarbeitern nach einer Ausbildung eine ideale Weiterbildung anbieten. Die Investitionen haben sich also gelohnt“, freut sich Dirk Henniges, Geschäftsführer der Computer-Compass-Gruppe. Auf Grund der guten Erfahrungen werden Jahr für Jahr weitere Stellen angeboten: „Jährlich investiert die Gruppe rund 250 000 Euro in Studiengebühren“, erklärt Henniges, „dazu kommen noch weitere Kosten wie Gehälter oder die Gebühren für zusätzliche Trainings, die von den Unternehmen übernommen werden.“ In den drei Jahrgängen studieren aktuell rund 30 Studenten und im September sollen weitere 14 Studenten mit dem Studium beginnen. Aber auch Kompaktkurse können inzwischen an der Compass-Academy absolviert werden: „Wir sind stolz darauf, ein Schulungsformat anbieten zu können, dass wir so auf dem Markt nicht gefunden haben: einen zweiwöchigen Crashkurs in Sachen IT-Basiswissen. Diese Kurse werden übrigens auch von Azubis besucht“, berichtet Henniges, der künftig auch noch eine Qualifizierungsreihe im Document-Process-Outsourcing-Bereich anbieten will.

Wenn es schon schwierig ist, geeigneten Nachwuchs zu finden, rückt die Weiterbildung der vorhandenen Mitarbeiter bei vielen Handelsunternehmen in den Fokus. Hier gibt es innerhalb der Branche inzwischen die verschiedensten Ansätze, das Know-how im Unternehmen zu verbessern. „Kontinuierliche Weiterentwicklung von MitarbeiterInnen und Unternehmen“ lautet etwa das Motto der Northeimer Händlerkooperation

bueroboss.de: „Unsere aktuelle bueroboss.de/akademie löste im vergangenen Jahr die ,Lernarena‘ ab, eine webbasierte Lernplattform, die bereits im Jahr 2001 eingeführt wurde, technisch jedoch nicht mehr alle Anforderungen erfüllen konnte“, erläutert Marketingleiterin Caroline Schiffer. Derzeit gibt es knapp 380 Akademiemitglieder, die an 72 Produktschulungen und 93 Verfahrensschulungen teilnehmen können. „Die anvisierten Zielgruppen sind unsere Auszubildenden, unsere Mitarbeiter in den Büromärkten und unsere Mitarbeiter im Innen- und Außendienst“, so Caroline Schiffer weiter. Pro Quartal werden zehn neue Kurse realisiert. Zudem bietet die Kooperation verschiedene Präsenzschulungen.

Noch einmal deutlich mehr in die Tiefe gehen die Ausbildungen zum MPS-Berater, die die Nürnberger PerformIT unter anderem für die Mitglieder der Büroprint-Gruppe anbietet. „Im Rahmen des ,Patch‘-Programms begleiten wir die Teilnehmer über Monate. Es handelt sich dabei um eine Kombination aus einer Schulung und Coaching vor Ort“, erläutert Geschäftsführer Armin Alt die zentralen Punkte dieser Art von Weiterbildung. „Es wird also nicht nur theoretisches Wissen vermittelt, sondern der Mitarbeiter aus dem Handel wird von der Akquise über die Analyse der Ist-Situation beim Kunden bis hin zum Abschluss des MPS-Vertrags vor Ort begleitet“, so Alt weiter. Diese intensive Begleitung ist ein wesentlicher Punkt der zwölfmonatigen Ausbildung. Die Themenschwerpunkte beim Coaching können sehr unterschiedlich sein und hängen von den Stärken und Schwächen des Teilnehmers ab. Mögliche Themen sind die MPS-Akquise am Telefon, die Präsentation beim Endkunden oder das Vermitteln von Ansätzen, wie zusätzliche Dienstleistungen verkauft werden können.

 

Immer mehr Hersteller bieten Schulungen

Und auch viele Hersteller unterstützen ihre Fachhandelspartner inzwischen mit vielfältigen Qualifizierungsmöglichkeiten. Der Büroeinrichtungsspezialist Haworth aus Bad Münder bietet etwa Lehrgänge für Verkäufer („Top Seller“) an. Neben der Vermittlung von Produktwissen sollen die Absolventen vor allem strategisches Verkaufen und Präsentationstechniken erlernen. Außerdem gibt es die Möglichkeit, sich an der Haworth Academy zum Ergonomie-Berater ausbilden zu lassen. Ganz neu ist ein achtmonatiges Talentförderungsprogramm für „Preferred Partner“, das im Herbst startet: „Für unsere Fachhandelspartner wird es immer wichtiger, speziell junge Nachwuchskräfte im Vertrieb professionell zu entwickeln und systematisch zu fördern. Daher haben wir zusammen mit einem Trainings- und Beratungsunternehmen das Talentförderungsprogramm ,T+8‘ konzipiert, welches in der gesamten Büromöbelbranche einzigartig ist“, berichtet Michael Kaiser, Vertriebs- und Marketingleiter bei Haworth Deutschland. Die Ausbildung wird mit sieben Modulen und zwei Praxisphasen von der Technischen Hochschule Gießen-Friedberg über das Hochschulzentrum für Weiterbildung (HZW) zertifiziert. Bei Bestehen der Abschlussprüfung wird die erfolgreiche Nachwuchskraft als „Zertifizierter Büroeinrichter mit Quality Office Siegel“ ausgezeichnet.

Damit ergänzt Haworth das neue Quality-Office-Zertifikat um eine entsprechende Schulung. „Ein solches Qualitätssiegel ist – auch wenn es um Beratung geht – für die Endkunden hilfreich, schließlich setzen die immer komplexer werdenden Anforderungen an Bürowelten auch immer mehr Fachwissen auf Seiten des Beraters voraus“, erläutert Barbara Schwaibold vom Verband Büro-, Sitz- und Objektmöbel (bso) die Gründe, die zur Einführung des Fachberater-Siegels führten. Die Zertifizierung verbindet den Nachweis fachspezifischen Wissens mit einem sich im Aufbau befindlichen Fort- und Weiterbildungssystem. Im ersten Schritt können Personen, die ein entsprechendes Ausbildungsprogramm absolviert haben, die Anerkennung als Quality-Office-Fachberater beantragen. Ab Anfang Oktober gibt es auch die Möglichkeit, über das Absolvieren einer Präsenz-Prüfung und dem Einreichen eines Projektberichts die Zertifizierung zu erlangen.

Nach wie vor die übergreifendste Aus- und Weiterbildung der Branche ist aber der 18-monatige Lehrgang „Zertifizierter Fachberater PBS“, den der Bundesverband Bürowirtschaft (BBW) nach dem Vorbild des Kurssystems des Verbands Schweizerischer Papeteristen (VSP) aufgebaut hat. Der Lehrgang in Form des Blended Learning richtet sich ausdrücklich an eine breite Zielgruppe vom Auszubildenden über Wiedereinsteiger bis hin zu erfahrenen Verkäufern und vermittelt einen Überblick über sämtliche Sortimentsbereiche. Genau das schätzt Ottmar Henneboele, Geschäftsführer von HS-Bürotechnik aus Wehrheim, dessen Mitarbeiter Peter Riemenschneider noch einmal „die Schulbank drückt“, an dem Lehrgang: „Wir sind ein kleines Unternehmen und eigentlich auf Kopiergeräte und Drucker spezialisiert. Aber auch Streckengeschäft ist mit dabei und durch den Kurs versprechen wir uns, die Kunden am Telefon einfach besser beraten zu können.“ Ähnlich sieht das auch Brigitte Welz, die in ihrem Familienbetrieb in der Nordseepassage in Wilhelmshaven vor allen Dingen auf höherwertige Papeterie-Produkte und Artikel für Schule und Büro setzt: „Wir mussten uns unser Wissen im Laufe der Zeit selbst aneignen, daher ist es gut, dass sich unser Sohn Sebastian so zusätzliches Hintergrundwissen aufbauen kann.“ Ihr ist der Kursumfang allerdings vielleicht schon ein wenig zu umfassend: „Gerade jetzt am Anfang geht es viel um Büromaschinen und -einrichtung – das ist für ein Geschäft wie unseres natürlich nicht so interessant.“ In diesem Jahr sind insgesamt rund 50 Teilnehmer bei den Kursen mit Präsenztagen in Hannover und Stuttgart dabei. Eine Voranmeldung für das kommende Jahr ist bereits jetzt auf der Projekt-Website möglich.

www.compassgruppe.de

www.bueroboss.de

www.performit.de

www.haworth.de

www.quality-office.org

www.pbs-fachberater.de

Nachgefragt ...

… bei Ziad Ferjani von Praedata Bürosysteme in Nachrodt, erster Absolvent des Career & Study-Programms der Compass Gruppe.

Ziad Ferjani
Ziad Ferjani

Wie beurteilen Sie im Nachhinein insgesamt die Qualität der Ausbildung? Was hat Sie positiv, was negativ überrascht?

Wenn der Maßstab für Qualität, aus den beteiligten Menschen, der Umgebung, den Mitteln und dem zu erreichenden Ziel besteht, so kann ich in allen Punkten diesen Balance-Akt als gelungen bezeichnen. Das Verbundstudium mit Präsenzphasen hat mich vom ersten Tag an gefordert und auch persönlich stark beeinflusst. Dies geschah nicht nur durch die Präsenzphasen, in denen wir mit den britischen Professoren intensiv die Lerninhalte diskutiert haben. Auch der Umgang mit den anderen Studenten, vermittelte mir tiefgehende Eindrücke, die die eigene Wahrnehmung und die Beurteilung von verschiedensten Sachverhalten des Business-Alltags noch zusätzlich geschärft haben. Diese Interaktion hat eine enorme Qualität in den Diskussionen während des Studiums bewirkt, von denen ich tief beeindruckt war. In punkto Qualität hat das Career & Study-Programm einige sinnvolle Ergänzungen zum eigentlichen Studium geleistet. Neben den gemeinsamen Prüfungsvorbereitungen für die Bachelor-Studiengänge gab es zusammen mit den Master-Studenten einige lehrreiche Planspiele und Seminare.

Würden Sie sich wieder für diese Art der Ausbildung entscheiden?

Ja, denn für mich war es klar, dass ich in absehbarer Zeit weiter in dieser Branche sein möchte und hier zusätzliche Kompetenzen erlangen musste. Ich wusste also schon zu Anfang, wofür ich studiere. Das Angebot meines Unternehmens, an einer Hochschulen mit einer Spezialisierung im Paper Output Management, PBS- bzw. IT-Bereich den MBA in englischer Sprache zu erlangen, war schon mehr als Glück. Für mich hat die Kombination aus Praxis und Theorie bestens funktioniert. Diese Balance hatte mir schon in der Vergangenheit gut gefallen und mich darin bestärkt, dieses Studium zu wählen. Und von Anfang an war klar: Die Erwartungshaltung des Unternehmens war genau wie die Unterstützung, die ich erfahren durfte, hoch.

Was muss ein Kandidat mitbringen, der sich für dieses Ausbildungsprogramm interessiert?

Beim MBA-Studium handelt es sich um einen Studiengang, das den Ruf als international bekanntestes Management-Studium für Führungskräfte innehat. Als Schlüsselqualifikation ist es sinnvoll, eine gewisse berufliche Erfahrung mitzubringen. Einem Berufsanfänger würde ich dieses Studium nicht empfehlen, da viele Themen durch den Mangel zum praktischen Bezug noch zu abstrakt scheinen können. Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich nur sagen, dass eine unabdingbare Voraussetzung für dieses Studium mit Sicherheit ein Leistungswille gepaart mit einer gehörigen Portion Disziplin ist. Beides braucht man, um die Phasen zu überstehen, in denen die Arbeit schier endlos erscheint und der damit verbundene Aufwand das private Leben dominiert. Häufig habe ich mehrere Wochenenden nur am Schreibtisch verbracht. Ich habe außerdem festgestellt, dass die private Umgebung den Erfolg im Studium stark beeinflusst. Hätte ich keine Familie gehabt, die mir, wenn ich es gebraucht habe, den Rücken gestärkt und mir zumindest teilweise die Belastung des Alltags genommen hätte, wäre ich heute nicht da wo ich bin. Also muss auch hier die Balance stimmen.

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