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Neue Akteure auf der PBS-Bühne

Die Schreibwaren-Branche ist offenbar durchaus attraktiv für Quereinsteiger aller Art. Umgekehrt schauen aber auch klassische PBS-Händler auf der Suche nach lukrativen Geschäftsideen gerne einmal „über den eigenen Tellerrand“.

Ob E-Commerce-Spezialisten wie Amazon oder buch.de, ob Jungheinrich, Engelbert-Strauss und Pitney Bowes – so unterschiedlich die Unternehmen auch sind, eines haben die Firmen gemeinsam: Sie betätigen sich alle neuerdings im PBS-Bereich, weil sie hier offensichtlich noch ein lukratives Betätigungsfeld wittern. Die Motivation der Unternehmen für das Engagement im Büroartikel-Bereich ist dabei ebenso unterschiedlich wie Größe oder Eigentümerstruktur. Während einige über Anfragen von Stammkunden auf den Bereich aufmerksam geworden sind und diesen möglichst umfassende Produktsortimente und Serviceleistungen bieten wollen, versuchen andere, wie etwa die Online-Buchhändler, die im lange boomenden E-Commerce-Bereich langsam abflachende Wachstumskurve rechtzeitig auszugleichen.

Klaus Ruthmann, Zentralbereichsleiter NonBook/Marktplätze/Kundenservice bei buch.de
Klaus Ruthmann, Zentralbereichsleiter NonBook/Marktplätze/Kundenservice bei buch.de

Klaus Ruthmann, Zentralbereichs-leiter NonBook/ Marktplätze/ Kundenservice bei buch.deSo ist der US-amerikanische Online-Anbieter Amazon mit seinem Bürobedarfs-Shop im April auch im deutschsprachigen Raum gestartet. Unter www.amazon.de/buerobedarf sind nach Angaben des Unternehmens „viele zehntausend“ Produkte aus dem PBS-Bereich gelistet. Der E-Commerce-Riese will mittelfristig mit dem Bürobedarfs-Shop „zur Anlaufstelle für den kompletten täglichen Materialbedarf im Büro werden“. Zusätzlich offeriert der Onlinehändler seinen Kunden Features wie die Suche nach dem passenden Bürostuhl – derzeit aber nur mit der Angebotspalette eines einzigen Herstellers – und bietet Services wie schnellen kostenfreien Versand mit dem Mitglieder-Programm „Amazon Prime“ und versandkostenfreie Lieferung für alle Bestellungen ab 20 Euro. Der Versand erfolgt auch ins deutschsprachige Ausland, dabei ist aber mit längeren Lieferzeiten zu rechnen. Ganz ausgereift ist die Kategorisierung der Produkte in dem derzeit noch als „Beta“ gekennzeichneten Shop noch nicht: Als „Topseller“ bei Büromaterial preist Amazon beispielsweise PC-Lautsprecher oder ein Ravensburger-Kartenspiel als besonders beliebt an. Auffällig ist auch, dass nur ein Teil der Artikel direkt über Amazon geliefert wird: Zahlreiche Produkte werden im Rahmen des „Marketplace“ von unabhängigen Händlern angeboten.

Arno Jung, Mit-Inhaber des Ladengeschäfts „Punkt & Strich“ in Gießen und Anbieter von Ordnerrücken
Arno Jung, Mit-Inhaber des Ladengeschäfts „Punkt & Strich“ in Gießen und Anbieter von Ordnerrücken

Arno Jung, Mit-Inhaber des Ladengeschäfts „Punkt & Strich“ in Gießen und Anbieter von OrdnerrückenDie offensichtliche Nähe von PBS und Buch macht sich auch die buch.de internetstores AG aus Münster zu Nutze. „Die Bereiche Buch, speziell Schulbuch, und Schreibwaren liegen nun einmal sehr eng zusammen“, argumentiert dann auch Klaus Ruthmann, der Zentralbereichsleiter NonBook/Marktplätze/Kundenservice bei buch.de. 15 000 Produkte sind via buch.de kurzfristig lieferbar. Das Angebot reicht von Verbrauchsartikeln wie Papier, Hefte und Stifte bis hin zu Bürolampen oder Schulranzen. „Vertragspartner ist dabei für die Kunden immer buch.de“, so Ruthmann, „die komplette Abwicklung der Bestellungen übernimmt unser Service-Partner Alka. Die machen da einen fantastischen Job.“ In Zukunft solle das Angebot in Richtung Markenshops weiter ausgebaut werden. Eine wichtige Rolle spielt für buch.de auch eine zusätzliche telefonische Beratung der Kunden: „Neben ausführlichen Artikelbeschreibungen und guten Fotos haben wir in unserem Münsteraner Callcenter einen Kompetenzbereich PBS aufgebaut“, berichtet Klaus Ruthmann, der viel Wert darauf legt, dass buch.de keine Internet-Kampfpreise mit Ramsch-Ware machen will, sondern im Gegenteil auch ein hochwertiges Angebot etwa für die Impulskäufe der „Silver-Surfer“ bereithalten will. „Das ist ja das Interessante an PBS, dass dazu auch Geschenkartikel zählen“, so Klaus Ruthmann.

Stefan Wissler, Geschäftsführer des Jungheinrich Profishops
Stefan Wissler, Geschäftsführer des Jungheinrich Profishops

Stefan Wissler, Geschäftsführer des Jungheinrich ProfishopsIm Gegensatz zu buch.de mit der Zielgruppe von „99 Prozent privaten Endanwendern“ richtet sich der „Jungheinrich Profishop“ ausschließlich an gewerbliche Endkunden. Die Versandhandelstochter der Jungheinrich AG, eigentlich bekannt für Gabelstapler und Lagertechnik, bietet inzwischen über 30 000 Produkte aus dem Bereich Betriebsausstattung. Dazu gehört logischerweise auch ein umfangreiches Sortiment für Büroeinrichtung und -ausstattung. „Wir haben das Projekt Versandhandel im Jahr 2006 begonnen“, sagt Stefan Wissler, Geschäftsführer des Jungheinrich Profishops, „dass der Erfolg unsere Erwartungen übertrifft, damit haben wir nicht gerechnet.“ Der Umfang des Katalogs erhöhte sich von anfangs gut 460 auf nunmehr über 1000 Seiten. Neben den Jungheinrich-Kernbereichen wurde ab 2007 auch das Büroausstattungs-Sortiment stark ausgebaut. Insgesamt 113 Seiten sind zu diesem Thema im aktuellen Katalog zu finden. Das Angebot reicht dabei von einfachen Plantafeln über eine große Auswahl an Aktenvernichtern, Registraturschränken und ergonomisch geformten Bürostühlen bis hin zu den verschiedensten Verpackungslösungen und Klebebändern, außerdem eine Vielzahl an Aktenregalen und Transportwagen. Vertreten sind Marken wie Topstar, C+P, Franken, Bisley und Novus sowie die Eigenmarke „Ameise“. Der Vertrieb läuft neben dem Katalog zunehmend auch über das Internet. Großen Wert legt das Unternehmen auf eine ausführliche Kundenberatung, die bei komplexeren Anfragen auch vor Ort durch den Außendienst erfolgt. Das ist auch sinnvoll, schließlich geht es gerade im Bereich Büroeinrichtung auch für Jungheinrich häufig um Projektgeschäfte.

Im April startete Amazon in Deutschland mit einem Bürobedarfs-Shop.
Im April startete Amazon in Deutschland mit einem Bürobedarfs-Shop.

Im April startete Amazon in Deutschland mit einem Bürobedarfs-Shop.Ebenfalls ein Seiteneinsteiger mit dem Fokus auf Firmenkunden und Betriebsausstattung ist der Biebergemünder Versandhändler Engelbert-Strauss. Der Spezialist für Arbeits- und Berufsbekleidung hat seit geraumer Zeit sein Angebot entsprechend erweitert und führt jetzt neben dem klassischen Blaumann und Stahlkappenschuhen auch Tinte/Toner, Stempel, Hefter oder Schreibgeräte.

Die „ganzheitliche Betreuung des Kunden“ war auch Motivation des Postbearbeitungsgeräte-Anbieters Pitney Bowes, das Produktportfolio über Postbearbeitungslösungen, Frankier-, Kuvertier- oder Falzmaschinen auf den Bürobedarf auszuweiten. „Seit gut zwei Jahren sind wir offizieller Spicers-Partner in England, Frankreich und Deutschland“, so Stefan Huth, Director Marketing Central Europe bei Pitney Bowes. Der Büroartikel-Gesamtkatalog enthält dementsprechend über 15 000 Produkte. Großer Vorteil des Geschäftskonzepts: Zahlreiche Accountmanager haben ohnehin einen engen Kontakt zu den rund 50 000 Geschäftskunden in Deutschland. Rund zehn Prozent des Umsatzes erzielt das Unternehmen übrigens mit dem unter www.pbdirect.de eingerichteten Online-Shop für Büroartikel.

Auch buch.de setzt auf die traditionelle Nähe von PBS und Buch.
Auch buch.de setzt auf die traditionelle Nähe von PBS und Buch.

Auch buch.de setzt auf die traditionelle Nähe von PBS und Buch.Umgekehrt gibt es auch zahlreiche Beispiele von Händlern aus dem PBS-Bereich, die sich parallel auch noch weitere Geschäftsfelder erschlossen haben: Arno Jung, gemeinsam mit Stephan Bierling Inhaber des auf Papeterie und Geschenkartikel spezialisierten Ladengeschäfts „Punkt & Strich“ in Gießen beispielsweise vertreibt über seine Firmen File Art und Filesticker nebenbei mit den unterschiedlichsten Motiven attraktiv bedruckte Ordnerrücken. „Die Kombination macht dabei einen Teil unseres Unternehmenserfolgs aus“, ist sich Arno Jung sicher, „schließlich können wir Bildmotive oder neue Displays fünf Minuten später bereits im eigenen Ladengeschäft an der Kundschaft testen.“ Neben der Funktion als „Versuchslabor“ sei das eigene Ladengeschäft aber auch für den Vertrieb der Ordnerrücken als Argumentationsgrundlage nützlich: „Bei Verkaufsgesprächen auf Messen ist es schon hilfreich zu wissen, wie viel Umsatz sich mit dem eigenen Produkt machen lässt“, freut sich Jung, „diese unmittelbare Erfahrung hat sonst kein Hersteller.“

Und auch wenn es nicht viele gibt, die die komplette Kehrtwende vom Händler zum Lieferanten absolviert haben, gibt es doch verschiedene Händler, die auch in anderen Geschäftsbereichen erfolgreich tätig sind. So vertreibt das Büroring-Mitglied BeckerComPlan aus dem sauerländischen Hemer auch „Beckers Beste Tiernahrung“. Und der Technik-Spezialist Nothnagel Kommunikationssysteme beschäftigt sich unter dem Namen „Studio b“ in Darmstadt und Wiesbaden unter anderem mit designorientierter Wohnungseinrichtung und Kunst. Solche Beispiel zeigen: Der Blick über den Tellerrand kann durchaus lohnend sein.

Pitney Bowes will seine Kunden „ganzheitlich“ betreuen und hat daher auch 15 000 PBS-Artikel ins Angebot aufgenommen.
Pitney Bowes will seine Kunden „ganzheitlich“ betreuen und hat daher auch 15 000 PBS-Artikel ins Angebot aufgenommen.

Pitney Bowes will seine Kunden „ganzheitlich“ betreuen und hat daher auch 15 000 PBS-Artikel ins Angebot aufgenommen.Designorientierte Möbel und Kunst werden vom zur Nothnagel Kommunikationssysteme gehörenden „Studio b“ angeboten.

Das Büroring-Mitglied BeckerComplan vertreibt neben Büroartikeln auch „Beckers Beste Tiernahrung“.
Das Büroring-Mitglied BeckerComplan vertreibt neben Büroartikeln auch „Beckers Beste Tiernahrung“.

Das Büroring-Mitglied BeckerComplan vertreibt neben Büroartikeln auch „Beckers Beste Tiernahrung“.Engelbert-Strauss bietet neuerdings neben Arbeitskleidung auch Bürobedarf.

www.amazon.de www.beckercomplan.de www.buch.de www.engelbert-strauss.de www.file-art.de www.jp-profishop.de www.pbdirekt.de www.studio-b-darmstadt.de

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